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Die das Beste draus machen

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, es wäre grundsätzlich eine Frage der Mentalität, wenn die Menschen in der Lage sind, auch unter den schlechtesten Bedingungen das Beste aus ihrer Situation zu machen, aber seit heute bin ich mir sicher, dass es doch eher eine Frage des Charakters sein muss.
Denn heute habe ich mich mit den verschiedensten Leuten über ihre persönliche Situation in dieser, eher feindlichen Umwelt des aktuellen Deutschlands ausführlich unterhalten und das Ergebnis hat mich dann doch ziemlich verblüffend. Zuerst bei der Physiotherapie, wie meine dreimal wöchentliche und barbarische Folter von den Ärzten zärtlich umschrieben wird, der Therapeut, der auch schon 38 ist und in einem Dorf bei Frankfurt/Main geboren und aufgewachsen ist. Ein freundlicher, netter und vor allen Dingen ein zufriedener Mensch, der nichts als Gelassenheit und Zufriedenheit ausstrahlt. Er ist nach Berlin gezogen und fühlt sich hier auch wohl und will in sein Dorf nicht zurück, denn er wüsste nicht, wozu, denn er mag seinen Job und das Leben in der Stadt und hat seinen Sinn des Lebens gefunden.
So stelle ich mir meinen jungen Freund Julian in ein paar Jahren auch vor, denn er ist nach seinem Wegzug aus Köln auf dem besten Weg dahin, hier auch ein zufriedener Mensch zu werden. Nach der Folter hatte ich Nebenan einen Termin bei meiner jungen Friseurin, die durch kunstfertige Griffe mit der Schere meinen Schädel wieder menschenähnlich gestalten sollte, was ihr auch diesmal wieder gelang. Wie es beim Friseur nun einmal so ist, kamen wir auch ins Gespräch und ich erfuhr Erstaunliches. Das Mädel, das eigentlich immer lacht und damit nur gute Laune verbreitet, ist blutjunge 22 und hat mit 21 den Laden auf eigenes Risiko übernommen und bietet seitdem den freundlichsten und auch noch billigsten Friseursalon in der Gegend an.
Ein mutiger Schritt in einem Land, dessen Kanzlerin sich die Haare betonieren lassen, die Mundwinkel hochtackern musste, um nicht völlig nach Depression und Pessimismus auszusehen und in dem ein Dieter Bohlen über musikalische Fähigkeiten entscheidet. Es geht also auch heut noch und man kann sich seine kleinen Träume erfüllen und muss als junger Mensch nicht zwangsläufig im Internet landen, um dort reaktionären Müll oder auch nur blanken Hass in den Foren abzuladen, nein die Beiden machen etwas, was heute selten geworden scheint, denn sie bieten Leistung, um sich im Gegenzug ein zufriedenes Leben zu sichern. Ich kenne einige, sogar sehr viel jüngere Menschen, die studieren, um dasselbe zu erreichen und dann nicht, wie ich es auch schon erlebt habe, mit einem akademischen Grad im Internet abzustürzen. So fertig gemacht von der Folter und wieder aufgebaut von der neuen Frisur kam ich dann nach Hause und sah mich auch prompt von der Realität in Deutschland eingeholt.
Ich hatte weder Internet noch Telefon, weil mein Netzbetreiber Arcor mich mit einem technischen Großausfall überraschen wollte. Die Überraschung gelang und als ich mich dann via Handy etwas qualvoll über grauenhafte Warteschleifen zum entsprechenden Service vorgearbeitet hatte, glaubte ich ein Deja Vue, welches mich in die düsteren Zeiten mit der Telekom und sogar mit der Post der DDR zurück katapultierte, denn einen pampigen Service kannte noch recht gut von dort. Der Service forschte in seinen Computern nach und überraschte mich mit dem Fakt, dass ich tatsächlich weder Telefon noch Internet hätte. Das leuchtete mir ein, denn ich hatte beides ja tatsächlich nicht und derart beglückt wurde ich unvorsichtig und fragte nach der Ursache, denn die „großflächige Störung“ bei Arcor hätte ja auch ein gezielter Angriff der Mongolei auf deutsche Kommunikationssysteme sein können, der mir in den Nachrichten ganz schlicht entgangen war. Nur über ein Zeitfenster für die Reparatur wollte der maulige Service nicht reden. Eine Stunde später mit einem anderen Mitarbeiter beim Service war man da zu sich schon großzügiger und gönnte sich zur Reparatur dann auch stolze „10 bis 12 Stunden“ und meine gute Laune war genauso dahin, wie der einstmals noch gute Service von Arcor, wie ich ihn am Anfang, so 2000 und 2001 noch erlebt hatte, als Arcor im Bedarfsfall sogar unentgeltlich Techniker ins Haus schickte, aber ich war wohl nicht der einzige Kunde, dem Telefon und Internet gefehlt haben müssen, denn nur eine halbe Stunde weiter funktionierte alles wieder ohne Probleme und der Tag endete so, wie er begann, gut und ich hatte das Beste daraus gemacht.

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