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Dritter Tag

Kleinere Missverständnisse, vegetarisches Essen, Abendsportarten und der Ruhetag vor Assuan, die Wünsche einer Frau und eine Polizei, die ins Wasser geht.

Gestern, am zweiten Tag habe ich Bines begeisterte SMS aus dem Tempel gründlich missverstanden und ihre SMS aus dem Tempel war weniger ein Ausdruck der Begeisterung, als vielmehr ein Ruf nach Hilfe. Ihr Wunsch, in Kultur zu machen, war recht ehrlich gemeint, aber es war Bines erster Tempel und sie war von der Aufzählung sämtlicher Details aus dem Leben und Werk eines schon verblichenen Gottes, welche die Fremdenführer artig aufgezählt haben, dann doch heftig überfordert. Genau genommen ist das auch eher ein Wissen für Ägyptologen und keines für Leute, die da nur mal Urlaub machen. So kam sie wieder an Bord und war mir erstmal dankbar dafür, dass ich sie damit bis dahin auch in Ruhe gelassen habe und mit ihr immer in einem Café am Eingang gewartet habe. Ich hätte sie ja warnen können, aber sie hätte mir nicht geglaubt, weil mir Frauen recht selten etwas glauben. Das ist ganz einfach mein Schicksal als Mann!
Derart von ägyptischer Kultur gebeutelt kam sie zurück und wir gingen zum Essen. Das Essen an sich ist auf solchen Schiffen immer ganz große Klasse, aber das Buffet ist zum größten Teil vegetarisch, was ich 2004 eigentlich heftig bemängelt habe, weil man mich mit frischen Obst eigentlich nur jagen kann. Nun ist Bine aber gerne und nur vegetarisch und beglückte sie mich mit Leckerbissen, die tatsächlich schmeckten, die man aber so frisch gejagt und geschossen nur in Ägypten bekommt. So konnte ich mich noch nie für Tomaten begeistern, weil das Zeug, was in Berlin als Tomate angeboten wird, eher einem verwässerten Unfall aus Holland gleicht, als einer guten Tomate. Nur die Teile vom ägyptischen Buffet, die mir Bine in einem Brötchen lecker zubereitet und serviert hatte, waren ohne Wasser und fest wie junge Mädchenbrüste und mindesten genauso lecker, soweit ich mich daran denn überhaupt noch erinnern kann. Nach dem Abendbrot und vor dem Schlafengehen wollten Bine und ich noch eine Runde Wasserski fahren und uns von unserem Dampfer ziehen lassen. Bei Bine ging das auch gut, der Kapitän gab Gas und sie konnte allen zeigen, wie sportlich sie doch auch ist. Als ich dann aber mit krummen und gelähmten Füßen auf den Wasserskiern stand, passierte das, was bei mir in solchen Fällen immer passierte und ich soff jämmerlich ab. Hätte es Bine nicht gegeben, die kurzerhand drei, ihr willig ergebene Matrosen ins Wasser schickte, um mich zu retten, gäbe es auch diesen Reisebericht nicht oder er würde wenigstens hier enden. Danach waren wir in die Lounge des Schiffes eingeladen, wo der Rest der Mannschaft vorgestellt wurde. Dabei auch gleich die Reiseleitung und die Fremdenführer. Darunter auch eine Reisebegleiterin Namens Isis, was ich insofern schon erstaunlich fand, da ihrem Sohn Horus ja in Edfu schon vor 3000 Jahren ein Tempel gebaut wurde, den wir ja gemeinsam besucht hatten-. Bine freundet sich mit ihr an und erzählte mir später, dass diese Isis von ihrem Mann Osiris verstoßen worden ist. Also ist das bei den ägyptischen Göttern nicht anders, als bei den modernen Menschen in Europa. Nur kann die Frau in Europa ihren Mann auf Unterhalt verklagen, nur diese Möglichkeit besteht bei ägyptischen Göttern nicht und daher musste die arme Isis in ihrem betagten Alter als Fremdenführerin arbeiten.
