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Danach

Als ich aufwache, weiß ich nur noch, dass mich irgendetwas umgeworfen hat. Irgendwas ist passiert, denn meine linke Seite ist plötzlich wieder voll beweglich und ich fühle mich fit und springe aus dem Krankenbett, in dem ich liege und laufe etwas herum.
Keine Lähmung mehr, die mich daran hindert. Ist die Menschheit nun doch zur Vernunft gekommen und hat das Geld für diese sinnlosen Ausflüge zum Mars nun doch in die Hirnforschung gesteckt? Wo bin ich? Der Ort kommt mir sehr bekannt vor, ich sehe genauer hin und merke, dass ich wieder in diesem Viehhof von Rehaklinik bin, wo ich fast das ganze Jahr 2000 verbringen musste. Hatte ich den zweiten Schlaganfall gefangen, oder warum war ich hier? Nur, warum konnte ich dann alles wieder bewegen? Das ist doch unlogisch! Egal.
Ich wusste noch, wo die Cafeteria war und wollte mich da mal umsehen und latschte hin. Diesmal nahm ich die Treppen, denn den Aufzug brauchte ich ja nicht mehr. Unten angekommen sah ich nur bekannte Gesichter. Allerdings nicht aus meinem Leben, sondern aus der Geschichte. Neben dem Verkaufsthresen saß ein Mann mit einem seltsam bekannten Schnurrbart. Das kann doch nicht, völlig unmöglich, nein doch, es war Adolf Hitler. Völlig unmöglich, der ist doch seit 60 Jahren tot! Nur der Mann, der da saß, wusste wohl nichts davon, das er tot war und unterhielt sich irgendwie verkrampft weiter mit einem, der mir auch recht bekannt vorkam, er redete mit Elvis Presley. Also hatten diese Spinner in den USA doch Recht und Elvis lebte noch. Na ja.
Die ganze Cafeteria stank im Übrigen entsetzlich und auch das war mir neu. 2000 war das zumindest noch nicht. Ich wusste nicht, was ich davon zu halten hatte und sah mich nach bekannten Gesichtern um, die ich aus meinem Leben gut kannte, aber da war Niemand. Keine Besuchszeit? Auf der Uhr und nach der Sonne war es immerhin Nachmittag und es war fast unerträglich warm! Weiter links saßen einige Gestalten, junge und alte, die ich aus einem großen Chat flüchtig kannte und deren Anwesenheit mir irgendwie unangenehm war. Himmel, wo war ich und was suchten die nun ausgerechnet hier? Beim Weiterlaufen sah ich dann das bekannte Gesicht einer Schwester, die 2000 recht fies zu mir war. Was soll’s, ich wollte es wissen und ich quatschte sie richtig höflich an und erwartete die übliche, patzige Antwort, aber nein, sie antwortete freundlich und ziemlich bestimmt. „Herr Schubert, die USA haben mit einer der ehemaligen russischen Teilrepubliken, die noch über Atomwaffen verfügten, in ihrem Terroistenwahn einen Krieg angezettelt, die Erde ist hinüber und das, was Sie hier erleben, ist ihre ganz persönliche Hölle und die Ihnen persönlich bekannten Leute hier, Ihre Strafe für Ihr missratenes, virtuelles Leben“. Nun wurde Alles logisch und auch meine Beweglichkeit war damit geklärt. Das, was ich im Leben als Hölle empfand, war nur ein Auftakt für das ewige Fegefeuer. Ok, ich hatte mir das fieser vorgestellt, aber das die Leute, die mich schon in meinem virtuellem Leben ungemein nervten, nun auch noch in meinem Teil der Hölle rumkrochen, empfand ich dann doch ziemlich bösartig!
Hatten die keine eigene Hölle, in der sie anderen Toten auf den Kranz gehen konnten? Irgendwie war ich von der Hölle enttäuscht! Ich lief noch etwas herum und sah weitere bekannte Gesichter, die ich im leben nur vom Fernsehen kannte, Stalin, Honecker, Krenz, Kohl und ähnliches Gesindel, welches schon tot war, oder den Atomkrieg nicht überlebt hatte, aber irgendwie gab mir das keine Befriedigung. Auch Jimi Hendrix, der in einem Behandlungsraum mit Johnny Rotton, Rorey Ghallager, Janis Joplin und Brian Jones eine Art Session machte, hatten in meiner Hölle nichts zu suchen, denn sie haben sich ja selbst mit Drogen und Alkohol fertiggemacht und gehörten eigentlich sowieso an einen anderen Ort, den ich ziemlich weit oben vermutete.
Zumindest gehörten sie in keine Hölle. Dann schon eher ich, der im virtuellen Leben überall angeeckt war. Ich war etwas erstaunt, das ein realer Lebenswandel ohne Feinde hier nicht viel zählte und ich fragte nochmal die Schwester. Diese bestätigte meine Vermutung, dass der Teufel im Internet eine feste Domain habe und von dort aus das Netz überwachte. Den Namen seiner Url gab sie mir nicht, da die Hölle weder Computer noch Flatrate hatte. Mit dieser fiesen Erkenntnis bewaffnet ging ich wieder hoch auf das Zimmer, um mich dort hinzulegen und etwas zu schlafen. Die Rechnung ging auf und ich wachte auf. Links wieder alles lahm, aber ich lebte! So sah ich auch ein paar nette Gesichter wieder und die gehörten in kein Internet, sondern waren ziemlich real. Irgendwie hatte ich ziemlich perverse Träume. Nur was soll’s, demnächst geht’s ja wieder zur Arbeit.