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Einkaufsfreuden

Was waren das noch für Zeiten, als man einfach in ein privates Möbelgeschäft seiner Wahl ging, ein Möbelstück seines Gefallens aussuchte, einen angemessenen Preis zahlte und nach einer ebenso angemessenen Wartezeit, bei mir damals zwei Wochen, dieses Möbelstück, in meinem Fall ein großes Bett für mein erstes richtiges Schlafzimmer, von einem zufriedenem Händler mit seinem Gesellen oder Lehrling in sein Zimmer aufgestellt bekam. Das waren aber die finsteren und bösen Zeiten der DDR und heute ist alles besser, weil wir Westen sind von einer Marktwirtschaft verwöhnt werden und das sieht dann Folgendermaßen aus: Meine Mutter gedenkt mir eine Freude zu machen bestellt frohen Mutes bspw. bei Neckermann im Januar ein Bett. Schon Anfang März mehren sich die Anzeichen für einen ernst gemeinten Liefertermin. Nur fällt der dann mit einem Termin beim Zahnarzt zusammen, den man ja auch nur halbjährlich bekommt und man bittet um Verschiebung. Daraus ergeben sich die ersten Probleme, denn das Wirtschaftsunternehmen Neckermann ist ja nicht so bösartig, rückständig und zentralistisch geregelt, sondern, wie alles im Westen, sehr viel Besser. Wenn da halbwegs brauchbare Liegemöbel im Katalog sind, dann hat man so was nicht mehr in Lagern auf Halde, sondern so ein Bett kommt dann, man hat ja eine ausgereifte Logistik von flinken Kinderhänden in Indien handgeschnitzt und mundbemalt von der Vertriebsfirma, die in Rumänien zu sitzen scheint, denn anders wären die neun Stunden auferlegte Wartezeit nicht zu erklären, wenn die Möbel nicht mit einem Traktor ausgefahren wurden, oder die Abkürzung über Tibet genommen würden. Es wird auch am vereinbarten Tag geliefert, aber, ausgefeilter Computertechnik und noch bessere Logistik sei gepriesen, das absolut falsche Bett. Dramatische, mit beiderseitigen Verwünschungen unterlegte Telefonate waren die Folge, sowie ein neuer Termin, heute. Wieder zu meiner unbändigen Freude morgens um sieben. Für mich hieß das ja nichts weiter, als auf mein Gästesofa im Wohnzimmer umzuziehen. Dieses ist zur kurzfristigen Zwischenlagerung von jungen und vor allen Dingen gesunden Körpern recht gut geeignet, aber für meinen alten und ohnehin schon kranken Körper ist das Schlafen darauf genauso entzückend, wie ein Blind Date mit der Eisernen Jungfrau oder der Mittagsruhe auf einem Streckbett der römisch, katholischen Inquisition. Meiner Stimmung entsprechend nahm ich mir ein paar Horrorfilme ins Wohnzimmer mit und ließ mich dann darüber informieren, was 13 Geister so in einem Glashaus treiben und wie eine alte Frau sich 150 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod durch Verbrennung bei den Einwohnern eines verpennten Küstenstädtchens dafür bedankte. Als es dann tatsächlich klingelte, sah ich erst, wie sehr sich die Welt des Möbelbaus verändert haben musste. Denn wo mir 1984 noch ein Bett in meine zweite Wohnung gewuchtet wurde, bekam ich jetzt eine Art Bausatz hingeworfen. Aufbauen sei nicht ihre Sache erklärten beide(!) Fahrer und ich wunderte mich nur, dass deutsche LKW jetzt zwei Lenkräder haben sollen. Auf jeden Fall hatte ich noch immer kein Bett, aber dafür den Flur voller monströser Pakete und meine 66jährige Mutter kam sich für ihre über 600 Euro ziemlich verscheißert vor. Der für die Hilfe angeheuerte Nachbar war dann auch verschwunden und Mutter raffte dann 66 Jahre Erfahrung im Möbelbau zusammen und machte sich ans Werk mit meiner einen Hand als halbe Hilfe. All die Teile ausgepackt, sah mein Schlafzimmer erstmal nach Dresden 1945 aus und mir wurde klar das dieses Bett im Vollrausch oder nur in der Sesamstraße entworfen worden sein kann, so sinnlos, wie da Schrauben, Arretierungen und Holz verteilt war, aber nach 45minütigem Fluchen uns Suchens von Teilen passte alles wie ein Wunder zusammen und mein im Januar bestelltes Bett stand Anfang April schon fix und fertig da und ich war zufrieden. Soviel dann zu den Versandhäusern, denn mein privates Möbelgeschäft mit dem guten Service hat zwar 40 Jahre Planwirtschaft im Sozialismus überstanden, aber ging dann in der Marktwirtschaft ein. Es war offenbar zu gut dafür. Sollte der Kanzler das nächste Mal zu mehr Binnenkonsum anregen, dann sollte er vielleicht erwähnen, dass da die deutschen Uhren auch auf Selbermachen stehen. Dann geh ich mit ein paar Freunden, etwas Werkzeug und einer Kettensäge in den Wald und mach mir das dann gleich von Anfang an alleine zurecht!