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Ein ganz normaler Tag mit Ben

Es war insofern ein normaler Tag, da ich schon beim aufwachen wie vor 2000 wusste, was für ganzen Tag anliegt und das er mit einem erstklassigen Konzert eines einmaligen Musikers dieser Zeit enden wird. Mit Ben Folds. Nur das ich Ben Folds vor 2001 noch gar nicht kannte. Diesen Ausnahmekünstler habe ich vor drei Jahren über das Internet und durch einen, damals sehr jungen Freund kennen gelernt. Dieser junge Mann heißt Daniel und beeindrucke durch ein großes musikalisches Wissen und vor allem dadurch, dass er selbst Klavier spielen konnte. Schon immer und gerade heute eine her seltene Gabe bei einem Menschen von 14. in einer Zeit ohne Idole hatte er eines, dessen Name ich bis dahin nicht einmal kannte, Ben Folds, ein recht amerikanischer Supermusiker, der die Eigenart hatte, nicht gerne auf Reisen und Tourneen außerhalb der USA zu gehen und um die rein amerikanische Musikszene habe ich mich nicht gekümmert, da ich der Meinung war, dass von dort ohnehin nur Blues und texanischer Folk kommen würde. Wie sehr ich damit im Irrtum war, bewies mir der junge Daniel 2001, indem er ein paar CDs und eine DVD von seinem Idol brannte und mir schickte.
2001 war die Zeit, in der gerade Castingshows und dort gecastete Witze Funk und Fernsehen versauten und da schlug das musikalische Multitalent Ben Folds bei mir natürlich ein, wie eine Bombe und so wurden der junge Mann, der mein Sohn sein könnte und ich, Dank gemeinsamer Musikinteressen trotz eines wahnsinnigen Altersunterschiedes von gut 30 Jahren dann Freunde und wir blieben via ICQ und Telefon in ständigem Kontakt und ich erfuhr so immer das Neuste über Ben Folds.
So erfuhr ich letztes Jahr auch, dass ein Berater von Ben Folds ihm offenbar erklärt haben muss, das es seinen Bekanntheitsgrad im Ausland und damit auch dem Plattenverkauf recht dienlich wäre, wenn er sich dort auch hin und wieder mal sehen lassen und Konzerte geben würde.
Nun ist sich Ben seiner Qualität als Musiker offenbar ziemlich bewusst und setzte für Deutschland ganze zwei Konzerte an. Eines in Berlin und das andere in Köln. Daniel entschied sich für Berlin und wäre Ben Folds nicht im November krank geworden, hätte es diesen Text damals schon gegeben. So wurde das Konzert auf Juni 2005 verlegt und Daniel wurde von seiner Familie nach Berlin begleitet.
Ich habe zwar ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht, was die Erziehungsberechtigten junger Freunde angeht, die ich aus dem Internet kenne, aber deswegen werfe ich doch meine anerzogene Gastfreundschaft nicht weg.
Die Leute, die da dann kamen, haben mich auch angenehm überrascht. Ein fröhlicher junger Mann kam mit seiner Familie, die wirklich intakt war und ihre Kinder liebte. Das habe ich das letzte Mal bei Felix erlebt. Für diese Eltern ist das Internet auch nur das informations- und Kommunikationsmittel ihrer Söhne und nicht mehr.
Der Vater ist Chefingenieur bei VW nimmt sich die Zeit und fährt seine Söhne mal eben 250 Kilometer nach Berlin zum Konzert.
Nach etwas Smalltalk über die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Chancen ihrer Söhne hatten sich die Eltern überzeugt, dass ich auch nur ein Mensch und keiner der Kannibalen aus dem Internet bin, ließen sie ihren Jüngsten bei mir und sahen sich Berlin noch etwas an, damit wir uns dann beim Konzert wieder treffen werden.
Daniel hatte mir die letzte CD von Folds geschenkt und so stimmten wir uns damit und meiner DVD von Ben auf den Abend ein.
