About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Das Privatfernsehen

Bevor es Anfang der Achtziger Jahre eingeführt wurde und den Markt eroberte, wurden warnende Stimmen laut, wie sehr es die Deutschen verblöden würde. Das tat es bisher nicht, die Medienwelt wurde erstmal bunter und dank der Kaufwut des Herrn Kirch auch um etliche gute Filme reicher. „Die Hard“ und Lethal Wapon“ nur als Beispiel. Das da auch etlicher Schrott drunter war, liegt in der Natur der Sache. Mittlerweile gewinnt man aber den Eindruck, das einige Sender die Prophezeiung aus den Achtzigern mit Macht erfüllen möchten. RTL z.B. versucht das mit seinem gleichnamigen Shop. Da bietet die Quasselstrippe Walter Freywald alle nur möglichen und unmöglichen Produkte an und redet, als wäre er Solarbetrieben. Also ohne Interpunktion und vor Allem ohne Ende. Er peppt seine, ansonsten recht dröge Verkaufsshow auch gelegentlich mit „überzeugenden“ Gästen auf. Gestern nun war dieses die allseits durch Film, Fernsehen, Arbeitsamt und vor Allem durch Harald Schmidt bekannte Susan Stahnke. Diese Frau, die den Deutschen 1997 mit viel Tamtam ja ewig weismachen wollte, das sie in Hollywood gerufen und aufs Härteste begehrt würde, erntete von Schmidt dafür auch den „Liebling des Monats und den des Jahres“, weil sie anstatt großer Hollwoodfilme plötzlich nur noch in einem Webespot zu sehen war, der Standurinale für Frauen als Bahnbrechende Erfindung anpries. Ein Brüller also. Diese Susan Stahnke saß nun in Freywalds Verkaufsecke bei RTL und pries aufs Heftigste die Produkte der Susan Stahnke Fitness Line, darunter einen Massageapparat, der nichts weniger als Wunder versprach. Abnehmen ohne Anstrengung etc pp. Freywald umtanzte sie und ihre Zauberkiste wie ein Schamane das Feuer seines Dorfes und wurde des Lobes nicht müde. Nur war die Sendung irgendwie recht inkonsequent gestaltet, denn während die Stahnke sich mit ihrer Apparatur leise trollte, kam die nächste Dame an und wollte ein Hemdchen an die Zuschauer bringen, das absolut unauffällig überflüssige Pfunde wegdrücken sollte, so man diesen schweineteuren Lumpen bestellt und rund um die Uhr trägt. Um das Maß dann voll zu machen, kam schon der nächste fliegende Händler und bot Diät Kautabletten feil. In der Logik hieße das dann, wer alle drei Produkte sauteuer da kauft, hat nach spätestens drei Wochen intensiver Anwendung die Figur von Kate Moss. Ich folgte dem allgemeinen Rat und zappte weiter und dachte auf dem Musiksender Onyx wäre ich sicher. Weit gefehlt, denn dort leierte die Stahnke ihren eingeübten Text über ihre Maschine runter. Zwischendurch muss jemand ganz unauffällig das Beamen erfunden haben. Ich landete beim Fluchtzappen dann auf Neun Live und es wurde gruslig. Ein mir bekannt vorkommender junger Mann Anfang 20 stellte Fragen, bei denen ich mein fehlendes Abitur bedauerte. Nebenbei öffnete er noch ganze Friedhöfe mit Schlagerzombies. Die Fragen erwiesen sich als spannend und schwer. Fast so schwer, wie das Durchkommen am Telefon. Millionen arbeitsloser Professoren müssen da angerufen haben, um für 200 Euro cash klarzustellen, das, so man die Nummer 112 am Telefon wählt, nicht der Nachbar und auch nicht der Bundeskanzler sich meldet, sondern ganz schlicht nur die Feuerwehr. Alle weiteren Fragen waren von ähnlicher Härte. Es wurde nach dem Roten Planeten gefragt und welcher das denn sei. Angeboten wurden Mars, Mond(!) und die Erde. Nun weiß aber selbst ich nach meinem letzten Orbitalflug, das die Erde blau und der Mond eben nur ein Mond ist! Ich tat mir das noch weiter an, weil mich einfach die Fragen interessierten und ich wurde belohnt. Das der Gärtner seine Pflanzen weder mit Wasserentzug, noch mit ins Dunkle stellen so richtig groß bekommt, sondern nur mit Dünger war die nächste harte Nuss für die arbeitslosen Professoren, die das Telefon für 200 Steine blockierten. Genauso, das man die schweizer Bundesländer recht selten Kanonen nennt. Hammerhart und fast unlösbar war dann die letzte Frage kurz bevor ich die Kiste ausgeschaltet habe. Gefragt wurde allen Ernstes, ob nun der Vogel Strauss, der Specht oder der Kolibri die größten Eier legte. Da ich mich an ein Kolibriomlett für acht Personen, das ich mal servierte erinnern kann, fand ich auch diese Frage etwas hart, aber durchaus lösbar! Mir ist irgendwie rätselhaft, warum sich noch einer über Pisa und andere Tests aufregt, wenn im Fernsehen ein derartiger Müll gezeigt wird! 20 Jahre nach der Prophezeiung macht das Privatfernsehen jetzt wirklich dumm, wenn man es so ernst nimmt, wie Bspw. Ich. ;-)