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Flucht vor dem Mittelmaß

Da gab es 1998 einmal eine richtig gute Idee beim deutschsprachigen Privatsender NBC Europe. Man wollte das Fernsehen direkt mit dem Internet verbinden und die, meist jungen Zuschauer direkt an der Gestaltung einer Sendung mitwirken lassen. Diese Idee war nichtnur neu, sondern sie war sogar revolutionär. Man nannte die Sendung dann auch Passenderweise GIGA und am Anfang stimmte das auch. Junge, unbekannte und unverbrauchte Computerspezialisten saßen dann als so genannte Netzreporter fröhlich in einem Container in Düsseldorf und unterhielten sich mit begeisterten jungen Leuten in einem extra dafür eingerichteten und damals noch stabilem Chat über die Themen ihrer Sendung, die in verschiedene Themengebiete eingeteilt war, die alle irgendwie mit dem Internet zu tun hatten.
Ich entdeckte diese Sendung Anfang 1999 und machte mit, obwohl ich mich mit 38 ziemlich außerhalb der Zielgruppe bewegte, die irgendwo bei 15 bis 17 lag, denn es machte einfach noch Spaß. Dann begann eine der Säulen von GIGA, der Chat, heftig zu zicken und es wurde ungemütlich. Nichtnur die Chatter kämpften plötzlich mit einer, offensichtlich sehr maroden Technik, die GIGA anbot, sondern auch die Netzreporter kamen nur noch mit Mühe in ihren Chat, um sich dort mit den Chattern über ihre Themen auszutauschen. Die zuständige Commred machte das, was in Deutschland bei Problemen wohl offensichtlich immer passiert, sie machte nichts.
Das Chatten lief immer weniger flüssig und mittlerweile machte dann auch die Firma pleite, die eine solche Chatsoftware verbrochen hatte und die Commred riss nur hilflos die Arme hoch. Ich blieb trotzdem, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht. Nur einige der Netzreporter hatten die Nase voll und beschlossen, ihren weiteren Lebensweg durch ein Studium der Journalistik zu ebenen, oder nahmen gleich das Angebot einiger Privatsender an und suchten und fanden außerhalb von GIGA ihr Glück. Der Chat krachte trotz Zwischenzeitlich mit viel Lärm installierten neuen Servers weiter in sich zusammen. Einige pfiffige und kundige Chatter hatten dann die Idee, eine Webseite ins Netz zu stellen, wo ein dafür programmiertes Tool diese Abstürze zählte und da kam was zusammen. Chatter und Netzmods fluchten weiter, der Chat stürzte so regelmäßig weiter ab, wie die japanischen Kamikazeflieger im zweiten Weltkrieg und nur die Commred hatte und bewahrte ihre ruhige Hand und machte nichts. Zwischenzeitlich war ich fast ein Jahr krank, kam wieder und immer noch crashte die Comm. vor sich hin. Viele gute Mods waren genauso weg, wie viele gute Chatter auch und es wurde fade.
Die neuen Netzmods versuchten ihr Möglichstes, aber Chat und Comm. blieben einfach nicht stabil. Nur die Commred wurde Personell ein paar Mal erneuert, die Technik blieb gleich schlecht. Anfang des Jahres hatte sogar ich die Nase voll und verschwand in den Weiten des Internet.
Viele der jungen Chatter hatten sich mittlerweile genug Wissen angeeignet und hatten eigene, kleine Comms. Dort ließ es sich auch sehr gut leben und schreiben, zumal die Sendung GIGA auch immer grottiger wurde und bald den Unterhaltungswert eines Häkelkursus erreicht hatte. Sie ist einfach nicht mehr interessant, trotz aller heftigsten Bemühungen der neuen Netzmods.
Das Frische und Neue hatte sich über die Jahre sowieso längst verbraucht und da selbst das Schreiben in den Foren von GIGA zu einem Abenteuerurlaub ausartete, wenn mitten im Satz die Technik wieder ihr Leben kurzfristig aushauchte, war auch bald der Geduldigste der alten Chatter überfordert und genervt und suchte sich im Internet seinen Platz auf einem Board. Dieses Jahr, nach nur fünf vergammelten Jahren, hatten die Macher von GIGA eine Eingebung, eine neue Chat und Forensoftware musste her! Da aber die Firma Cassiopeia, die für die alte Software verantwortlich zeichnete, inzwischen sowas von Konkurs angemeldet hatte, war guter Rat erstmal teuer und man verfiel auf die naheliegende Idee, GIGA schreibt die Software selbst. Eigentlich keine schlechte Idee, hätte man sich nur des Wissens der Chatter bedient. Nur ist man ja eitel und kann das alleine. Heraus kam ein quietschbuntes Forum, das Haribo zur "Ehre" gereicht hätte und im Gegenzug ein schwarzweißer Chat, dem so ziemlich sämtliche Funktionen abgingen. Ich bin mittlerweile in einem Chat, den ein cleverer 15jähriger allein programmiert hat und der so ziemlich jede Funktion eines Cassiopeiachats beinhaltet. Nur das wären ja wieder „fremde“ und damit „böse“ junge Menschen gewesen, die GIGA zeigen, was geht und sowas lässt GIGA nun mal nicht zu. Was dann dazu führt, das auch die Letzten, die es bei GIGA aushielten, auf dieses Board und in diesen Chat wechselten. Sogar zweifelhafte Leute, die es da nur noch wegen den virtuellen „Titeln“ aushielten, die GIGA gerne vergab, zeigten der großen Comm. ihren blanken Hintern und wirtschaften nun auf diesem funktionierendem Board mit dem sehr flüssig laufendem Chat.
Was jetzt noch bei GIGA rumturnt, sind Gamer und Hobbymasochisten und ich weiß nicht, ob das der Erwartungshaltung von GIGA entspricht, was sein Publikum angeht. Aus der einstmals außergewöhnlichen Sendung ist ohne das Verschulden der Netzreporter jetzt nur noch das blanke Mittelmaß an Unterhaltung übrig und davor flüchten die Leute mit etwas Verstand nun mal. Wäre GIGA konsequent, würde es sich jetzt in Kilobyte umbenennen! :-)