About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Die Idealisten

Blutige
Man will es kaum glauben, aber es gab selbst in den USA mal eine Zeit, in der Studenten dort keine angepassten Duckmäuser waren, die blind und blöd einem reaktionärem Präsidenten folgen, der Krieg unheimlich gut findet. Die Zeit war 1968, der Präsident Lyndon B. Johnson und der Krieg war in Vietnam. Die Rede hier ist von „Blutige Erdbeeren“, einem Kultfilm aus meiner fernen Jugend, den Stuart Hagmann 1969 mit dem sehr jungen Bruce Davison in der Hauptrolle gedreht hat. Davison, der heute vielen nur als dubioser Politiker in X-Men 1 und 2 bekannt sein dürfte, spielte damals, mit 21, den jungen Studenten Simon, der locker und politisch völlig ahnungslos in den Tag hinein lebt, bis er eines Tages in eine der vielen Antikriegsdemos gerät, die damals an der Tagesordnung waren. Dort lernt er die überaus hübsche Linda (Kim Darby) kennen. Durch die Che-Guevara-Anhängerin engagiert sich Simon plötzlich auch politisch...
Er findet sich plötzlich gleichermaßen im Kampf gegen den Krieg und für die Gleichberechtigung der Schwarzen, die damals noch so hießen und genannt wurden, wieder. Auf einmal ist er mittendrin, in seiner Universität, die von revolutionären Studenten besetzt ist, bei einem, der damals in Amerika so beliebten „Sit Ins“ bei einem Streik. Dort gehört er dann zum Proviantkommando, die bei sympathisierenden Händlern, die es damals auch gab, Verpflegung für die Studenten einsammelten.
Der Plot ist eigentlich denkbar simpel, aber was den Film ausmachte und ihn zum Kult werden ließ, war der Soundtrack, die unheimlich schöne und eindringliche Musik von Crosby, Stills, Nash & Young, Joni Mitchell und nicht zuletzt John Lennon. Der Kampf der Studenten war damals so neuartig und voller Hoffnung, dass dieser Film natürlich Reaktionen hervorrief, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. So begeistert, wie wir Jugendlichen waren, so entsetzt waren auch die Erwachsenen, die es damals ohnehin nicht so mit dem Fortschritt hatten. Unterstrichen wird das durch diesen Film einzigartig festgehaltene Zeitgefühl durch die Musik: Im Mittelpunkt John Lennons unvergesslicher Song „Give Peace a Chance“, als massiv die Polizei eingreift.
Ein Film für Kenner und Musikfans der trotz eines etwas mülligen Sounds aus dem Ende der sechziger Jahre, den ich erst elektronisch etwas aufpäppeln musste, in meiner persönlichen Wertung glatte 10/10 bekommt, schon weil er mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Die heute junge Generation wird mit dem Film allerdings nicht viel anfangen können, wenn sie gute Musik nicht mag, denn Studenten, die sich so aktiv und ohne Rücksicht auf eigene Bedürfnisse und die eigene Karriere einmischen, dass hat heute in den USA des Herrn Bush und im Deutschland der Frau Merkel leider wieder etwas von Science Fiction.



Wer dazu eine Meinung hat und das unbedingt kommentieren will, der klickt bitte Hier