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Der Marathonmann geht

joschka-fischer
Nicht alles in Deutschland dreht sich nur um die WM, sondern ich finde auch das eine oder andere mir wichtige Thema, das vom Fußball nicht mal gestreift wird, zumal mir das Geschwafel der Schwestern Delling und Netzer bald mehr auf den Sack geht, als die WM selbst, die ja erstaunlich schönen Fußball bietet, den die beiden Hansel nur fast zu Tode quasseln.
Mit Joschka Fischer, bürgerlich Joseph Martin Fischer, hat sich nun auch der letzte charismatische Politiker aus der deutschen Politik verabschiedet.
Der letzte Live-Rock-’n’-Roller des Politikbetriebs sagt zum Abschied leise Servus. Joschka Fischer, Übervater der Grünen, will sich am Dienstag von seinen Kollegen verabschieden, mit einem schlichten Besuch in der Fraktionssitzung – der letzten vor der Sommerpause. Wenn die Abgeordneten Anfang September wieder zusammenkommen, ist Fischer bereits Gastprofessor in Princeton. Und statt seiner wird der völlig unbekannte Nachrücker Omid Nouripour im Bundestag sitzen.
Joschka, wie er von Freunden liebevoll genannt wurde, war wohl eine der schillernsten Figuren der westdeutschen Nachkriegspolitik in der Bundesrepublik und hat diese mit seiner Partei, den Grünen seit 1982 wie kaum ein anderer geprägt. Dabei hatte Fischers politische Laufbahn 1967 eher ungewöhnlich in der Studentenbewegung begonnen und von 1968 bis 75hatte sich der geschliffene Rhetoriker und Wortakrobat von heute einen Namen bei Demonstrationen gegen den Vietnam Krieg und im Häuserkampf von Frankfurt gemacht, wo er sich mit Polizisten prügelte und sogar auch rechtskräftig verurteilt wurde. Als er dann 1982 den Grünen beitrat, der ersten deutschen Partei, die sich die Erhaltung der Umwelt auf die Fahnen und ins Programm geschrieben hatten, wurde er nicht nur einer der führenden Köpfe der Grünen, sondern bei deren Einzug in den Bundestag nach der Wahl von 1983 dann auch der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion. 1985 holen die Grünen bei den Landtagswahlen in Hessen soviel Stimmen, dass der SPD Ministerpräsident Holger Börner die Grünen braucht, um weiterregieren zu können. In dieser ersten rotgrünen Landesregierung der Bundesrepublik machte Joschka Fischer sich dadurch im Rest der Republik bekannt, dass er zu seiner Vereidigung als Umweltminister von Hessen in Jeans und Turnschuhen erschien. Ein Anblick, den ich selbst nie mehr vergessen werde, denn diese Zeremonie wurde ja im Fernsehen übertragen und so wurde der erste grüne Minister in Hessen von 1985 bis 1994 als bunter Politiker in ganz Deutschland bekannt. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl scheitern die Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde und so beginnt Fischer einen Umbau der Partei und bringt die zerstrittenen Flügel von Realos und grünen Fundamentalisten politisch auf einen Nenner. Joschka hatte körperlich sehr zugelegt, aber das hat er mit eisernem Willen und viel Marathon zwischenzeitlich alles abtrainiert und war fit für neue Aufgaben.
Nach den Bundestagswahlen am 16. Oktober 1994 wählen Bündnis 90/Die Grünen Fischer zu neuen Fraktionssprecher der Grünen. Vier Jahre später, am 27. Oktober 1998 Nach den Bundestagswahlen wird Fischer als Vizekanzler und Außenminister im Kabinett der rot-grünen Koalition vereidigt und hat damit ein weiteres politisches Ziel der Grünen erreicht, sie sind in einer Bundesregierung der Juniorpartner. Man kann ja zur Politik von Rot/Grün stehen wie man will, aber auch ernsthafte politische Gegner bescheinigen Joschka Fischer, dass er mit seiner Arbeit als Außenminister für Deutschland nur gute Dienste geleistet hat. Nachdem die Regierung Rot/Grün durch einige dubiose Fehlentscheidungen 2005 am Ende war und sich auf Betreiben Schröders vorzeitig abwählen ließ, wurde auch aus Fischer wieder ein Privatmann. Das Ausland wurde aufmerksam auf Joschka und so ist der Studienabbrecher, Taxifahrer, Hausbesetzer und Steinewerfer von einst bald ein geachteter Gastprofessor an der Universität von Princeton und der deutschen Politik und ganz sicher nicht nur den Grünen, geht ihre schillernste Persönlichkeit verloren. Die deutsche Politik wird noch grauer und noch langweiliger, als sie ohnehin schon ist und der Höhepunkt kommender Bundestagsdebatten wird nicht die perlende Rhetorik eines Joschka Fischer sein, sondern der Augenblick, in dem Kanzlerin Merkel bei einer aufmunternden Rede zur nächsten Steuererhöhung mit lautem Krachen ihr Intimpiercing verlieren wird. Zur selben Zeit wird der ehemalige Vizekanzler von Schröder in Princeton New Jersey den Deutschen beweisen, dass man auch in Deutschland den amerikanischen Traum (er)leben kann und vom ungelernten Arbeiter bei Opel und Taxifahrer zu einem der wichtigsten Minister Deutschlands und danach sogar zum Gastprofessor einer amerikanischen Eliteuniversität werden kann, dem der Steuerterror von Frau Merkel herzlich egal sein kann. Seine Biographie könnte ein Vorbild sein. Ohne Joschka wird die deutsche Politik dann noch ärmer und es ist sehr fraglich, ob die Grünen ohne das Zugpferd Fischer noch weiter nennenswerte Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen erreichen werden!

Wer dazu eine Meinung hat und die unbedingt auch loswerden will, der klickt bitte Hier!