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Beim Barbier von Assuan

Da unser Hotelschiff länger in Assuan vor Anker lag, als es dort Tempel zu besichtigen gab und die eine Hälfte der Gäste in das 290 Kilometer entfernte Abu Simbel pilgerte, um dort den Tempel von Ramses des 2ten zu bestaunen, blieben wir in Assuan und beschlossen, mal das ganze Kolonialherrenprogramm durchzuziehen und einen ansässigen Barbier aufzusuchen, auf das wir von unseren Stoppeln befreit werden. Wir hatten unser Rasierzeug zwar mit an Bord, aber ich wusste aus Singapur, wie entspannend es sein kann, wenn die eklige Nassrasur von der Hand eines Meisters erledigt wird. In Deutschland gibt es ja angeblich keine Nachfrage für ein solches Angebot und so muss der Mann mit Rasurwunsch dann auch in die Stadtteile ausweichen in denen die Türken ihre kleinen Geschäfte haben, denn bei denen ist ein solcher Service noch absolut üblich. Vor 40 Jahren war die Rasur in Deutschland noch fester Bestandteil einer jeden Lehre in diesem Gewerbe, ist es heute nicht einmal mehr das. In Asien und auch hier in Vorderasien ist eine solche Dienstleistung noch selbstverständlich und wird an jedem Basar für sehr wenig Geld feilgeboten. Torsten war Feuer und Flamme, als ich ihm davon erzählte und so liessen sich Massa Torsten und Massa Schubi ganz feudal und ganz wie die Kolonialherren für wenig Geld mit einem Taxi zum nächsten Suk, wie der Basar hier heisst, chauffieren und dort zu einem ansässigen Barbier. Der Meister war entzückt über die fremdländische Kundschaft und begeisterte uns dann zuerst mit einem selbstgebrautem, aber starken Tee. Torsten übernahm die Preisverhandlungen, die eigentlich eher lächerlich waren, bei den, umgerechnet 3,25 Euro für zwei Rasuren. Mit weniger als 10 Euro in der Tasche hat es in Berlin kaum einen Sinn, einen Friseursalon überhaupt zu betreten und eine Rasur ist da schon gar nicht drin. Ich musste zuerst ran und da hatte der Meister auch zu tun und er Tat es offensichtlich mit Vergnügen und sehr geschickt noch dazu. Er überraschte erst mich und dann Torsten damit, was er mit einem gespannten Seidenfaden so alles anzustellen wusste, um das Gesicht von lästigen Haaren zu befreien. Offensichtlich ein orientalischer Brauch, denn als ich mich 1988 das letzte Mal in Ostberlin bei einem deutschen Friseur den Bart geschoren bekam, kannte der so etwas auch nicht. Ich war hochzufrieden und Torsten auch, weil er vom Ganzen Bilder machen konnte, die so wohl ziemlich einmalig bleiben werden. Der kleine Lehrling des Meisters verdiente sich noch seine Piaster nebenbei durch Schuhe putzen und da brach in Massa Schubi ganz der Kolonialherr durch und ich hielt ihm meine, durch tausend Tempel völlig verdreckte Botten hin und sie wurden in der Zeit ihrer Existenz zum ersten Mal richtig geputzt. Torsten war dann auch auf Babyarsch rasiert, wir fühlten uns um Jahre jünger und sahen sogar zwei Stunden jünger aus. Torsten hatte inzwischen auch das Feilschen gelernt und handelte den Taxifahrer auf einen, schon fast unanständig niedrigen Preis herunter und der brachte uns dann leicht angefressen zurück zum Schiff, das um 13:00 Uhr mit Mittagessen und auch mit Abfahrt drohte.