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Das Ende des Schattens einer Ruine

Eigentlich kann ich es nicht glauben, denn am letzten Freitag, dem 31. März wurde die Ruine, oder besser gesagt, der Schatten der Ruine von GIGA zum letzten Mal auf einer terrestrischen Frequenz im Fernsehen, auf „das Vierte“ ausgestrahlt und es wurde doch tatsächlich meine Meinung dazu vermisst. Die reiche ich hiermit nun nach.
Ich habe mir diese Sendung angetan und trotz aller mühsamen Versuche der Moderatoren, eine Abschiedsstimmung zu erzeugen, wollte die bei mir partout nicht aufkommen, da bei mir GIGA noch immer das GIGA mit den unverkrampften und witzigen Moderatoren zu tun hat und der alten Baracke in Düsseldorf an der Kaistraße, wo es begann, seine Höhe und dann nur noch Tiefpunkte hatte. Das neue und nun völlig verstorbene GIGA residierte in Berlin, praktisch um die Ecke bei mir, aber war absolut uninteressant.
Nach Düsseldorf bin ich allerdings sogar zweimal und dreimal mit Freunden aus dem Chat getigert, um mich in und an der alten Baracke mit völlig unbekannten jungen Menschen zu CTs und Summercamps einer harten Fangemeinde von Leuten zu treffen, die ich damals aus dem Chat kannte, als es noch einen Chat gab, der diesen Namen verdiente. Zu diesen Summercamps verirrten sich dann auch Mitarbeiter von GIGA, Leute, die längst und mehr oder weniger erfolgreich das Weite gesucht haben und die Sendung dadurch unerträglich langweilig machten.
Für die Spitzenkräfte Jochen und George, die sehr lustig alle Arten von Games in der Sendung vorstellten und zusammen mit Shu, dem Helper dann auch mit den Zuschauern zockten bis tief in die Nacht, wurde gleich ein ganzes GIGA Games erfunden, mit einer ganzen Horde von Mods, so um die 20, die dem interessierten jungen Zuschauer dann in einer Extrasendung, die für junge Zuschauer, die ja noch so etwas wie in die Schule mussten, sinnigerweise auch Nachts ausgestrahlt wurde und sich trotzdem großer Beliebtheit erfreute, obwohl die jungen Mods nicht halb so gut waren, wie die „Opas“ Jochen und George.
Aber die Ansprüche waren ohnehin gesunken, denn online, im Internet ging es mit GIGA noch etwas rasanter Bergab und der einst so beliebte Chat verschwand, weil, nach Aussage der zuständigen Commred die entsprechende Chatsoftware einfach zu unfähig war. Nun ist ja Unfähigkeit an sich und logischerweise eher eine recht menschliche Eigenschaft, aber über solche Lappalien wie Logik sah man bei GIGA immer schon recht großzügig hinweg.
Die Commred hat immer Recht und Basta! Wer mit dieser, vorbildlich gelebten, Art der Basisdemokratie nicht Recht was anfangen konnte und sich dennoch, wie ich, eine eigene Meinung erlaubte, wurde schnell zum Ziel der Wasserträger der Commred, die von der mit wertvollen, virtuellen Titeln belohnt wurde. Zur gleichen Zeit ging es mit der Sendung fast noch etwas steiler abwärts als mit der Technik im Internet. Das die alten Mods von 1999/2000 sich mehr oder weniger langsam von der Sendung GIGA abseilten, war nicht nur ein Faktor, aber ein ziemlich entscheidender.
Ein gewisser Martin, einer der vielen Nachfolger, der weiß der Geier wie, bei GIGA und dort im Netbeat landete, fing aus heiterem Himmel auf einmal an, über Störche und ihre Nistplätze zu fabulieren.
