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Chatfamilien

Das sind im ersten Moment nur völlig virtuelle und reichlich abstrakte Gebilde mit wildfremden jungen Leuten, die man im Internet mal getroffen hat. Wie gesagt, abstrakt, wenn man nicht, wie ich, einige Fehler im Leben gemacht hat und mit 42 und überlebtem Schlaganfall so ziemlich allein geblieben ist. Mit mehr Zeit ausgerüstet, als mir lieb ist, bin ich dann so ziemlich der erste Ansprechpartner für sämtliche schulische und beziehungstechnische Probleme der Kids. Ich bin da, wenn sie früh zur Schule gehen und da, wenn sie nach Hause kommen und dann immer der, der angesprochen werden kann, weil ich 1. alt genug bin und 2. die Eltern arbeiten. Ich weiß als Erster von Zensuren und wo der Hausegen so richtig schief hängt und ich lese Dinge, die der eigene Vater nie erfahren würde und ich als Vater wahrscheinlich nie erfahren würde. Es ist natürlich leicht, über die Entfernung und ohne eigene Verantwortung den Vater zu mimen. Trotzdem macht es dadurch nicht weniger Spaß. Nur, wenn ich, gelähmt vor den PC gefesselt von mord und Selbstmord lesend zu absoluter Hilflosigkeit verdammt bin, nimmt auch der Spaß spürbar ab. Ich lese Outings und Geständnisse, die meiner alten Mutter nur ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätte, so aufgeklärt und fortschrittlich, wie sie mit 65 ist. Nur Eltern in meinem alter tun sich damit schwer und benehmen sich ihren Kindern gegenüber, als hätten wir noch die pechschwarze Zeit ab 1933. blankes Desinteresse ist da noch der kleinste Vorwurf. Manche Eltern treiben mit ihren eigenen Kindern schon das, was ich seelische Grausamkeit nennen würde. Das geht bis hin zum Entzug dem Kommunikatinionsmittel Internet. Den Status hat das Internet Heute nun mal. Ich bin durch Entfernung und Krankheit dann zu einer hoffnungslosen Hilflosigkeit verdammt und kann dann noch maximal die Internetadressen der betreffenden Jugendämter heraussuchen, oder mir von auch interessierten Dritten, danke Christina, geben lassen! Die, für mich schöne Seite ist die, wenn mich eher fröhliche junge Menschen über ein Nachrichtenprogramm Namens ICQ jeden Morgen vor ihrer Schule quietschvergnügt wecken, um mir von ihrem bevorstehendem Schultag zu erzählen. Ich bin dann meist noch leicht Komatös, weil diese Zeiten bei mir schon ewig abgehakt sind, aber ich freue mich dennoch täglich, weil ich dann weiß, da geht alles gut. Wenn dann diese Kids von der Schule kommen, bin ich auch meistens der erste und einzige Ansprechpartner, weil die Eltern ja arbeiten sind. So erfahre ich auch von Zensuren und ähnlichem Schulalltag und das weckt dann auch die ruhenden Vatergene in mir und ich lobe oder mache mit dem ICQ ein böses Gesicht, je nach der angesagten Zensur. Chatfamilien ersetzen nicht wirklich eine Familie, aber richtiger betrachtet kann man damit auch Gutes tun oder sich einfach nur sehr gut unterhalten, ohne das es jemals flach wird. Mir tut es nach drei Jahren nicht arbeiten Könnes und Dürfens zumindest auch seelisch ganz gut, zu wissen, das ich immer noch gebraucht werde. Außerdem holt man sich nur die moralisch fähigen jungen Menschen, die über ein Rückgrat verfügen in eine solche Familie. Ein Luxus, den es bei „normalen“ Familien ja nun wirklich nicht gibt und geben kann. Meine Familie zumindest enthält die Essenz, die nach drei Jahren online sich als Gut und wertvoll erwiesen hat. Genau, wie meine persönliche Freundesliste.