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Bürgerin Wilma und der Kontaktbereichsbeamte

Bürgerin Wilma heißt im normalen Leben Silvia und fungiert dort als meine Mutter. Die Wilma hat sie nur für sich beansprucht, weil in meinem, von ihr gesponsertem neuen Handy die Musik der Familie Feuerstein loslärmt, wenn sie da anruft. Seit ich als Invalide 1984 wieder arbeiten ging, mir auch als mein Fahrer dienlich ist. Sie hat ihren Führerschein seit 1966 und ein Auto gibt es in der Familie seit 1970 und das fährt sie seit der Zeit auch fast ausschließlich alleine und Unfallfrei!
Mein Stiefvater ist schon früher, ans Herz greifend und entsetzt über ihren, sagen wir mal, kreativen Fahrstil, gerne mal ausgestiegen und hat die Straßenbahn nach Hause genommen. Sie fuhr mich also zur Arbeit und da begegneten wir gelegentlich auch meinen Musikerkollegen, die dann in meinem Büro ziemlich trocken feststellten, das meine Mutter. Wörtlich: „Wie ein Messer fährt“! Das stört mich insofern nicht, da sie ja immer da ankam, wo sie hin wollte und nur das zählt für mich. Heute war das der Media-Markt meines Vertrauens im Wedding. Dort holte ich Dies und bestellte Jenes und wir waren soweit zufrieden. Dann musste sie eine Postbank aufsuchen, um das Finanzielle zu regeln, was ja bei mir gerade etwas mau aussieht. Die Postbank, die sie anstrebte, lag aber Unglücksseligerweise irgendwo links hinter einer Ampel. Nun war in Berlin aber wieder ein Auto fahrendes Volk auf der Straße, das überall hin gehört hätte, nur eben nicht auf die Straße. Man fuhr die Autos nicht, sondern man schlich mit ihnen. Das war ja für meine Mutter, deren Vorfahren ein bis zwei Gene der mexikanischen Rennmaus Speedy Gonzales geerbt haben müssen, ja das reine Gift und sie gab Gas, wo es nur ging. Nun hat aber der Gott des Berliner Straßenverkehrs, in Gestalt des Berliner Verkehrssenators die eine oder andere Ampel zur allgemeinen Freude der Autofahrer in den Weg und speziell an die Kreuzungen gestellt. Eine solche musste genommen werden, da die Postbank ja nun Perfiderweise nach der Kreuzung links gebaut worden war. Mutter hielt sich an den Golf, der vor ihr mit der Rasanz einer Pferdedroschke dahinschlich und sich nicht so ganz entscheiden konnte, ob er diese Ampel nun noch bei Grün nehmen sollte oder auf ein freundliches Violett warten sollte. Als er nun offenbar gewürfelt und sich entschieden hatte, war es leicht zu spät und die Ampel erstrahlte in unfreundlichem Kirschgrün. Mutter hatte aber die Bank vor Augen und gab Gas. Als wir dann vor Selbiger parkten und sie drinnen verschwunden war, nahte das Unheil auch schon in Form einer Uniform, die einem Kontaktbereichsbeamten gehörte, der an der Kreuzung etwas Kontakt gesucht hatte und den ganzen Vorgang auch noch filmte. Da ich erstmal allein im Auto saß, fragte er natürlich mich nach Halter und Fahrer.
Ich wedelte mit meinem Finger unbestimmt in Richtung Postbank und da erschien auch schon die Bürgerin, wie er sie anredete, senkte schuldbewusst das Haupt und erfuhr, dass sie gerade 50 Euro Bußgeld und drei Punkte in Flensburg gewonnen hatte. Auf die Frage des Kontaktbereichsbeamten, ob sie Widerspruch einlegen oder Anwalt einschalten wolle, lachte sie ihn erst an, gestand dann ihre Todsünde und bekam sich dann vor Lachen kaum noch ein. Die 50 Euro schmerzten die Rentnerin zwar, aber die Punktekartei in Flensburg ging ihr genauso nahe, wie ein Wasserrohrbruch in ihrem Haus auf dem Mond.
Mit Bürgerin Wilma in Berlin umher zu fahren, ist immer ein Erlebnis. Davon kann auch Markus ein Lied singen, als der mich mal besuchte und Mutter ihn und Ute vom Bahnhof abholte. Nach eigener Angabe hat er sich an jeden Griff geklammert, der zu erreichen war und Markus weiß, was Autofahren bedeutet. Was soll’s, er hat’s überlebt und kam mit Ute in einem Stück bei mir an. Ich fahr weiterhin gerne mit Bürgerin Wilma.