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Ein Tag im Moloch Berlin

Er war eigentlich als fast ganz normaler Tag geplant und es kam irgendwie alles ganz anders. Wir, d.h. meine Mutter als mein Fahrer und ich, der ich selbst beim besten Willen eine Opel mit einer Körperhälfte nicht anständig bewegt bekomme, wollten nur mal eben bei Conrad vorbei, um meinen Vorrat an CD-Rohlingen wieder etwas aufzufrischen, da mich im Internet mehrere Filme ansprangen, die ich selbst zwar hatte, aber dennoch weiter verschenken wollte und da war das Brennen von bereits fertigen Kopien immer noch die einfachste Variante, wie ich glaubte. Aber alles kam natürlich anders.
Zwischen meiner Behausung und der Filiale von Conrad hatte der Ideenreichtum Berliner Städteplaner nicht nur widerlich viele Straßen, sondern auch den ganzen Stadtbezirk Kreuzberg gesetzt.
Dieser ist ja auch durch seine kulturelle Vielfalt nicht ganz unbekannt. Kreuzberg ist die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei und irgendwie hatte meine Mutter genau davor etwas Bammel. Zu Recht und zu Unrecht gleichzeitig, wie sich herausstellen sollte. Auf dem Cottbuser Damm, eine Art Fluchtweg für alle Nichttürken Berlins ereilte uns dann auch das Schicksal in Form eines kleinen grauen Jettas, der ohne Blinklicht oder sonst irgendetwas aus einer Parklücke schoss, uns die Vorfahrt nahm und uns auf den begrünten Mittelstreifen abdrängte, wo der linke Vorderreifen dann eine Art Bürgersteig touchierte und anschließend mit viel Gerumpel verstarb.
Der Jetta war natürlich schnell und vor allem schnell weg und meine Mutter begann aufs heftigste die Ausländer zu verfluchen, die ihrer Meinung nach dieses Kampfgefährt gelenkt haben. Als wir dann aber rechts ran fuhren, um den Schaden zu begutachten, legte sich ihr Zorn schnell, als doch tatsächlich ein türkischer Ladenbesitzer Mitte 20 aus diesem herausgesprungen kam und uns aufs Freundlichste seine Hilfe anbot. Nicht nur, das der gute Mann sich sofort ans Hantieren machte, nein, er bot uns WC und sogar einen Tee in seinem Laden an, was ja für ein Kleidergeschäft eher ungewöhnlich ist. So ist das mit dem Urteil über Ausländer, man ist schnell bei der Hand damit und dann auch ganz schnell entscheidet man dann wieder anders.
Es gibt immer solche und solche
Nun hatte aber Opel bei seinen Neuwagen einen Spezialverschluss gegen Diebstahl an den Radkappen eingebaut, wofür es dann auch eines Spezialschlüssels bedurfte, nur um die Dinger abzubekommen. Der war natürlich nicht im Auto, sondern wurde Stunden später Zuhause gefunden. Egal, der Mann konnte nicht weiter helfen und das Zauberwort hieß dann ADAC.
Wir priesen den Erfinder des Funktelefons und riefen dort dann an. Der Cottbuser Damm füllte sich zusehends und mir war klar, das dagegen jeder Ameisenhaufen ein Kurort und der New Yorker Time Square ein Naherholungszentrum ist. Es konnte also dauern. Aber nach doch schon 45 Minuten fand ein „Gelber Engel“ den Weg zu uns und machte sich mit reichlich Spezialwerkzeug an die Arbeit. 10 Minuten später stand ich bei Conrad und war auch sauer, weil dieses „Fachgeschäft für Computer“ kaum beratende Fachleute hatte und das was ich suchte schon gar nicht. Simple CDR-RW mit 800 MB Fassungsvermögen waren mein Wunsch, denn die Spindeln mit den 700 MB hätte ich überall woanders auch bekommen.
Ich holte also zwangsläufig einzelne CD-R mit 800 MB und weil ich ja schon mal da war, zwei Spindeln mit 700 MB. An der Kasse dann das nächste Unheil, meine Karte war ungültig und die Maschine wollte die partout nicht haben.
Bar bezahlt und weiter zur Bank. Das klingt ziemlich einfach, nur hatten die Berliner Verkehrsleidsysteme wohl gerade heute den Auftrag, sämtliche Ampeln mit einem feierlichen Rot zu schmücken und es dauert fast wieder eine Stunde, bis mir eine freundliche Bankangestellte erklärte, das meine EC-Karte ganz selbstverständlich abgelaufen ist, weil auf ihr eine große null zwei prangte, die so groß war, das ich die glatt übersehen hatte. Als ich mein Verwundern ausdrückte, erklärte sie mir, das die neuen EC-Karten schon im Oktober(!) mit der Post raus gegangen sind und bestellte mir umgehend eine Neue.
Die Post ist mit ihren Aktien wohl baden gegangen und nimmt ihr altes Handwerk der Wegelagerei wieder auf. Zuhause angekommen, versuchte ich alter Kauz mich dann erstmals mit für mich recht neuen Brennprogrammen und fiel natürlich auf die Nase. Keines der viel Programme, die mir Netdad auf den Rechner gepackt hatte, wollte mit CD-R mit 800 MB irgendwie was zu tun zu haben, wobei kurioser und verwirrenderweise die gleiche Meldung kam, wie bei 700 MB, der Speicherplatz sei zu gering.
Ich verwarf die Idee mit dem Brennen von Filmen, bis der Virtuose Netdad wieder mal Zeit hat und brennen mir nun aus lauter Frust und den vielen Musikvidios, die ich aus dem Internet gezerrt habe, mein eigenes MTV! Das nächste Mal bestelle ich nur noch übers Internet, was ich brauche. Berlin ist dann auch zum Einkaufen zu nervig geworden!