Wie dem auch sei, wir beide haben unseren Rhythmus gefunden und jeder kommt halbwegs mit den Macken des jeweils Anderen klar. Fast eine Art Urlaubsehe auf Zeit. So sackten wir gestern bleiern ins Bett, um mit dem Wissen aufzustehen, dass wir fast die einzigen Urlauber auf dem Schiff sind, da die anderen sich zu einer ägyptischen Parfümerie haben karren lassen, die ich von 2004 schon kannte und die Bine zum Glück nicht sehen wollte.
So hatten wir am Morgen das Schiff fast allein für uns und konnten uns meine Körperpflege am Pool widmen, da die ägyptischen Badezimmer auch nur für schmale, bewegliche ägyptische Körper ausgelegt sind und nicht für meinen gelähmten breiten Körper, der, wenn ich am Strand sitzen würde, bei Greenpeace die Abteilung „Moby Dick“ auf den Plan rufen würde, die gestrandete weiße Wale am Schwanz wieder ins Meer zieht. Allein den Gedanken empfand ich schon irgendwie als schmerzhaft. So erfrischte ich mich, genau wie letztes Jahr am Pool und der dazugehörigen Dusche mit doch sehr kaltem Wasser und Bine machte mit. Es machte ihr auch Vergnügen, wenn dann die Herren Moslems von der Besatzung ganz geschäftig am Pool herumschlichen und mit großen Augen auf Bines wohlgefüllten Bikini starrten. Ich glaube, wir betrieben in dem Moment die große Sünde der islamischen Pornographie, aber Bine war das egal. Sie glaubt nicht ans Paradies, sondern sie glaubt nur an den jetzigen Urlaub, der ja auch für sie bald ein Ende hat. Außerdem hat sie dieses höhere Wesen, ganz egal, ob das nun Gott oder Allah genannt wird, mit diesem Körper ausgestattet und nun müssen die anderen Geschöpfe, die Kerle, damit auch klarkommen!
Nach dem Mittag kam dann unser Termin und das war dann die Fahrt mit einer Feluke auf dem Nil, wie hier ein kleines, altes Segelboot mit einem dreieckigen Segel genannt wird. Da ich auch Interesse daran zeigte, auf einem solchen Boot mal mitzufahren, machte Bine aus Sorge um meinen lahmen Fuß das halbe Schiff verrückt, ob ich denn Probleme hätte. Man schwor bei Allah und allen seinen Propheten, dass man mindestens acht Leute bräuchte, die mich in die Feluke tragen müssten und riet ihr aber immer für einige Überraschungen gut bin, bestand ich darauf, es wenigstens versuchen zu wollen, denn im letzten Jahr hatte ich mit einem Motorboot keine größeren Probleme. Da eine Feluke auch nur ein Boot ist, nahm ich dieses Hindernis locker und bekam von den Urlaubern an Bord sogar Szenenapplaus dafür, denn mein Stunt sollte viel später und völlig woanders kommen. Nur auf dem Weg zur Feluke passierte etwas Denkwürdiges, etwas, dass man sich für Deutschland merken und da mal ausprobieren sollte. Denn Trottel, der ich nun mal bin, fiel mir auf dem Laufsteg vom Schiff an Land meine Krücke aus Aluminium ins Wasser. Aber statt zu versinken schwamm sie munter weiter. Die ägyptischen Polizisten legten ihre Kalaschnikows ab und fällten halbe Bäume, um damit nach meiner schwimmenden Krücke zu hangeln und einer hatte sogar Glück und trug sie mir stolz hinterher. Die Hilfsbereitschaft in diesem Land kennt offensichtlich weder Grenzen, noch Uniformen, sie ist einfach da. So wie ich Polizisten kenne, würden die sicher versuchen, eine solche Krücke durch gezielte Schüsse zu versenken, anstatt sie für einen lahmen Ausländer aus dem Wasser zu holen. Aber das nur am Rande.
