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Von Idealen und Songs die die Welt retten können

Ein verrückter Kauz ist er schon, dieser Ben Folds.
In den Neunzigern, der Blütezeit des Grunge, als alle Welt die Gitarren verehrte, stand Mr. Folds aus North Carolina inmitten eines lauten Verstärkerkreischen, blinzelte durch seine Kassenbrille und sagte einfach ganz sanft und bestimmt: "Nö".
Er wusste, dass Rock’n’roll keine Frage des Instruments war und dass nur derjenige wirklich cool ist, welcher nach seinen eigenen Regeln tickt. Und Bens Herz pochte eben für das Klavier und flatternden Power Pop. Später trennte sich Ben Folds von seiner Band und nahm zwei gefeierte Soloalben auf. Und dann endlich, horchte er noch mal ganz tief in sich hinein, vernahm ein Seufzen und versprach sich, einen großen Gefühlsregen unter die Menschen zu streuen: seine aktuelle Platte "Songs for Silverman".
Schnitt in die erhitze Columbiahalle, wo der Wahl-Australier am Sonnabend auftrat. Das Paradies geht so: Herr Folds taumelt mit seinen Jüngern im Schwitzkasten direkt hinein in die selbstvergessene Seligkeit. Er sieht aus, wie der lässigste Nerd ever, wie er in seinem weißem Schlabbershirt und zauseligen Haaren das Piano mal wie einen Boxsack und dann wieder wie eine fragile Geliebte bearbeitet.
Begleitet wird er von treibenden Drums und einem lässig groovenden Bass.
Egal ob er treibende Hits wie "Rockin' the Suburbs" spielt oder tänzelnde Balladen wie "The Luckiest" oder das großartige "Late", in dem er dem seinen verstorbenen Kumpel Elliott Smith huldigt - immer klingen seine Songs wunderbar unprätentiös und ganz und gar herzzerreißend.
Es ist ein Fest, ein Glückstaumel.
Sitzenbleiben ist was für Couchkartoffeln.
Also springt Herr Folds immer wieder von seinem Hocker auf, ganz so, als wolle er gleich abheben.
Zwischendurch covert er HipHop-Nummern wie Dr. Dre's "Bitches ain't shit" oder erzählt Anekdoten über weiße verwöhnte Mittelschichtkids, deren einziges Lebensgefühl ein müdes "Pissed of" ist.
Als Foldster glaubt man natürlich noch an Ideale und an Vier-Minuten-Songs, die die Welt retten können. Folds springt schließlich auf sein Klavier und dirigiert seine stimmgewaltige Gemeinde zu einem Chor, der den Göttern und Jimi Hendrix gleichermaßen Spaß machen würde. Konzerte wie dieses sollten kassenärztlich verordnet werden.
Wenn die Welt schon untergeht, bitte schön, aber dann doch wenigstens mit Stil, Charme und Ben Folds im Ohr.

Diese Kritik aus der Berliner Morgenpost beschreibt das Konzert und trifft das Gefühl vom Konzert noch besser als meine dürren Worte!