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Ein Tag im Hades

Diekirch-Militarmuseum_040FeldlazarettHorrorarzt_



Abstieg in die Katakomben des deutschen Gesundheitssystems



Wie das Schicksal es will, muss ich 10 Jahre nach meinem neunmonatigen Zwangsaufenthalt in einer Art Schlachthof, der genauso falsch, wie politisch korrekt mit „Reha-Klinik“ umschrieben wurde, ist nun im Oktober eine größere Magen OP fällig.
Es ist eine der Art Operationen, wie sie fortschreitendes Alter und Krankheit fällig werden lassen. Dazu sollte ich nun zu einer Gastroskopie in die neue Klinik, in der meine Ärztin nun praktiziert.
Da ich mit dieser Art der antiquierten Untersuchung noch gar keine Erfahrung hatte, habe ich mich da Dienstag morgen hinfahren lassen, weil ich hoffte, sehr viel grausamer als im Jahr 2000 könne das nicht werden, denn Ärzte und Klinik sind ja neu. Aber schon bei der Patientenaufnahme begegnete mir ein sehr altes Bild.
Bei der Aufnahme war es wie vor 30 Jahren in einer Ostberliner Poliklinik die bissigste Version Mensch, die im Gesundheitswesen arbeitete und sah mich mit einem Blick an, als würde ich betteln oder Teppiche verkaufen wollen. Also wie gehabt. Auch Organisation, Motivation und Ausstattung weit unter dem, was ich aus dem Jahr 2000 und vor allem, in den Jahren zuvor als westlichen Standard erlebt hatte. Dem ersten Eindruck nach wirkte diese Klinik auf mich wie ein polnisches Feldlazarett aus dem 13. Jahrhundert auf der Flucht vor plündernden Mongolen.
Die Zimmer waren größer, aber dafür die Fernseher kleiner und deren Technologie sogar älter. Modelle, wie sie kurz vor der Erfindung des Buchdrucks auf den Markt kamen. Nur deswegen war ich ja nicht da, sondern wegen einer Untersuchung. Obwohl ich am frühen Morgen dazu bestellt war, also definitiv nicht überraschend kam, hat man erst am Nachmittag Arzt und Werkzeug dafür gefunden.
Wie zu den Zeiten der Spanischen Inquisition befanden sich die Räume für solch spezielle Untersuchungen im Keller des Gebäudes und da der Weg für mich zu weit für meine 1,5 Füße war, habe ich mich durch diese Katakomben, welche die gefühlte Größe der Katakomben von Rom und Paris hatten und mich irgendwie an den Hades der griechischen Antike erinnerten, dann mit dem Bett rollen.
Angekommen in einer Art Verlies, das jedem Mittelalter zur Ehre gereicht hätte, wurde mir vom Henker, vulgo Arzt dann auch die Instrumente gezeigt und ich wurde sogar nach einer Narkose gefragt.
Nur ich Idiot wollte den Helden geben und es schnell hinter mich bringen und das erwies sich als Fehler.
Alles was ich über mikrochirurgische Diagnostik in Dokumentationen gesehen oder Fachzeitschriften gelesen hatte, ist an diesem Krankenhaus genauso spurlos vorbeigegangen, wie die zahllosen Gesundheitsminister, deren Reformen und Preiserhöhungen im Gesundheitswesen. Zumindest erklärt sich so, wo das Geld für die vielen Erhöhungen der Politikerbezüge herkommt. Aber zurück zur Untersuchung.
Als mir der Arzt den Schlauch mit der Kamera in den Schlund rammte, hatte ich das Gefühl, ich bin ein verstopftes Klo und der Arzt ein Klempner, der mit brachialer Gewalt eine Verstopfung in meiner Speiseröhre lösen will.
Auch der farbenfrohe Ausblick auf meine Innereien konnte mich da nicht so recht entschädigen, denn sowas kann ich mir auch im Internet auf YouTube ansehen. Ich gebe zu, ich bin zu sensibel, was meinen Mund, meinen Hals und meine Speiseröhre angeht, aber aus dem Alter, wo ich jeden Mist in den Mund nehme, bin ich eben schon etwas länger raus. Als Fazit nehme ich meine völlige Untauglichkeit als Schwertschlucker zur Kenntnis und das ich einen ausgewachsenen Horror vor der OP im Oktober habe, aber ich habe zulange dafür kämpfen müssen und sie ist einfach nötig. Für die Zeit, die ich für diese OP im Krankenhaus sein muss, werde ich mich wohl ins Koma saufen oder spritzen lassen müssen, damit ich den Hades des deutschen Gesundheitssystems halbwegs überstehe.






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