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Bewerbungscasting

Normalerweise ist es ja so, dass Werbung erst einen Bedarf wecken soll aber in den Zeiten von fünf Millionen Arbeitslosen muss da nicht erst Bedarf an Arbeitsplätzen geweckt werden. In derselben Zeit, wo das Arbeitsamt in Arbeitsagentur umgetauft wird, aber sonst jeden Sinn verliert, weil es nicht einen Job zu vermitteln hat, trägt auch jeder Bewerbungsvorgang schon kuriose bis perverse Blüten.
So bietet der Schnäppchenjäger Lidl doch tatsächlich eine Art Casting da an, wo sich andere Schulabgänger normalerweise nur bewerben müssen, um dann abgelehnt zu werden.
Der Werbespot im Fernsehen dafür ist entsprechend makaber bis menschenverachtend.
In Anlehnung an „Deutschland sucht den Superstar“, die Show von und für Idioten bei RTL heißt der Spot dann auch "Lidl sucht den Superazubi" mit dem Lidl, das nicht ganz umsonst schon in einem Schwarzbuch von Ver.Di, der vereinigten Gewerkschaft, steht, auch nur lächerliche 1000 Ausbildungsplätze für ganz Deutschland an, für die sich die Jugendlichen dann wohl irgendwie zum Affen machen müssen.
Im Spot muss ein junger Mann wie ein Blöder mit einer Palette Katzenfutter durch einen Markt jagen.
Auch sonst geht es bei Lidl nicht unbedingt fein zu, weiß die Gewerkschaft Ver.Di in seinem Schwarzbuch zu berichten:

>>Auffällig ist die gnadenlose Arbeitshetze an den Kassen und bei der Verräumung von Waren. Die Beschäftigten erhalten strenge Leistungsvorgaben und werden dabei regelmäßig kontrolliert. Bei Lidl wurde in all den Gesprächen niemand gefunden, der/die seine/ihre Pausenzeiten richtig in Anspruch nehmen kann. Schon ein kurzer Gang zur Toilette ist z.B. für viele Kassierinnen Luxus, den sie sich wegen des Arbeitspensums von mindestens 40 Scann-Vorgängen pro Minute und des Drucks bei Nichterreichen kaum leisten. <<

Betriebsräte gibt es keine und deswegen geht es auch munter so weiter:

>>Unbezahlte Mehrarbeit ist bei Lidl vor und nach der Ladenöffnung verbreitet, obwohl es von Zeit zu Zeit Anweisungen gibt, alle Überstunden aufzuschreiben. Oft erreichen die Filialbelegschaften inklusive Filialleitung die Leistungsvorgaben mit der vorhandenen Zeit nicht und bleiben lieber länger, bevor sie Abmahnungen oder Druck in anderer Form erwarten müssen. Nach unseren Erkenntnissen ist unbezahlte Mehrarbeit keinesfalls eine Ausnahmeerscheinung. Kurzfristige Arbeitseinsätze und Änderungen im Einsatzplan sind wegen chronischer Unterbesetzung an der Tagesordnung. Anwesenheit bis in die späten Abendstunden hinein, um den Laden zu säubern oder Aktionsware aufzubauen, sowie Anrufe an Freizeittagen oder im Urlaub, mit der Aufforderung kurzfristig einzuspringen, belasten vor allem Frauen mit Familie und Kindern zusätzlich.<<

Welcher Azubi, bei mir hieß das noch Lehrling, möchte denn eigentlich nicht in einem solch warmherzig geführten Familienbetrieb ausgebildet werden?
Was bin ich doch froh in einem Land und zu einer Zeit groß geworden zu sein, wo man sich nach dem Ende der Schule nur mit dem Zeugnis bewaffnen musste und mit 16 meinen Lehrvertrag hatte und sogar eine ziemlich gediegene Ausbildung bekam. Nicht immer unbedingt die, die man wollte, aber man konnte etwas daraus machen, wenn man gut war und das habe ich getan. So gerne ich auch wieder jung wäre, wirklich tauschen möchte ich mit der Jugend von heute nicht.
Es gibt ja nicht einmal gute Musik, die mich von meinem Dasein als arbeitsloser Jugendlicher ablenken könnte. Genau genommen gibt es eigentlich fast nichts für diese Jugend. Da wundert man sich noch, warum die den Nazis hinterher rennen. Ich glaube, ich wundere mich jetzt etwas weniger. Obwohl die Nazis daran nun rein gar nichts ändern würden. Sie können es gar nicht, denn die Autobahnen sind schon gebaut.
Das Ganze läuft dann schon nicht mehr unter soziale, sondern eher unter brutale Marktwirtschaft.