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Die Wendehälse

Eigentlich eine Vogelart der Marke Specht, kam diese Gattung zur den Endzeiten der DDR in eine ganz erstaunlich neue Version zu zweifelhaften Ehren.
Es waren die Parteisekretäre, Kombinatsleiter und andere Chefs, die als überzeugte Mitglieder der SED, jahrzehntelang ihrer Umwelt mit den Phrasen über den Alleinseligmachenden Sozialismus der Marke Honecker auf den Zünder gingen.
Alle hatten sich gegenseitig mit Reisepässen ausgestattet und hatten mindestens einmal das „Feindesland“ Westdeutschland und/oder Westberlin bereist und wussten ziemlich genau, das man im Kapitalismus eigentlich nur genügend Geld für ein gutes Leben benötigt.
Im Angesicht des nahenden Endes der DDR versorgte man sich, auch wieder gegenseitig, noch mit einträglichen Posten oder erhöhte sich wenigstens die Gehälter, auf das es bei der kommenden Währungsunion keinen zu harten Aufprall in der Wirtschaft des Westens gäbe. Der „Feind“ aus vier Jahrzehnten Klassenkampf solle seinen so endgültigen und vernichtenden Sieg dann doch wenigstens teuer bezahlen, denn man hatte ja sein ganzes Arbeitsleben schwerste, verlogene Überzeugungsarbeit geleistet und das muss ja schließlich irgendwie und am Besten dann in harter Währung belohnt werden, wenn die Belogenen schon aufmucken und allein durch ihre Unzufriedenheit über das Vorhandensein einer Mauer rund um ihr Land den sonst so siegreichen Sozialismus in Europa zu Fall gebracht hatten und die dafür mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze noch schwer bluten sollten.
Die wissenden Kollegen aus den, ehemals sozialistischen Chefetagen mutierten zu knallharten Unternehmern, die eigentlich die sehr freie Marktwirtschaft erfunden haben könnten, oder wenn sie dann och nicht mehr so schwer arbeiten wollten und auch alt genug waren und das waren ja die Meisten, peilten sie mit ihrem Ruhestand einen Zeitpunkt nach der Währungsunion an, wo ihnen das Personalbüro, Formerly knows as Kaderabteilung, mit reichlich Nullen vor dem Komma im D-Markbereich das steinige Rentnerdasein im bösen Kapitalismus erleichterten.
Man wusste ja aus Zeiten der DDR auch gegenseitig von den Leichen im Keller und da war es schon gut, das man den ins Alter scheidenden mit reichlich DM fürs Erste die Klappe gestopft, denn für den Fall war davon ja genug da, denn diese Praxis hatte sich ja schon im Westen bewährt.
Das Geld fehlte natürlich an anderer Stelle in der ostdeutschen Wirtschaft und es ging noch schneller bergab. Die ehemaligen Mustersozialisten genossen indes den unerwarteten Reichtum, den ihnen das einstige „Feindesland“ eingebracht hatte.
Das ihr Leben bisher nur eine einzige, große Lüge gewesen ist, darüber zerbrach sich diese neue Sorte von Wendehälsen nicht eine Sekunde lang den Kopf.
Sie zählten ihre neue, harte Währung und machten Pläne damit. Das bisher belogene und betrogene arbeitende Volk darf sich dafür dann mit so neuen Spielen, wie am Arbeits oder Sozialamt herumstehen vergnügen. Sie hatten jetzt zwar ihre Freiheit, aber ihre ehemals sozialistischen Exbosse wieder den Wohlstand abgefasst. Irgendwas läuft ja immer falsch in Deutschland. Auch mit der Regierung kam das Volk ja vom Regen in die Jauche. Nur das die Inkompetenz eben keine sozialistische mehr war und sich mehrere Parteien von sich behaupten, die Inhaber der Alleinseligmachenden Wahrheit zu sein. Nur wie das dann aussieht, beweisen ja die Wirtschaftsdaten.