Nun war GIGA aber kein Magazin für den jungen Ornithologen, sondern eines für Computer und Internetfreaks in fast jedem Alter. Die völlige Themenfremdheit war aber nicht das einzige Zeichen für den Niedergang der Sendung. Als am 11. 9. 2001 die Welt und GIGA von der Realität und der Dummheit der Menschen eingeholt wurde, war GIGA wohl die einzige Sendung und NBC Europe der einzige Sender, der darauf nicht reagierte. Während in New York Menschen verbrannten, erstickten und von Trümmern erschlagen wurden, plapperte man bei GIGA trotz aufklärender und empörter Mails vieler User erst einmal weiter unbekümmert über alberne Games und andere Nichtigkeiten.
Erst viel zu spät und völlig kalt erwischt, las dann ein Moderator betroffen die ansteigenden Zahlen der Opfer vor. In derselben Zeit hauchte der Chat langsam, aber sehr sicher sein Leben aus. Nun waren die meisten intelligenten und charakterlich festen jungen Leute ja ohnehin schon viel früher weg und alles fast andere stritt und bettelte nur noch mit mehr oder weniger Erfolg um ein paar sinnige virtuell Titel, die offenbar ihr Leben erst richtig erfüllten.
Erstaunlich daran war eigentlich nur das unterschiedliche Alter dieser Kandidaten. Von 17 über Mitte bis Ende 20, bis hin zu über 40 und über 60 war da alles vertreten, was geil nach virtueller Macht war.
Mit großem Getöse wurden dann noch immer die Geburtstage von GIGA gefeiert und sogar aus der alten Baracke in ein festes Haus umgezogen, aber keine dieser Aktionen konnte den Untergang von Beidem, Sendung und Community im Internet noch aufhalten. Ich war dann lange weg und hab auch die Sendung nicht gesehen. Dann erlebte ich, wie GIGA plötzlich mit NBC nichts mehr zu tun hatte und auf einen neuen, aber sehr drögen Privatsender Namens „das Vierte“ wechselte und mit einer, fast ganz neuen Besetzung plötzlich aus Berlin sendete. Leute, die ein normaler Sender nie als Pförtner oder Sekretärin eingestellt hätte, saßen bei GIGA vor der Kamera und radebrechten ein mühsames Deutsch.
Auf die Art wollte man sich dort wohl international geben, machte sich aber eigentlich nur mehr oder weniger lächerlich. Der Onlineauftritt von GIGA hatte sich genauso stark verändert und die einstige Community mit Chat wurde zu einem recht simplen Board. Ein Board von Tausenden im Internet, aber noch eines mit einer eigenen Sendung.
Obwohl es schon zweimal in die Hose ging, gab es sogar wieder ein Forum für Politik. Anstatt der fröhlichen jungen Chatter, wie ich sie früher erlebt habe, bestimmten nun jungemit dem Leben unzufriedene Rechte voller Sendungsbewusstsein den Ton. GIGA selbst war das relativ egal, denn einen direkten Bezug zur Sendung gab es ja nicht mehr.
Ein Rechter mit einem Risiko im Nicknamen, das er aber ansonsten meidet und sich mit Beziehungen zu Admins und Forenbetreuern absichert. So sorgte ein Admin für eine Auszeit von 12 Monaten bei mir und in der Zeit hatte der rechte Nachwuchs jede Menge Platz, dort zu wuchern. Aber nicht nur der Nachwuchs, sondern ein ausgewachsener Westberliner in fast meinem Alter, der sich ganz passend Terminator nennt, darf da bis jetzt seine reine Lehre des Rechtspopulismus der Jugend verkünden. Es gibt in Deutschland auch wieder genug junge Idioten, die solchen Leuten auf den Leim gehen.
Derweil geht sogar die Software des Boards in den Händen flöten, die auch den Chat zu Tode reparierten. Was nun die Sendung anbelangte, so ging sie recht unspektakulär zu Ende und „das Vierte“ hat wieder Platz für Werbung und das war ein kurzer und subjektiver Rückblick auf eine einst gute Idee, die nun auch wieder Geschichte ist. Nur da der Niedergang dieser Sendung selbstgezimmert ist, hält sich meine Trauer dann doch eher in Grenzen.

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