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Dollar krank wie Hund

5. Tag eine sehr lange Tour, Schiff, Besatzung und Gepflogenheiten


Heute sind wir fast den ganzen Tag unterwegs von Tanger nach Ibiza und das sind fast 400 Seemeilen, also fast 800 Kilometer und da bleibt Zeit für ein paar Worte zum Schiff. Der Besatzung und den Passagieren.
Der Ausspruch „Dollar krank wie Hund“ stammt von einem Stewart, als ich ihn auf die Bezahlung und die Verteilung, der, wie hier üblich, zentral eingeforderte Trinkgelder an Bord ansprach und wer auf diesem schwimmenden Mikrokosmos der Welt was in welcher Währung bekommt. Da wir ja nicht direkt und in einem bestimmten Land sind, macht es Sinn, über das Schiff und seine Besatzung zu reden, denn bei 28 bis 30 unterschiedlichen Nationen und Kulturen kommt da Einiges zusammen und trifft aufeinander.
Das Schiff ist, wie der Kapitän, aus Zypern, aber da hört es auch fast schon auf mit Europa. An Bord leben 300 Besatzungsmitglieder mit den seltsamsten familiären Backgrounds, wie einer an der Rezeption, der in Kuba geboren ist, aber wegen seiner Frau in Japan lebt.
Es gibt überhaupt eine Menge Kubaner auf diesem Schiff und eine Menge, die von den Philippinen, die sich für die Passagiere krumm machen, denn im Gegensatz zum Schiff ist deren Zuvorkommenheit mehr als luxuriös. Sie sind unterbezahlte, dienstbare Geister, aber genau die Geister, die das ganze Schiff am Laufen halten.
Gäbe es sie nicht, wäre auch die MS Coral nur ein Haufen rostiges Metall und ein besseres Floß, das vor sich hin rotten würde. Sie sind allgegenwärtig, immer freundlich und gehen mir, wo sie können unaufgefordert zur lahmen Hand und werden dafür vom Gewinn der Reederei „Louis Hellenic Cruises“ mit einem Bruchteil und dann auch noch in weichen Dollar belohnt.
Der Tourismus scheint damit tatsächlich die einzige Branche, wo die Einführung des Euro einen erkennbaren Sinn gemacht hat. Und sei es nur, um die Sklaverei mit Arbeitern aus Billiglohnländern neu zu erfinden. So still die unauffälligen Arbeiter, Kellner und Putzkräfte ihren Dienst an den Menschen machen, umso lauter fallen da die Passagiere auf, die mit einem Heer von Kindern das Schiff einnehmen. Namentlich die riesigen Familien aus Südeuropa, aus Italien, Spanien und Frankreich, fallen mit ihrem überfettetem und nur peripher erzogenem Nachwuchs erst ins Auge, dann ins Ohr und zuletzt auf die Nerven. Es dezimiert doch etwas den Spaß, Delphinen im Mittelmeer bei ihren einmaligen Saltos zuzusehen, wenn im Pool fünf Meter hinter einem, ein ziemlich dicker, etwa neunjähriger Junge laut kreischend seiner Familie ca. 20 Mal die neuste Version seiner Wasserbombe zeigt. Der italienische Vater, ein Musterexemplar seiner Gattung, der aussieht, als hätte er auf Brust und Rücken entweder eine tote Katze oder den Skalp von Tina Turner implantiert, spornt seinen Sprössling natürlich noch voller Stolz an und der krabbelt aus dem Pool zu Sprung und Bombe Nummer 21. die dienstbaren Geister lächeln still vor sich hin, da sie die verzogenen Europäer nicht anders kennen und kommen lächelnd mit Eimer und Wischlappen, um das Deck wieder trocken zu bekommen, damit das dicke Bambini noch mal springen kann.
Sowie ich übergewichtiger Krüppel auch nur in Richtung einer Treppe oder Gangway schlürfe, kommen aus dem Nichts gleich mehrere helfende Hände dieser dienstbaren Geister, die sich anbieten, mir zu helfen. Wenn ich dann voller Stolz abgelehnt habe und auf Treppe oder Gangway natürlich mit Karacho abgestürzt bin, kommen sie, still lächelnd über meine Torheit, an und stellen mich wieder auf die Beine. Trinkgelder dafür lehnen sie kategorisch ab, da sie das mit ihrem Gott, meist ist das Allah, anders vereinbart haben.
Wie ich das erlebt und in Erinnerung habe, sehen die Christen in Deutschland bei einem ähnlichen Vorgang peinlich berührt weg und gehen weiter.
Es ist an Bord ähnlich wie in Gibraltar und auch hier kommen die Weltreligionen friedlich miteinander aus und überschneiden sich sogar, denn da gibt es eben diesen katholischen Kubaner, der bei seiner Frau in Japan lebt und sich dort bei ihren Göttern für das Essen bedankt.
Da mich die Touristenhochburg Ibiza auch nicht sonderlich lockt, da es außer deutschen Säufern keine frei lebenden Affen gibt, bleibe ich auf dem Schiff und Bine macht die Stadt unsicher.