Das Ziel der Fahrt in der Feluke war ein botanischer Garten, der uns aber nicht näher interessierte, denn wir wollten nur Mal mit einer Feluke gefahren sein. Wohl aus Gründen der Unterhaltung fing Gigi, unsere ägyptische Fremdenführerin, völlig überraschend damit an, aus vollem Hals deutsches Liedgut zu schmettern. Von „Hänschen klein…“ bis „Alle meine Entchen…“ also so ziemlich jeden Mist, der im Ausland wohl peinlicherweise für die deutsche Kultur gehalten wird und fast alle deutschen Urlauber sangen dieses Zeug auch mit. Zum Glück kramte der junge Nubier, der bisher still als Matrose auf dem Bug der Feluke gesessen hatte, eine kleine Trommel heraus und begann seinerseits, aber diesmal nubisches Liedgut zu trällern. Das kam irgendwie sehr viel urbaner und echter auf dem Nil, als die entsetzlichen Versuche der Deutschen, den Nil und seine Anwohner durch deutsche Lieder zu erschrecken. Die Feluke setzte alle Urlauber, die Lust dazu hatten und die auch beweglich genug waren, am botanischen Garten ab, aber Bine und ich wurden zum Bleiben eingeladen und man würde uns zum Treffpunkt fahren, wo der Rest dann aus dem botanischen Garten kommen würde. Wieder eine Extrawurst für Krüppel und Schönheit und wieder war es Klasse.
So konnten wir den Nil und seine Anwohner aus nächster Nähe erfahren. Das waren in erster Linie andere Feluken und andere Kapitäne. Aber auch die unvermeidlichen fliegenden Händler auf ihren Booten, die wohl ein fester Bestandteil des Nils sind, ließen nicht lange auf sich warten. Ich bekam einen leckeren Tee aus dem persönlichen Bestand des Kapitäns, erfuhr, dass er tatsächlich Ramadan hieß, ein Nubier von 50 Jahren war, ihm die Feluke seit Generationen gehörte und der junge Matrose sein Neffe war, dem er seinerseits das Handwerk des Segelns einer Feluke auf dem Nil beibringen wollte, auf das er ihn eines Tages dann mal beerbe. Inzwischen kurvten so ca. 20 bis 30 Händler in ihren Booten um die Feluke und versuchten ihren ägyptischen Tand loszuwerden. Da ich mit dem jungen Matrosen und dem alten Kapitän zugange war, steuerten sie Bine als ihr Opfer an. Nur war die ja auch von allen Seiten belehrt worden ist, wo sie ein klares „Nein“ zu sagen hatte, blieb sie auch hart und spielte mit den Händlern. Schließlich bekam sie sogar etwas geschenkt und war entsprechend glücklich. Zurück auf unserem Schiff legte sich ihr Glück aber etwas, als sie sah, wie ich auf einer der vielen Treppen ausrutschte und rückwärts einen Stunt über 8 bis 12 Stufen hinlegte. Es war sicher nicht meine Absicht und es tat mir auch Leid, als ich sie dann voller Sorge sah und so mitfühlend wie ich sie dann sah, konnte ich auch fast vergessen, dass sich der Schlüssel unserer Kabine, der sich in ihrer Obhut befand, in ein Gasgemisch aufgelöst haben muss, denn er ist einfach weg. Sie holte mir extra einen Masseur, der meine kaputte Seite bearbeitete und versicherte sich bei allen zuständigen Managern, dass uns der verlorene Schlüssel auch wirklich kein knappes Geld kostete und so waren wir dann beide beruhigt. So können wir Morgen dann in aller Ruhe in unseren Orientexpress steigen, der uns dann über Nacht von Assuan nach Kairo bringt, wo endlich die Pyramiden auf mich warten werden. Ich bin sehr gespannt, wie man meine alte Laube, die Cheops-Pyramide über die Jahrtausende so behandelt hat und ob da wenigstens anständig gefegt worden ist.