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Der Medienkanzler

Ende 2005 war es soweit, Schröder hatte die Schnauze gestrichen voll. Die permanente Erfolglosigkeit seiner Politik, das ewig unzufriedene Volk, das Gezeter der nervigen Opposition ging ihm auf die Ketten und Hartz 5 mit dem Arbeitslosengeld 4 wollte genauso wenig Früchte tragen, wie die gesamte Agenda 2010.
Die Bürger wollten aus einem, dem Kanzler unverständlichen Grund nicht das Vermögen ihrer sämtlichen Vorfahren mit auf ihr Geld anrechnen lassen. Die seien alle längst tot und deren Geld in Kriegen und taumelnder Wirtschaft aufgerieben, so das fadenscheinige Argument. Was geht es den Kanzler an, wenn die Vorfahren seines Volkes ihr Geld nicht zusammenhalten konnten? Nichts, meinte er mit Recht und warf diesmal auch die Kanzlerschaft hin. Schröder fühlte sich sowieso schon als Anke Late Night der SPD. Bevor nun Merkel und Westerwelle in verfrühten Jubel ausbrechen konnten, wurde RTL hellhörig und erkannte die Lücke im Gesetz. Gerade hatte RTL ein paar sehr interessante Patente auf dem Gebiet der Klontechnologie erworben und wollte diese nun zusammen mit der gesammelten Erfahrung auf dem Gebiet des Castings zum Einsatz und ins Fernsehen bringen. Die Voraussetzungen für die Kandidaten waren recht einfach zu erfüllen. Sie mussten volljährig sein, im Ansatz prominent, durften sich aber noch in keiner Reality oder Castingshow unglaubwürdig gemacht haben und so wurden die Faktoren Küblböck und D! Sost schon im Vorhinein eliminiert. Ahnung von guter Politik war kein unbedingtes Muss, denn das war es die letzten 25 Jahre ja auch nicht und RTL wollte de Latte da keinesfalls höher legen als unbedingt nötig.
Schwieriger zu bekommen, war in diesem speziellen Fall eine kompetente Jury, die auch etwas von der komplizierten politischen Thematik verstand. Da kamen nun die erworbenen Patente zum Einsatz und RTL klonte sich dafür ein paar Kanzler der deutschen Geschichte aus deren sterblichen Überresten, so diese noch zu erhalten waren, aber bei Ebay gab es auch sowas. In Frage kamen alle deutschen Kanzler von Bismarck bis Brandt. Nur Hitler war etwas unpopulär und das würde auf die Quote drücken und seit Dieter Bohlen und Küblböck war RTL das leid. „Deutschland sucht den Superkanzler“ so der griffige Name der geplanten Sendung, durch die Millionärsmacher Günter Jauch führen sollte. Der Klon des Otto von Bismarck sollte dann Chef der Jury werden, in der neben dem Klon von Willy Brandt auch die einzig noch lebenden Exkanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl sitzen sollten.
Messen sollten sich die Kandidaten, zu denen auch Merkel, Stoiber und Westerwelle gehören sollten, an ihren jeweiligen Antrittsreden, die sich die Zuschauer für nur 49 Euro das Stück dann auch als Klingelton auf ihre Handys laden konnten und sollten. Damit wären die Show und die teuren Patente dann auch finanziert. Gerade bei Merkels Glockenhellem Stimmchen erhofften die Telekom und RTL sich einen Ansturm bei diesen Downloads. Stoiber, Merkel und Westerwelle traten an und ihr Gewäsch wurde der Renner bei den Downloads, die Deutschen hatten noch immer zuviel Geld. Von den Parteien allerdings hatten die Deutschen wohl die Schnauze gestrichen voll und Gewinner der Show und damit der nächste deutsche Kanzler wurde ein politischer Außenseiter, Harald Schmidt, der mit dem Team der Harald Schmidt Show als nächstes Kabinett angetreten war und dem deutschen Volk keine Arbeit, aber dafür wenigstens Unterhaltung versprochen hatte.
Das war ein Konzept, das die Bürger und Zuschauer überzeugte, denn sie riefen an wie verrückt und bescherten dem neuen Kanzler fette und sozialistische 95 Prozent der Wählergunst. Dieser Kanzler war nun ein wirklicher Medienkanzler und einer, der sein Wahlversprechen auch einlöste, denn seine Regierungserklärung war gefragt, wie vorher noch keine andere. Nur in den Chefetagen von Sat1 verzeichnete man einige Fensterstürze bei den Leuten, die Schmidt 2004 vertrieben hatten, aber die waren seit dem Fiasko mit Anke ohnehin entbehrlich