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Die Gefechtsschlampen der NVA

Aus reiner Neugier habe ich mir den neuen Film von Leander Haußmann „NVA“ mal im Kino angetan, obwohl ich da so meine Vorbehalte hatte. Wie auch „Sonnenallee“ spielt er in der verblichenen DDR und dort ganz speziell bei der „Nationalen Volksarmee“, also der NVA. Der 19jährige Rekrut Henrik Heidler, recht überzeugend geboten von Echt-Sänger Kim Frank, muss in den letzten Tagen der DDR noch zur Armee, seinen „Dienst am Vaterland“ abreißen. Prisma-Online liefert einen recht euphorischen Plot dazu:



Für Henrik Heidler bedeutet der Wehrdienst bei der NVA eher lästiges Übel als vaterländische Pflicht. So will er das Ganze nur unbeschadet überstehen. Doch sein Zimmergenosse Krüger legt sich ständig mit allen an und wird schließlich zu einem speziellen Drill in eine Sonderschulung geschickt. Als er von dort zurückkommt, ist er ein anderer Mensch...


Genau das war und ist auch der Grund, warum ich mit diesem Film nach einmal Ansehen auch schon wieder abgeschlossen habe. Ich habe eine Menge Freunde gehabt, die von der NVA völlig verändert wieder kamen. Denn wie bei jeder anderen Wehrpflichtigenarmee auch, war es das Hauptziel der NVA den Willen und den Charakter junger Menschen zu brechen und aus ihnen hirnlose Kampfmaschinen zu machen, die im Namen der Religion, der Ideologie oder etwas anderem Unwichtigem andere Menschen töten. Osama Bin Laden hat am 11.september 2001 dafür ein blutiges Beispiel gebracht, als er verblendete Hirnfreie im Namen der Religion Flugzeuge entführen ließ, die damit dann Amerika angegriffen haben. Ganz soweit ging es bei der NVA natürlich nicht, aber auch da wurden junge Menschen gebrochen und ideologisch verblendet. Der Versuch von Leander Haußmann, dem Thema mit ein paar stereotypen Gags über den Soldaten Ost die Schärfe und Brisanz zu nehmen, ist in meinen Augen nicht annähernd so gut gelungen, wie in „Sonnenallee“. Detlev Buck gab sich zwar redliche Mühe als polternder Oberst, aber als nerviger und knechtender Vopo war er einfach ein ganzes Stück besser, auch wenn seine Auftritte teilweise zu amüsieren wussten, gingen sie über Slapstick nicht hinaus. Eigentlich ist nur Kim Fischer anzusehen, dass er sich als Schauspieler die Mühe gibt, die das Thema auch als Komödie verdient. Auch der sehr real nachempfundene „Politikunterricht“ für die Soldaten hatte verdiente Lacher. Wenn der Hit „Ein Bett im Kornfeld“ von Schlagerfuzzi Drews den Soldaten mit der akuten Obdachlosigkeit der Westdeutschen erklärt wird, ist das schon reichlich DDR und erinnert an Sudelede, der jeden Montag im Ostfernsehen noch bis Ende 1989 auf diese Art den DDR Bürgern ohne Westfernsehen den ganz bösen Westen erklärt hatte. Einerseits also ein Brüller und andererseits eine recht finstere Erinnerung und damit nur eine Frage der Zielgruppe dieses Films. Auch Detlev Buck gab sich die größte Mühe und hatte als Offizier mit heruntergelassener Hose seine Lacher, aber mich konnte das nicht überzeugen, denn ich war Besseres von ihm gewohnt. Nur ich habe erlebt, wie junge, korrekte Menschen völlig gebrochen und anders von der Armee wiederkamen. Die Zuschauer im Kino waren sehr jung und man sah ihnen an, dass sie nur Lachen wollten und das dann auch an den unpassendsten Stellen dann nervigerweise auch taten. Die NVA war eines der Zwangsinstrumente des stalinistischen Staates DDR, dem kaum ein junger Mann entkommen konnte, wenn er nicht gerade so krank war wie ich. Die Ausweichmöglichkeit Zivildienst gab es nicht und man konnte höchstens noch Bausoldat machen, aber das war gleichbedeutend mit Gefängnis und auch meist das Ende jeder beruflichen Karriere. Der Ansatz zum Film mag ja nicht schlecht sein, aber nach meiner ganz persönlichen Meinung kommt der Film als Komödie auch nach 16 Jahren ganz einfach noch zu früh. Entsprechend fällt auch meine persönliche Wertung aus, 5/10 für ein paar gut platzierte Lacher. Allerdings kommt die Vergangenheitsbewältigung von Leander Haußmann jedenfalls als DVD für mich nicht in Frage. Da ich aber genügend junge Leute kenne, die von der NVA eigentlich nur wissen, dass es sie mal gab, wünsche ich denen eine gute Unterhaltung, denn sie haben das Glück, nichts bewältigen zu müssen.

Für Fans und Kommentarwütige