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Ein Geburtstag 207 Meter über Berlin

Ursprünglich wollt ich ja noch viel höher, aber das Separée, das die Telekom in 367 Meter Höhe auf der Spitze ihres Sendemastes auf dem Berliner Fernsehturm hat, war wegen zu großer Windstärke dummerweise gesperrt.
So orderte meine Mutter für die Feier meines sagenhaften 45. Geburtstages, mit dem ich nun endgültig im Greisenalter angekommen bin, bei meiner Tante, die seit 30 Jahren eine der führenden Chefs des Berliner Fernsehturmes ist, einen Tisch, damit dieser Geburtstag auch entsprechend gewürdigt werden konnte.
Nun ist 45 ein Alter, in dem man für gewöhnlich alle Arten von großen und kleinen Orgien schon hinter sich hat und da lässt man so etwas dann auch schon mal ruhiger angehen und feiert nicht mehr ganz so wüst, aber dafür ausgesuchter und exklusiver.
Da die Menschenmassen, die mich bei früheren Geburtstagen überrannt haben, als ich noch gesünder war und Arbeit hatte, ja diesmal ausbleiben würden, waren es nicht viel Gäste, aber dafür handverlesene.
Als Austragungsort meiner greisen Feierstunde wurde der Berliner Fernsehturm für würdig befunden, denn bei dessen Grundsteinlegung 1965 war ich als Knirps von 5 Jahren schon in Gummistiefeln dabei, das dieses Ding genau hinter einer großen Gaststätte auf dem alten Alex gebaut wurde, in der meine Mutter damals arbeitete.
So war ich jedes Mal, wenn ich sie von der Arbeit abholen wollte, hinten auf der Baustelle und saute mich nach Kräften ein. Aber das war vor 40 Jahren und heute kann ich als Berliner ja froh sein, wenn das Ding noch immer steht und es bis jetzt noch keinen Politiker der CDU gegeben hat, der im Fundament dieses Turms drei Löffel Asbest gefunden hat und ihn deshalb zur sozialistischen Ruine erklärt hat, so wie mit dem Palast der Republik ja auch verfahren wurde. Aber zurück zum Jetzt.
Der Fernsehturm wurde an die Franzosen verhökert, die Geld investierten, klugerweise das alte Personal übernahmen und seitdem sogar noch Gewinn mit dem Turm erwirtschaften und damit etwas taten, was die Krämerseelen der deutschen Politik als völlig unmöglich bezeichnet hatten. Dieser Turm sollte nun der angemessene Ort zur Feier des Begins meines zweiten Lebens werden, denn mein erstes, ganz gutes Leben ist ja nun seit dem Schlaganfall vor fünf Jahren ziemlich endgültig vorbei.
Das zweite Leben von mir begann nun im Restaurant des Fernsehturm, 207 Meter über Berlin. So ausgesucht der Ort zur Feier dieser Katastrophe der Altwerdung, so handverlesen und exklusiv waren dann auch die Gäste, die dieses Ereignis würdigten. So gab es eine Sabine, die ich seit 20 Jahren kenne, die nichts weniger, als eine Schönheit ist, die mit beiden Beinen im Leben steht und die mich dieses Jahr nach Ägypten begleiten wird, mit Tobias und Jürgen zwei Musiker, die mich noch fünf Jahre nach meinem Ausscheiden noch besuchen, eine andere Sabine, die über Jahre eine nette Kollegin vom Ballett gewesen ist und Robin, ein junger Freund aus dem Internet, den ich wie Felix nun auch schon sechs Jahre kenne und der nun auch schon 23 ist und etwas aus seinem Leben macht und auch Informatik studiert. Nebenbei findet er noch die Zeit, mein zickiges Netzwerk zu betreuen und mich in beim Kauf von Hard und Software zu beraten. Dazu dann natürlich noch meine Mutter mit dem goldenen Herz und den gerne gebenden Händen, die diese Veranstaltung und auch meine Reise bezahlte und schon waren drei Generation lustiger Menschen, die ihr Leben auch ohne Internet zu leben wussten an einem Tisch und zu meinem 45. Geburtstag zusammen, denn außer meiner Mutter gab es mit Sabine und Jürgen noch zwei andere Eltern jenseits der 40, die schon jugendliche und erwachsene Kinder hatten und so war schon automatisch für genügend Gesprächsstoff gesorgt.
Während das Restaurant sich so drehte, dass wir in einer Stunde einmal ganz Berlin und noch weiter von oben sehen konnten, wir alle erstklassig speisten, unterhielten wir uns über so aktuelle Sachen wie die lustige Politik, den ziemlich unlustigen Darth Stoiber und seine Imperatorin Merkel von der dunklen Seite der Macht, unsere Reisen, Studien und andere teure Gebühren und den aktuell um sich greifenden religiösen Wahn, der die Menschen mal wieder nachhaltig verdummt, nur weil ein sehr altes deutsches Männlein mit den dürren Fingern der Hexen aus Grimms Märchen sich doch tatsächlich für den Stellvertreter eines Gottes hält, der eigentlich allmächtig und allgegenwärtig sein, aber dennoch Bodenpersonal auf der Erde brauchen soll. Also in sich schon absolut unlogisch. Wir waren alles Menschen, die in einem sehr schwierigen Land auch ohne diesen christlichen Humbug relativ groß, ziemlich alt geworden und ganz gut klargekommen sind und mitten im Leben standen und es zu genießen wussten und auch recht zufrieden waren und sind. Eine Eigenschaft, die vielen jungen und alten Menschen von heute völlig abzugehen scheint. Sabine und ich unterhielten und freuten uns auch über unsere Reise und machten Pläne für Flug, Schiff, Bahnfahrt, Hotel und für die Pyramiden und freuten uns mächtig.
In der Zeit unserer Gespräche umrundete das Restaurant sechs Mal die Aussicht über Berlin und am Nebentisch erklärte ein Urberliner mit starkem hessischen Akzent einer Reisegruppe aus dem Ruhrpott, wie die Berliner Geschichte vor dem Fall der Mauer 1989 abgelaufen ist. Offensichtlich war er hautnah am Fernseher dabei gewesen und gab sein Wissen jetzt gegen ein Obolus an westdeutsche Touristen ohne Fernseher weiter.
Es war für alle und besonders für mich ein sehr schöner Tag und Dank einer großzügigen Mutter ein weitaus besserer Start ins hohe Alter, als es mein grauenhafter und abrupter Abschied von meiner Jugend vor fünf Jahren hätte vermuten lassen. Als Nächstes freue ich mich erst einmal auf die schöne Reise in meine alte Heimat.
Für die Kommentarfreaks