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Dann habe ich geweint

In Hannover wird am 23. Juni 1924 der Massenmörder Fritz Haarmann gefasst. Er gesteht 24 Morde an jungen Männern und gibt zu, die Leichenteile verzehrt zu haben. Der Polizeispitzel war den Behörden als aggressiver Triebtäter bekannt, wegen seiner Informantentätigkeit wurde aber von einer Überwachung abgesehen. 1925 wird Haarmann zum Tode verurteilt und hingerichtet. Mit Götz George in der Hauptrolle kommt der Fall 1995 unter dem Titel "Der Totmacher" unter der Regie von Romuald Karmakar, der ausschließlich Originalprotokolle benutzte, ins Kino.
Dieser Film, der nur von der Schauspielerei von Götz George lebt, der exzellent den Fritz Haarmann gibt, der von einem Professor (Jürgen Hentsch) auf seinen Geisteszustand untersucht und befragt wird, ist um einiges härter, als moderne Splattermovies.
Götz George spielt den Fritz Haarmann so überzeugend einfältig und grausam real, dass es einen schaudert.
Für knapp zwei Stunden ist man in einer anderen, in einer ziemlich kaputten Welt. George spielt so meisterhaft Sachen in die Nebensächlichkeit des Fritz Haarmann, das dem Professor und seinem jungen Schreiber (Pierre Franckh) mehr als einmal sichtlich übel wird. Absolut nebenbei redet Fritz Haarmann vom „lutschen“, vom „totmachen“, vom „aufschneiden“ und vom „kleinschneiden“. Es waren alles nur „Puppenjungs“, die er da totgemacht hat. Nur wenn er damit fertig war, dann hat er immer geweint.
Fritz Haarmann gibt so freimütig Auskunft über seine Morde und sein Geschlechtsleben, das man gewillt ist abzuschalten, wäre da nicht dieser großartige Götz George. Ausstattung und Kulissen sind denkbar sparsam gehalten, was trotzdem dem Film zugute kommt. Es ist eigentlich ein Kammerspiel, nur ist diese Kammer eben eine Zelle.
Das wirklich Gruslige an diesem Film ist die Tatsache, dass Fritz Haarmann keine fiktive Figur ist, sondern eben eine historische.
Bei diesem Hintergrund verblassen Filme, wie High Tension und alle anderen, die auf reiner Fiction beruhen und nur menschlicher Phantasie entsprungen sind. Denn die Realität kann um Längen grausamer sein.
Trotz seiner Radikalität wurde "Der Totmacher" ein respektabler Kinoerfolg. Das liegt sicherlich auch an den herausragenden Darstellerleistungen, wobei Jürgen Hentsch immer zu Unrecht im Schatten des mächtig aufdrehenden Götz George stand. Ihm gelingt als zwischen Hass, Abscheu und Mitleid hin- und hergerissenem Psychologen die unauffälligere, aber mit Sicherheit nicht schlechtere Leistung.
Der Film erhielt drei Filmbänder in Gold, den Coppa Volpi bei den Filmfestspielen in Venedig für Götz Georges Darstellung des Fritz Haarmann, und wurde für den Oscar nominiert. Diese 85 Minuten menschliche Bosheit bekommen von mir jedenfalls volle 10/10 Punkten.