About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Arbeit lohnt nicht mehr

Zumindest dann nicht, wenn man sie ernst nimmt oder gar recht gerne macht. Ich habe immer irgendwie für meine wünsche gearbeitet seit ich 15 war. Nur von 1977 bis 1981 habe ich selbst Musik gemacht und bin mit einer Band durch mein Land getourt. 1981 wurde ich wegen einer schweren Erbkrankheit auf Rente gesetzt und bekam einen Reisepass, mit dem ich den damals noch recht „feindlichen“ Westen Berlins erkunden konnte. Nur füllte das alles kein junges Leben aus und so wurde ich 1982 Leiter eines Ostberliner Jugendclubs und hatte zwei Jahre später prompt die SED am Hals, die mich wegen meiner „Feindkontakte“, also den Reisen nach Westberlin, daraufhin umgehend feuerte. 15 Freunde meiner Ordnungsgruppe zerrissen daraufhin ihre Clubausweise und gingen mit mir. Das hätte mir eigentlich schon zeigen müssen, wie wenig Arbeit sich eigentlich lohnt. Nur war ich jung und glaubte an das Gute und 1984 wurde auch gerade der neue Friedrichstadtpalast eröffnet und der alte Friedrichstadtpalast musste ausgeräumt werden und es fügte sich, dass der Vater eines Schulkameraden da ein Direktor beim Orchester war. Der heuerte mich als pauschale Kraft an und so leckte ich Theaterblut und fand Geschmack daran. Kein Wunder bei meinen Vorfahren mütterlicherseits. Ich hab dann 1985 erstmal ziemlich erfolglos versucht, eine Festanstellung beim Orchester zu bekommen, aber angeblich wurde da niemand gebraucht. Ich ging dann in die Offensive und habe in einem kurzen Brief den Parteisekretär der SED von Berlin auf die Beschlüsse seiner eigenen Partei auf ihrem 8. Parteitag bezüglich der Wiedereingliederung Schwerbeschädigter, wie man die Behinderten in der DDR nannte, ins Arbeitsleben
Es war das erste und auch letzte Mal, das die SED in meinem Leben etwas Positives bewirkt hat, denn der Friedrichstadtpalast musste mich nach ca. 15 Absagen in so ziemlich allen Bereichen auf einmal einstellen. Natürlich nicht im Orchester, denn brauchte man angeblich keinen, nur zwei Wochen später gab es da dann den dritten Mann, aber ich übernahm den nicht unbedingt verlockenden Job eines Boten. Ich war nicht gerade außer mir vor Begeisterung, aber ich hatte eine Arbeit am Friedrichstadtpalast. Nach einem kurzen Abstecher als Hausmeister, wo ich das ganze Theater auch während der Vorstellung kennen lernte, bekam ich drei Jahre später den Job des Orchestersekretärs und lernte da die Musiker kennen. Bis dahin hat sich gute Arbeit also noch gelohnt und ich machte so weiter.
Zum Missfallen meiner Bürokollegen, die keinen Handschlag machten, der nicht ausdrücklich angeordnet wurde, sorgte ich für Zufriedenheit bei den Musikern, denn nur zufriedene Musiker machen auch gute Musik. Das machte ich so bis zur Wende und darüber hinweg und vom Verdienten bereiste ich dann 10 Jahre die Welt. Arbeit lohnte sich also noch immer. In den Neunzigern wurde das Büro mit Computer ausgerüstet, ich kniete mich nochmal richtig rein und der Arbeitsablauf zu Abrechnung und Anwesenheit der Musiker wurde noch schneller und einfacher. Ich trug meinen Teil dazu bei, absolvierte mit 35 Jahren Kurse in Excel und Ähnliches, damit das alles optimiert ablaufen konnte.
Das machte ich, bis 2000 schließlich mein Körper versagte und mich ein Schlaganfall heimsuchte.
14 Tage(!), nachdem ich aus dem Koma wiederaufwachte, bekam ich einen Anruf vom Orchestervorstand, dass meine Vertretung ihrer dienstlichen Aufgabe nicht gewachsen sei und wann ich wiederkomme! Ich verplemperte acht Monate meines Lebens in dieser Reha-Klinik und durfte danach dann sechs Wochen arbeiten.
Das tat ich dann wohl so erschreckend fehlerfrei, das meine Bürokollegen aufgeschreckt zum Personalbüro liefen, weil ihre Arbeit von einem Krüppel besser gemacht wurde, als von ihnen und machten dort die überraschende Tatsache geltend, das ich das ja alles nur mit einer Hand erledige und da könne meine Arbeit doch unmöglich gut sein. Die Personalleitung akzeptierte diese schwerwiegenden Bedenken, bestellte mich hoch und man legte mir Arbeitsamt oder Rente ans Herz, obwohl mich der Intendant sogar in einer Personalversammlung vor der gesamten Belegschaft wieder willkommen hieß und unter Zeugen die Notwendigkeit meiner Arbeitskraft betont hatte. Da selbst ich ja von irgendetwas leben musste, reichte meine alte Mutter für mich dann die Rente ein. Ich habe seit 1978 an jeden Staat, in dem ich lebte Steuern und sündhaft hohe Abgaben gezahlt und von denen lebe ich jetzt. Wenn mir nun kleine dumme Leute mit dem IQ einer Nudel im Internet, die für Federico Fellini als Darsteller kaputter Typen ganz reizvoll gewesen wären, allen Ernstes Faulheit vorwerfen, bin ich mir mehr als sicher, das gute Arbeit ganz einfach nicht lohnt.