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Bei Doktor Freud

Heute war es nun soweit. Ich hatte mich breitschlagen lassen, nachdem das mein Arzt, meine Mutter und auch einige echte Freunde, wie z.B. Felix, mir das angeraten hatten, und ging zu einer ersten Sitzung zu einem Psychotherapeuten. Dank des genialen Zeitplans meiner Mutter war ich natürlich erstmal 45 Minuten zu früh und entsprechend angefressen, weil ich diese Warterei bei allen nur möglichen Ärzten eigentlich schon in vier Jahren Behandlung so richtig Pappsatt hatte und das für überflüssig hielt, da ich mich geistig eigentlich für ziemlich beisammen halte.
Da ich beschlossen hatte, mit offenen Karten zu spielen, hatte ich die wichtigsten Texte aus meinem Verfassten dabei, die meine letzten vier Jahre betrafen. Was folgte, waren 45 Minuten eines recht anregendes Gespräches mit einem Professor, der auch noch haarscharf so aussah, wie Sigmund Freud. Das er meine Analysen über den Zustand der Moral dieses Landes lobte und ihnen zustimmte, erfüllte mich dann doch mit etwas Stolz, denn er war älter und hatte zudem noch habilitiert und sollte es also wissen.
Wir sprachen über alles Mögliche und kamen zu dem Schluss, dass die Politik der letzten 20 Jahre dieses Land es zugrunde gerichtet hat. Auch er sah keine Besserung für die Zukunft, denn er teilte meine Ansichten über gewisse Teile der Studentenschaft, die ihn einst ablösen würde. Er hielt sie, wörtlich, für zu zynisch, banal und zu kleinkariert, um die noch kommenden Probleme lösen zu können. Er sagte das nicht von Allen, aber er sprach über eine Mehrheit von ihnen. Felix erklärte er zur lobenswerten Ausnahme, als ich ihm von Felix erzählte. Der würde eigentlich nur die Regel bestätigen und mein Text über die Studenten, die sich heute im Internet verschanzen, um sich da ungestört gegenseitig zu bewundern, bestätigte ihn eigentlich nur in dieser Ansicht. Da ich nun schon mal da war, erzählte ich von dem innigen Bemühen meiner Mutter um mich und ob da irgendwo ein Oedipuskomplex hinterstecken könnte und er erklärte mir, das dieser Komplex eine reine Erfindung seines großen Vorgängers aus Wien sei, meine Mutter einfach nur ein herzensguter Mensch und ich im Übrigen viel zu alt für sowas. Darauf angesprochen, ob und wie er mir nun helfen könne, erklärte er mir zu meiner Freude, das was ich eigentlich schon wusste. Ich wäre geistig ziemlich fit und nur deprimiert von den Lügen, die mich umgeben hatten und wenn er jemandem psychiatrische Hilfe anbieten könnte, dann nur denen, die mit mir nicht klarkommen. Damit war das Thema Psychiater für mich auch abgehakt und meine Mutter lieferte auf dem Rückweg noch eine ihrer ganz speziellen Einlagen. Sie vermisste in völliger Panik die Handtasche, wie sie den umgenähten Putzlumpen mutig nennt, in dem alle ihre Wichtig und Nichtigkeiten steckten und wir klapperten die orte ab, wo sie während meiner Sitzung war.
Ihre Bank und eine Konditorei, wo sie wahrscheinlich spezielle Zutaten für ihre aktuelle Diät einkaufen musste, denn sowas war ihr als Diabetikerin eigentlich verboten. Ihre „Tasche“ fand sich dann natürlich bei meinem Arzt in dessen Patienten- WC. Damit war dann auch der unterhaltende Teil des Tages vorbei und als ich Zuhause dann im Fernsehen was von Polizisten sah, die einen Cracksüchtigen überwältigen mussten, war mir endgültig klar, das nicht ich therapiert werden musste, sondern die Welt, denn Cracksüchtige habe ich bis vor Kurzem nur im Fernsehen gesehen, wenn sie in den USA randalierten und nicht in Hamburg! Der Doc war auch sehr von meinen Reiseplänen mit Torsten begeistert und der Tatsache, dass ich sowas überhaupt noch hatte, denn sowas kannte er von seinen echten Patienten eben nicht. Dieser Tag beim Psychiater war alles in allem eine schöne Erfahrung.

Danke Felix