Er hatte im November den Wunsch geäußert, bei seinem Besuch meinen alten Arbeitsplatz im Orchester des Friedrichstadtpalast zu sehen und so fuhren wir auch dahin, weil günstigerweise auch ein alter und guter Kollege Dienst hatte, war das kein Problem.
Ich staunte nicht schlecht, als ich am Bühneneingang noch immer mit einem herzlichen Hallo von Ballettmädels, Bühnen und Lichttechnikern begrüßt wurde, als wäre ich nicht schon fünf Jahre da weg.
Es war gerade Pause zwischen zwei Vorstelllungen und das Haus entsprechend leer, aber die Musiker, die noch da waren begrüßten mich umso herzlicher.
Da es in der Columbia Halle, in der Folds auftrat, nur Stehplätze gab und ich nicht vier Stunden auf einem Bein stehen konnte, machte Daniel meinen alten Rollstuhl wieder flott und wir kamen so sehr gute Plätze auf einer Art Tribüne, die für Fälle wie mich errichtet worden war.
Er war zwar unbequem geworden, aber ich saß beim Konzert und darauf kam es an. Das Konzert selbst fing mit einem Amerikaner an, der eine Stunde Folk Balladen intonierte und damit heftig an den Nerven des Publikums zerrte. Lediglich, als er nach der Hälfte seiner Zeit plötzlich und recht unerwartet verkündete „George Bush, i hate You soo mutch“ zeigte das Publikum etwas Begeisterung.
Dann gab es nach einer lästigen, aber wohl notwendigen Umbaupause plötzlich die Fanfarenklänge aus Bethoovens 9. Sinphonie und der Meister betrat die Bühne und stiefelte sofort zu seinem prächtigen Steinway Flügel und ich sah mal selbst, was die Faszination des Ben Folds ausmachte.
Er hatte sofort eine Bühnenpräsenz von 150 Prozent und das kannte ich nur von Mick Jagger, nur, dass der bald 30 Jahre älter ist, aber seit 40 Jahren eine ganz andere Musik macht.
Die Band von Folds ist auf zwei Mann geschrumpft, aber das machte keinen Unterschied, weil Folds alle Geräusche und Sounds die er brauchte, entweder selbst machte oder das Publikum ganz einfach einband. Er sang oder spielte drei Takte von dem was er brauchte an und teilte das Publikum ein zu einem Kanon, den er lässig mit der rechten Hand und nach Bedarf dirigierte.
Seine Finger perlten über die Klaviatur, dass es eine Lust war, ihm dabei zuzusehen und zu hören.
Von den ganz leisen Tönen, bis hin zu den ganz lauten und von der Ballade bis hin zum Rock, Folds holte alles raus, was in dem Instrument so drinsteckte.
Er ließ ganz nebenbei und locker auch einen Rachmaninow mit einfließen und das Publikum johlte dankbar. An einigen Stellen hockte er nur auf dem Flügel und dirigierte das fröhlich singende Publikum zu Bass und Schlagzeug. Nach vier langen Zugaben waren dann auch diese Stunden mit den schönsten rockigen und anderen Melodien zu Ende. Daniel und seine Familie verabschiedeten sich herzlich und wir haben Pläne für weitere Besuche und andere Konzerte.
Wie gesagt, es war ein ganz normaler Tag, so wie ich ihn früher öfter hatte, nur diesmal mit Ben Folds. Mein nächster Konzerttermin ist dann mit Julian bei den Stones auf ihrer Tournee 2006. Bis dahin dauert es noch etwas, aber ich schlief müde und mit der Gewissheit ein, dass es auch heute noch sehr gute Musiker gibt und nicht man nicht nur Idioten im Internet trifft.
Es braucht ja so wenig, um zufrieden zu sein. Ein paar nette Menschen um sich und gute Musik. Zum Glück habe ich das noch nicht verlernt.