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Auf Tee und Gebäck bei Mick

Zunge RollingStones2005180-rolling-stones-konzert-live


Es war mal wieder soweit, Mick Jagger war in Berlin, hatte mit seinen Mannen zu Tee und Gebäck geladen und wollte dazu singen. Das ist nicht unbedingt neu, denn das hat er seit Gründung seiner Band, den Rolling Stones, in den sechziger Jahren schon öfter getan und 1965 zerlegten seine Fans dafür auch die Berliner Waldbühne. 17 Jahre später, 1982, war ich bei deren Wiedereröffnung auch durch die Rolling Stones dabei. Nun, 24 Jahre und sieben erlebte Konzerte später, setzte er wieder ein Konzert an, aber diesmal im Berliner Olympia-Stadion. Auch dort war ich schon öfter gewesen, aber die Zeit, der Euro und sehr gierige Veranstalter haben aus den 38 DM Obolus für Eintritt und guten Platz in der Waldbühne nun im Olympia-Stadion eine kostspielige Angelegenheit von über 100 Euro gemacht. Ein Geld, das ich logischerweise nicht hatte. Was ich hatte und habe, ist eine verständnisvolle Mutter, die weiß wie sie mir eine echte Freude machen kann und dafür auch schon mal happiges Geld bezahlt. 140 Euro für eine Karte sind definitiv recht happig und für mich absolut unerschwinglich, aber im Nachhinein betrachtet, hätte auch diese Ausgabe gelohnt. Nun kauft meine Mutter nicht einfach drauflos, sondern sucht sich immer die preiswerteste Variante. In meinem Fall, als Krüppel, bieten solche Großveranstaltungen ja immer irgendwelche Preisnachlässe oder die Begleitung darf umsonst mit rein, wenn eine Karte bezahlt ist. Also fast ein Schnäppchen, wenn nicht schon die eine Karte so sauteuer wäre und zudem noch an eine Bedingung geknüpft. Ich musste in meinem Rollstuhl zum Konzert und Bine als meine Begleitung mich also schieben, weil ich auf dem Untergrund mit einer Hand nicht recht vorwärts kam.
So, wie ich im Urlaub in Ägypten neben oder wenigstens hinter ihr hergetigert bin, auch das eine neue Erfahrung für sie. Für mich ist der Rolli nur eine böse Erinnerung an sieben Monate Reha-Klinik, wo ich an das Ding gefesselt war. Aber für ein Konzert der Stones zieht man das schon mal durch, also nahm ich ihn mit zum Olympia-Stadion und lümmelte mich dort in meine Kutsche für diesen Abend.
Pünktlich und zuverlässig, wie immer, trafen wir meine Bine vom S-Bahnhof Olympia-Stadion vor dem großen Eingang des Stadions. Wir mussten natürlich auf die andere Seite, aber es war noch früh genug, doch Bine kannte kein Halten und schob mich aufgeregt los. Oben angekommen, war der Platz erstmal sehr gut und die Sicht einfach großartig. Nur was ich da auf den Behindertenplätzen sah, dass stimmte mich erstmal nachdenklich, denn von Zwergenwuchs mit völliger Lähmung, über Mann mit ganz ohne Beine, einem Querschnittsgelähmten, der so kaputt war, dass er nicht einmal selbst schwitzen konnte, war da alles bei, was der gütige Christengott an bösartigen Krankheiten für seine gläubigen Schäfchen in seiner großen Güte und Langeweile so erschaffen hatte.
Dagegen war ich mit meiner Halbseitenlähmung ja so beweglich und munter, wie eine Fruchtfliege auf dem Erdbeerkuchen. Ich hatte Ausblick auf eine recht ferne Bühne und den gut gefüllten Innenraum mit seinen gezählten 32 Dixi-Klos. Die Nummer mit dem Innenraum in einen Stadion hatte ich 1994 schon durch, als ich mit zwei Kollegen im alten Wembley Stadion doch tatsächlich bei den Rolling Stones war, aber das Konzert abgebrochen werden musst, weil das englische Wetter, der Regen, da zum Tragen kam und uns bis auf die Knochen einsaute.
Damit war das Thema Innenraum bei mir auch endgültig gegessen und für mein nächstes Konzert 1995 von Guns n`Roses im Olympia-Stadion holte ich mir teure Karten für Plätze, wo kein Regen hinkam. Zurück in die Gegenwart von 2006 und ins Olympia-Stadion Berlin.
Da ging es endlich um die Musik. Da aber Guns n`Roses als Vorgruppe abgesagt hatte, lärmte leider eine, mir völlig unbekannte Band und machte das, was alle Vorgruppen machen. Sie nervten, denn wir wollten alle die Stones. Die Zeit klebte und wurde mit der Umbaupause zu einer festen Masse.
Dann endlich dröhnten die ersten Töne vom Smashhit „Jumping Jack Flash“, die Bühnenshow begann mit großem Feuerwerk und großer Stoneszunge und das Stadion begann zu kochen. So ging es dann auch richtig los und das Ledergesicht Mick Jagger fegte mit seinen 62 über die Bühne, als wäre er 25 und hätte Hummeln im Hintern und sang dazu die Songs meiner Jugend, als würden sie morgen verboten werden. 44 Jahre Rock und 30 davon aus meinem Leben, das ging mir an die Nieren und tiefer, aber offenbar ging es nicht nur mir so.
Dann bewies Mick Jagger Humor und kündigte ein Lied für eine Deutsche an und sang, keiner wird es ahnen, über „Angie“. Der Kessel des Stadion kochte und die Leute flippten völlig aus. Es sollen zwar „nur“ 60 000 von 75 000 Möglichen gewesen sein, wie ich später hörte, aber auch die geben schon mehr, als nur ein begeistertes Grüppchen. Zumal, wenn sie durch alle Generationen gingen und von 15 bis 65 da wieder alles vertreten war.
Bine verstieg sich sogar dazu zu sagen, dass Konzert wäre besser als Sex. Wundern täte mich das nicht, denn sie hat ja ihren Sex mit mir und da kann sie sich ja nur verbessern.
Wer aber noch immer sagt, die Stones sind nur blöde, war noch nie bei einem ihrer Konzerte, hat absolut keine Ahnung von guter Musik, ist einfach nur ein völliger Ignorant oder alles zusammen!

Wer dazu eine Meinung hat und die unbedingt auch loswerden will, der klickt bitte Hier!