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Die Neidgesellschaft

Das die aktuelle Gesellschaft einen ziemlichen Sprung in der Schüssel hat, was Besitz angeht, das ist mir schon über 20 Jahre bewusst, als ich sie nur besucht hatte. Der Wert eines Menschen orientiert sich an dessen Besitz und daher hat ein Onkel von mir schon vor 30 Jahren mit einem Auto angegeben, bei dem er maximal schon die Reifen bezahlt hatte. Der Rest des Wagens war erst einmal auf Pump geholt.
Was Westonkelchen nicht daran hinderte, mit „seiner“ neuen Karre erst einmal heftig vor uns Ossis zu protzen. Wir hatten ja nur einen kleinen Trabant, aber der war bis auf den letzten Pfennig bezahlt. Ich habe damals diese Angabe meines Onkels für den Spleen eines älteren Herren gehalten, aber als ich dann 1981 selbst nach Westberlin konnte, merkte ich, dass da ein ziemlich bescheuertes System hinter steckt.
Eine Tante, die 10 Jahre zuvor aus der DDR geflüchtet war, empfing mich in ihrer Westberliner Wohnung und führte mich in dieser herum, als wäre das ein gotisches Museum. Ich ließ mir willig und geduldig jeden Wasserhahn und jede Kachel von ihr erklären, denn sie tat so, als könnte ich das alles nicht kennen und als wäre die Wasserhähne aus Gold und die Kacheln aus Marmor. Es waren allerdings nur gutgemachte Imitate aus dem Baumarkt, die es nur so im Osten nicht gab. Auch sonst war aus der Tante, die früher Mal ein sehr lustiges Wesen war, eine schweigsame Frau geworden, die ihren Mund nur noch zum prahlen öffnete. Nur das, mit dem sie angab, war für mich ein völliger Rotz, den kein normaler Mensch brauchte.
Was brauchte ich Seidentapeten an den Wänden, wenn schon die normale Tapete bei mir zuhause einfach nur dreckig wurde?
Was sie aber nicht daran hinderte, weiter mit solchen Banalitäten bei ihrer Einrichtung und auch noch anderen Besitztümern anzugeben. Stundenlang löffelte sie mich voll, wie toll doch der Mercedes sei, mit dem ihr Mann seine Versicherungen, oder was er eben sonst so an der Tür den Leuten aufschwatzte.
Irgendwie war mir völlig unklar, was diese Angeberei vor mir sollte, denn sie kam ja selbst aus dem Osten und ihr sollte klar sein, das ich so etwas alles nicht hatte. Weder Seidentapeten, noch vergoldet aussehende Wasserhähne. Wozu auch, denn warmes Wasser floss auch durch meine verchromten, billigen und normalen Armaturen und das war es eigentlich, worauf es mir ankam. Allerdings war ihr Kühlschrank ziemlich jämmerlich und nur auf Besucher mit Nulldiät angelegt. Etwas Jogurt und ca. dreieinhalb Scheiben Schnittkäse kündeten nur sehe bedingt von westlichem Wohlstand. Meiner im Osten war dagegen voll bis zum Rand, aber Tantchen hatte es eben nicht so mit gutem Essen und andere Gäste schleppte sie zum essen eben ins Restaurant.
Bis ich bemerkte, das sie diese Führung durch ihre Hallen mit allen ihren Gästen anstellte. Sie wollte dadurch die Leute beeindrucken. Hast Du was, dann bist Du was, so schien ihr neues Motto und weder passte das zu ihr, noch gefiel mir das. aber das war ja dann ihr Ding und unsere Wege trennten sich.
Ich lernte in meinem Jugendclub ein paar lustige Westberliner Studenten kennen, die recht gerne feierten und besuchte fortan die in Westberlin. Sie hatten Besseres zu tun, als mit ihrem Eigentum zu protzen. Obwohl ihre guten Stereoanlagen mein Interesse weit mehr erregten, als die protzige Einrichtung meiner Tante.
Diese Studenten waren damals schon über 30 und fanden es blödsinnig, mit etwas zu prahlen, von dem sie wussten, dass sie es sowieso besser hatten und ich vergaß niese Neidgesellschaft fürs Erste. Es mussten erst etliche Jahre und die DDR vergehen, damit ich an diese niedersten menschlichen Triebe erinnert wurde. Als dann, quasi über Nacht die D-Mark über mein Theater hereinbrach, fingen auch meine Kollegen an zu spinnen. Leute, die man als offene, fröhliche und bescheidene Menschen zu kennen glaubte, tickten auf einmal aus, machten ihre Lohnzettel zu Staatsgeheimnissen, nur um dann mit teuren Autos zu prahlen, die sie sich auf Pump geholt hatten. Sie wollten einen unsinnigen Neid erwecken, wie mein Onkel 1975. die Neidgesellschaft hatte mich also eingeholt, denn vorher war ja kaum etwas da, was Angabe oder Neid gelohnt hätte. Jetzt, 15 Jahre später bin ich gesundheitlich kaputt gearbeitet, Rentner und kommuniziere über das Internet, was an sich schon traurig genug ist und erlebe da eine Neidgesellschaft in der neuen Generation. Ich tausche mich da in einem Internetforum mit sehr viel jüngeren Menschen über die Filme auf DVD aus, die wir uns gerade geholt und geleistet haben. Das geht auch soweit in Ordnung, denn so bin ich immer auf dem Laufenden, was gute Filme angeht. Der Austausch klappt auch ganz gut und in beide Richtungen. Nur gibt es da ein recht gestörtes Internetlebewesen, das sich bluerisk nennt, politisch ganz rechts außen denkt und redet, seines Zeichens ein 27jähriger Bauer ist und als Soldat Mal Flugzeuge nur betreten hat, um in vier Kilometern Höhe da wieder auszusteigen und auch noch stolz auf diesen Schwachsinn ist. Schon kein sehr heller Kopf also. Er war und ist doch tatsächlich der Einzige, der die zwanglose Plauderei über gute Filme mit einem Anfall seines bäuerlichen Neides beschmutzen musste und unter sich machte, das ich zuviel Rente hätte. Das war nun die neuste und mit Abstand auch dümmste Ausgeburt der Neidgesellschaft, die mir bis jetzt unter gekommen ist. Zum Glück ist er eine Ausnahme, aber wehe denen, die es Mal mit seinen missratenen Kindern zu tun bekommen!