About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Der Sexdoktor

Der Film „Kinsey“, 2004 von Bill Condon. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle ist eine Biographie eines fast vergessenen Wissenschaftlers, der sich vor allem mit dem Tabuthema Sexualität profilierte (und mit seinen Forschungsergebnissen auch die sexuelle Revolution vorantrieb). Eine augenzwinkernde bis tragische Abhandlung über den verklemmten Amerikaner. Prisma-Online dazu:



Da Alfred C. Kinsey als Kind unter seinem mürrischen, völlig freudlosen Vater litt, steigert er sich als Erwachsener immer mehr in seine akademischen Forschungen hinein. Zunächst wird Kinsey eine Koryphäe unter den Insektenkundlern. Doch später hat es ihm vor allem die menschliche Sexualität angetan. Mit einem Stab an Helfern wird seine umfangreiche Studie zum Sexual-Verhalten des Mannes berühmt. Doch damit zieht er nicht nur den Ärger mächtiger Konservativer auf sich, er muss seine Offenheit mit einer deftigen Ehekrise bezahlen...


Kinsey war in den USA der fünfziger Jahre also das, was Oswald Kolle in den sechziger Jahren in Deutschland war, ein Aufklärer in Sachen Sex. Um seinen prüden Vater nicht allzu sehr zu schockieren, studierte der junge Kinsey zuerst Biologie mit der Fachrichtung Entomologie, wurde Professor und sammelt Millionen von Wespen. Als dann aber immer mehr seiner Studenten sich mit ihren sexuellen Problemen an in wandten und Rat von ihm wollten, wechselte er sein Fachgebiet und wurde zum besessenen Forscher auf dem Gebiet. In den Büchern aus dieser Zeit fand er eigentlich nur Mist zum Thema Sex. Hier ein Auszug:

Zitat:
Handbuch der amerikanischen Pfadfinder:


"Jeglichen Bedürfnis, einen Samenerguss herbeizuführen, muss entgegengewirkt werden. Nach Einschätzung von Ärzten führt die zu Erkrankungen, wie Hirnerweichung, Blindheit, Epilepsie und sogar zum Tod!"


Zitat:
Die vollkommene Ehe, ihre Physiognomie und Technik:


Oraler Kontakt, welcher als Stimulanz Verwendung findet, ist pathologisch und kann zu Verletzungen führen, wenn er zum Orgasmus führt. Sexuelle Erregung sollte niemals mit Hilfe der Hände hervorgerufen werden. Es gibt nur einen Finger der Liebe, der sich den weiblichen Genitalien nähern darf und das ist einzig das männliche Geschlechtsorgan!


Kinsey war erschüttert über soviel Blödsinn und begann mit einer eigenen Feldforschung, die sehr viel offener an das Thema Sex herangingen. Kinsey selbst trieb sich nachts sogar in den Schwulenbars herum, um auch über diese Seite der Sexualität fundiert schreiben zu können. Als er dann sein erstes Buch, den Kinsey-Report geschrieben hatte, in dem er sich mit der Sexualität amerikanischer Männer befasst hatte, wurde das Buch ein Bestseller und sein Verleger liebte ihn dafür. Als er dann aber den Kinsey-Report über die weibliche Sexualität herausbringt, wendet sich das Blatt und man verhöhnt ihn und erklärt ihn zum „Selbsternannten Messias der sexuell Diffamierten“ und er wird auch von Kommunistenjäger, Senator McCarthy gejagt.
Soviel zu den historischen Hintergründen und damit verrate ich ja nichts Neues aus dem Film.
Der Film bietet mit Liam Neeson einen grandiosen Kinsey, der ausgerechnet mit Tim Curry aus der „Rocky Horror Picture Show“ einen recht bösartigen und verklemmten Gegenspieler hat. Wenn man diesen Film gesehen hat, dann wird einem auch klar, warum in dem Amerika von heute, 50 Jahre später, sogar ein Stinkefinger, der in einer Talkshow gezeigt wurde, mit einem schwarzen Balken versteckt wird.
Das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ist einfach nur unbegrenzt prüde, ob nun 1955 oder im Jahr 2005 und mit einem Präsidenten wie Bush wird sich daran auch nichts ändern.
Meine Wertung für den Film ist 9/10, denn ich finde ihn recht unterhaltsam und auch sehr lehrreich. Außerdem hat er meine Meinung über die Verlogenheit der "Political Correcness" in den prüden USA nur bestätigt.

Wer dazu eine Meinung hat und das unbedingt kommentieren will, der klickt bitte Hier