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Abschied eines Gestörten

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Sieben Jahre nach Columbine, ein Namen, den erst Michael Moore mit dem Film Bowling for Columbine weltberühmt und berüchtigt machte und vier Jahre nach Erfurt scheint man in Deutschland nach Fastfood und Rap eine weitere, sehr üble und an sich sehr amerikanische Angewohnheit fest in die deutsche Kultur integriert zu haben, den Amoklauf, bei dem meist junge Vertreter der neuen geistigen Unterschicht, des Prekariat, die mit Leben und Schule nicht klarkamen und ihre Probleme auf amerikanisch, also mit der Waffe zu Leibe rückten und dabei meist eine Menge völlig unschuldiger Menschen über den Haufen schossen und wie im letzten Fall im Kaff Emsdetten, auch die Inneneinrichtung ihrer Schule mit der Hilfe selbst gebastelter Bomben nach den letzten Vorschlägen der Zeitschrift „schöner Wohnen“ umgestalten wollten.
Solcherlei Tun erregt natürlich erst die Aufmerksamkeit der Medien, dann erregt es die Gemüter einiger selbstzufriedener Politiker, deren Können, Wissen und Talent sich ohnehin auf die, mehr als reichliche Selbstversorgung beschränkt, die sich zuerst mal beeilen zu versichern, das ein Amoklauf mit dem anderen ganz selbstverständlich nichts zu tun habe, aber schon im zweiten Satz erkennen sie laut, munter und ziemlich pauschal die, dann doch wieder gemeinsame, Ursache in die gespannt lauernde Medienwelt hinausrufen.
Diese Ursache ist erstaunlichweise dann doch immer dieselbe, nicht etwa unfähige Politik oder unfähige Politiker in einem überholten Bildungs- und anderem System, sondern wie von einem politische Tourette Syndrom getrieben, reißen sie die Arme hoch und zeigen mit dem Finger auf das, wovon sie am wenigsten Ahnung haben, auf das Internet und gewisse Spiele, die bei der Jugend sehr beliebt sind und benennen sie ohne zu zögern als die Hauptursache für solche Bluttaten.
Nun bin ich bestimmt nicht als Freund dieser Games oder gar der Gamer verschrien, aber das ist mir dann doch etwas zu simpel, denn da fehlt mir jede innere Logik.
Mit der gleichen Begründung müssten diese gierigen Ritter der Selbstbedienung, die Politiker, die sich gerade wieder, für ein Jahr inzestuöse Zweckehe selbst bejubeln und die Erfolge der Reformen der so verteufelten Vorgängerregierung als ihre eigenen und den einzigen den Sinn ihres derzeitigen politischen Daseins verkaufen, müssten dann ja auch konsequenterweise das Auto als solches verteufeln, denn im Straßenverkehr von Deutschland gibt es ja noch immer die meisten Toten.
Auch ist ein Auto an sich nur ein Haufen Blech, der nur dann zu einer tödlichen Gefahr mutiert, wenn er von einem Idioten bedient wird.
Ähnlich sieht es aus mit den „Killerspielen“, wie beschränkte Politiker und auflagengeile Medien die kleinen oder großen Programme aus Bits und Bytes bezeichnen, mit denen Jugendliche am Computer spielen oder eben auch den Frust abreagieren.
Aber auch dort gibt es, wie bei den Autos, unterbelichtete Geisterfahrer, die völlig vom Weg abgekommen sind und deren Treiben dann mit Toten bei einem Amoklauf endet, aber das ist wohl kaum die Schuld dieser Ballerspiele, sondern eher die der geistig unterbelichteten und lebensunfähigen Spieler, die freiwillig in diesen Spielen und im Internet leben, weil sie die Realität einfach nicht bewältigen können. Einer von ihnen hieß Sebastian Bosse, war 18 Jahre jung und trotzdem so ziemlich fertig mit der Welt, die sich bei ihm freiwillig auf die Schule, den Computer das Internet beschränkten. Im Internet führte er als „ResistantX“ eine Art “Blog“, der sich aber eher wie das Tagebuch eines sehr kranken Menschen liest, denn die einzig erkennbare Botschaft, die er dort verkündet ist ziemlich eindeutig:



ICH HASSE ALLES!!!

und


ICH SCHWÖRE DIR, BEI ALLEM WAS MIR HEILIG IST, WENN WAS ERNSTES PASIERT IST BRINGE ICH DICH UND DEINE FAMILIE UM, UND ICH WERDE DEIN HAUS ABBRENNEN !!!


Also Aufzeichnungen und Notizen eines jungen Menschen, der mit der Welt alles andere als zurecht kommt.
Alles Warnzeichen, die man hätte kennen und richtig deuten können und ein Amoklauf wäre der Welt erspart geblieben, denn dass ein junger Mensch mit Umwelt und Leben hadert und letztendlich daran scheitert, ist spätestens seit dem Amoklauf von Erfurt 2002 nun wirklich nicht neu. Allerdings hat das mit den Spielen recht wenig zu tun, denn die dienen normalen jungen Menschen eher zur Bewältigung von Stress und eine oder auch mehrere Ausnahmen ändert daran auch nichts.
Nur die Politiker, die ja für die trostlose Realität und die Zukunftslosigkeit solcher gestörten Jugendlicher ja verantwortlich sind, reißen reflexartig die Hände hoch und faseln etwas von der Schuld von gewissen Spielen, die sie selbst weder kennen, noch begreifen, sondern nur aus den überheizten Medien von ihnen wissen.
Nur es liegt ja in der Hand dieser Politiker, an Umfeld und Bildung dieser jungen Menschen etwas zu ändern, aber genau dabei versagen sie ja völlig.
Das Internet hingegen hat sich in wenigen Jahren völlig verändert. Aus dem einstigen Hort für Wissen und zwangloser Kommunikation ist mittlerweile ein Sammelbecken für psychisch kranke und labile jungen Menschen geworden, wie es inzwischen nicht nur meine Meinung, sondern auch das Ergebnis einer Studie aus Österreich ist.
Ob sie sich nun ResistantX nennen, wie der Amokläufer Sebastian Bosse, Mantelmann oder auch nur bluerisk , das erwachsene Kind aus dem Westerwald, sie alle konnten und können nur Eines, sie verarbeiten im Internet nur ihre Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben durch ausgeprägten Hass auf so ziemlich alles und jeden, den sie nicht etwa durch ausgefeilte Kommentare dokumentieren, sondern ausschliesslich durch schlechtes Bewerten ihnen missliebiger Menschen. Man weiß nie, wann die austicken und dann mit der Waffe durch die Stadt rennen. Meiner Meinung nach wird es einfach nur weitergehen und diese Amokläufer werden nur blutige Fußnoten der Geschichte:



26. April 2002
Der 19-Jährige Robert Steinhäuser tötet im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen, bevor er sich selbst tötet.




20. November 2006
Der 18-jährige Sebastian Bosse betritt gegen 9.30 Uhr maskiert das Gelände seiner ehemaligen Schule und schießt wahllos auf Schüler und Lehrer. Er verletzt 27 Menschen zum Teil schwer und begeht anschließend Suizid.


Eine Liste, die wahrscheinlich längst noch kein Ende hat und auch kein Ende nehmen wird, wenn man die soziale Kälte in Deutschland nicht als Ursache bekämpft, sondern sich nur auf Games einschiesst, die zwar nicht unbedingt höherer Bildung dienen, aber irgendwo ihren unterhaltenden Funfaktor haben.



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