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Ein Land – zwei Welten

Heute ist es nun auf den Tag genau 15 Jahre her, als in einer logischen Konsequenz auf die Fluchtbewegung und die Montagsdemos die Regierung der DDR das Handtuch warf und die Mauer öffnete, mit der sie ihr Volk 28 Jahre eingesperrt und vom Erleben der Welt abgehalten hatte.
Für mich persönlich änderte sich erst einmal nichts, denn aufgrund diverser Krankheiten hatte ich einen Pass und durfte schon seit 1981 in den „goldenen Westen“ und ich wusste in etwa, was mich da erwartet. Auf jeden Fall kein Gold.
Umso überraschter war ich dann von der Euphorie, die ich dann am Abend des 9. November erlebte, als ich nach Schabowskis Ankündigung Morgens um Zwei zum ersten Mal zusammen mit meiner Mutter mit unserem braven kleinen Plastikauto durch eine offene Grenze in Richtung Kuhdamm und Bahnhof getuckert bin. Das war ein wirklich historischer Augenblick der Geschichte und ich war mit 29 dabei. Wer jetzt noch schläft, ist tot, war der allgemeine Tenor im feiernden Berlin.
Selbst der westdeutsche Kanzler Kohl ließ sich extra von der Bundeswehr aus Polen nach Berlin fliegen, um da auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses mit dem regierenden Bürgermeister Momper den mutierten Sängerknaben zu geben und sich auspfeifen zu lassen, weil seine Umfragewerte in Deutschland West im Keller waren.
Die Entwicklung im Süden der DDR wo inzwischen aus dem einfachen „Wir sind DAS Volk“ unter der Leitung der cleveren Wahlkampfstrategen der westlichen CDU ein „Wir sind EIN Volk“ geworden ist, war mir suspekt.
Aber erst einmal genoss ich den Augenblick der Weltgeschichte, dessen Zeuge da war und mit mir hunderttausend anderen Berliner. Es war ein erhebender Moment, als West und Ost sich in den Armen lag und (noch) gemeinsam feierte.
Die Berliner Mauer, das Zeichen für die Teilung überhaupt, war gefallen und wir Berliner waren dabei. Da ich mich ungern von einer politischen Entwicklung überfahren ließ, setzte ich mich zumindest in meinem Stadtbezirk an ihre Spitze und war Mitbegründer einer Basisgruppe der neuen SPD der DDR.
Aber noch war ich am feiern. Es war die Nacht der Hoffnungen und die war ziemlich schnell vorbei, aber In dem Augenblick der Freude hätte Kanzler Kohl so ziemlich jedes Gesetz zur Finanzierung der Wiedervereinigung erlassen können, aber Kanzler Kohl musste ja unbedingt singen üben und hat damit die beste Chance vertan. Was dann folgte, weiß jeder. Nach der großen Party am 9. November kam der erste große Katzenjammer und im Zuge der ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März auch die ersten gebrochenen Versprechen. Ostminister Krause und Westminister Schäuble zimmerten dann hastig den so genannten Einigungsvertrag, der den Bürgern der DDR hauptsächlich den Status als Beute der westdeutschen CDU zusicherte und der am 3. Oktober 1990 in Kraft trat und den 3. Oktober ziemlich willkürlich als Feiertag festgelegt wurde. der eigentliche Tag des Mauerfalls.
Der 9. November hatte historisch zu viele negative Querverweise. 1918 die Novemberrevolution, 1923 der Hitlerputsch und 1938 die Reichskristallnacht.
So wurde der 3. Oktober ein eher ungeliebter Feiertag ohne tiefere Bedeutung, der eigentlich nur ein weiterer freier Tag war.
Mein persönlicher Feiertag ist trotz aller historischen Verwerfungen der deutschen Geschichte. Es war der Tag, an dem mir wildfremde Westberliner in den Armen lagen und mich auch auf ein Bier eingeladen hatten. Das diesem Tag nur Katzenjammer in Ost und in West folgte, das ist der Verdienst verfehlter Politik des Herrn Kohl und seines Nachfolgers. Nun haben wir ein Land, aber noch immer zwei Welten.
Kohl versprach „Blühende Landschaften“ und nichts würde teuer werden, hatte den unheimlich kreativen Einfall, den Deutschen mit einer neuen, einer Kunstwährung, das Geld aus der Tasche zu holen und nach nunmehr 15 Jahren und 1,5 Billionen Euro brutto an Steuergeldern für den „Aufbau Ost“ ist Deutschland von einer Einheit weiter weg, als es mit der Mauer je gewesen ist. So bleibt dann nur noch die Erinnerung an die schönen Zeiten vor 15 Jahren, aber ich hab sie wenigstens erlebt und war dabei und das kann mir keiner mehr nehmen! Inzwischen bin ich als Rentner ganz zuhause und habe trotzdem Menschen Kennen gelernt. Dumme und Kluge, aber alle jung.