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66 Jahre

Vor genau 66 Jahren erblickte einer der wenigen, wirklich herzensguten Menschen dieser Erde in Breslau, damals noch Deutschland, das Licht dieser Welt. Meine Mutter. Es begann kein leichtes Leben, aber ein erfülltes voller Probleme.
Als erstes Problem verstarb ihre Mutter, meine echte Großmutter an einer lächerlichen Angina, nur weil damals das Penicillin noch nicht erfunden war. Eine Tante holte sie dann nach Wien, wo sie ein paar Jahre eine Art glückliche Kindheit genießen durfte ohne jeden Druck. Dann traten als nächstes Problem die Großeltern, die ich als solche kannte, in ihr Leben und holten sie nach Berlin, auf das mal „was Besseres“ aus ihr werde und sie musste unter der Aufsicht von wild um sich prügelnder Lehrer so wichtige Sachen lernen, wie Klavier und Ballett. Nun hatte meine Mutter schon damals ihren eigenen Kopf, pfiff herzhaft auf ihre bösen Stiefeltern und lebte ihr eigenes Leben. Mit der Vita, die sie damals schon hatte, würde heute jeder Amokläufer und Kinderschänder freigesprochen werden, aber sie entschied sich einfach anders, sie wollte es besser machen als diese Eltern mit ihrer Bosheit und ihren Träumereien von Bühnenerfolgen. Sie lernte einen anständigen Beruf und machte dann jahrzehntelang einen Anderen gemacht.
Dabei lernte sie meinen Vater kennen und hatte bald das nächste Problem am Hals, mich. Mein Vater verstarb vor meinem ersten Geburtstag und ich hatte bald auch einen Stiefvater. Schulzeit und Lehre bei mir überstand sie recht Reibungslos und einer ganzen Masse schwarzem Humor. Die Launen meiner Pubertät, die auch zu diversen Reibereien mit meinem pingeligen Stiefvater geführt hatten, sah sie nicht als Problem, sondern schmiedeten sie fest auf meine Seite, wobei sie ohne zu Zögern immer für mich Partei ergriffen hatte.
Vor neun Jahren verstarb dann mein Stiefvater nach 35 Jahren Zusammenlebens und 25 Jahren Ehe und wieder hatte sie ein Problem. Dann bekam ich ein Problem, denn sie fand nichtnur Trost bei mir, ihrem Sohn, sondern auch und hauptsächlich bei dem Bruder meines 1961 verstorbenen, leiblichen Vaters und ich fürchtete irgendwie um meinen Platz in der Familie. Wie auch immer, es lief alles sehr gut für sie und ihr Leben hatte wieder einen Sinn. Ich machte den Fehler und stürzte mich in meine Arbeit. Mutter konnte ihr großes Herz dann auch anderen Wesen widmen, den Tieren. Bei meinem Stiefvater beschränkte sich diesen Lebewesen auf eine Art Tennisball mit dauernder Mauser, einen saublöden und lärmenden Wellensittich, dessen einziges Talent darin bestand, seine Fäkalien und alten Federn breit fächernd in der Wohnung zu verteilen.
Da sie meine Kater seit 1980 sehr liebevoll zu hegen und zu pflegen verstand und seit 1992 auch meinen Hund, beschloss ich einen Tag nach der Beerdigung meines Vaters einen Ausflug ins Tierheim, um ihr etwas Eigenes mit vier Pfoten zu holen.
Aus den vier Pfoten wurden dann acht, weil außer dem von mir geplantem Kater Moritz noch ein braunes Bündel Fell ihren Weg gekreuzt hat, ein Colliemischling. Der heute gelegentlich auf den Namen Max hört, wenn ihm danach ist. Aber eben auch nur dann. Es war Liebe auf den ersten Blick, die auch ein Hundeleben lang halten wird, egal wie das Kopfkissen mit Pfoten sich benimmt. Ich kenne das auch, von meinem Hund, aber der verstarb 1999. von da an ging es Bergab. Mutters einziger Sohn schinderte sich in Richtung Schlaganfall, rappelte sich mit viel Quälerei wieder hoch und hatte plötzlich trotz gegenteiliger Versprechungen seiner Chefs weder Arbeit noch Einkünfte und das nagt an ihm nun vier lange Jahre jeden Tag und besonders jede Nacht, die er zuhause am Computer saß und immer noch sitzt um mit neuen Freunden aus dem Internet zu reden, die er da erstaunlicherweise fand. Von seinen alten Freunden hielt eigentlich nur noch einer ziemlich konstant zu ihm und das wird auch immer so bleiben. Torsten war ein ehemaliger Kollege von ihrem Sohn und ein Mensch, wie es keinen Zweiten gibt, was den Begriff Freundschaft angeht. In einer Welt von verlogenen Egoisten, die mit dem Arsch an der Wand denken, ist auch Torsten eine unbezahlbare Perle. Beim Stichwort unbezahlbar kommt wieder Mutter ins Spiel, denn der Sohn hatte ja nun kein Geld, aber das braucht man ja in dieser Gesellschaft von geldgierigen Haien. Meine Mutter kämpfte mit allen Mitteln und wie eine Löwin mit Erfolg dafür, dass ich genug Geld habe. Sie sagt immer, das sie sich wie 94 fühlt und ich hoffe führ uns beide, das sie es auch wird. Denn noch bzw. wieder fühle ich einen Funken Leben in mir. Dank meiner unbezahlbaren Mutter, die ich eher unbeabsichtigt, öfter auch mal trieze. Sorry, Mausi und Alles Gute!