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Fastenwochen im Land der NPD

Diesen seltsamen Werbeflyer, der sich im Original „Fastenwochen im Frühling“ nennt, fand ich bei meinen Physioterapheuten in der Praxis. Da geht es um ein Angebot für übergewichtige Menschen wie mich, die sich eine Hungerwoche in Sachsen mieten können. „Im Land der NPD“ scheint auch etwas hart und voreilig zu sein, aber irgendwoher müssen die Stimmen für die NPD ja auch kommen und aus Berlin kamen die definitiv nicht, obwohl auch der Wedding über ein stolzes, braunes Wählerpotential verfügt.
Hungern in Sachsen klingt irgendwie auch etwas zu exotisch, als das da was dran sein könnte. Zumal, als ich die Preise sah, wollte sich das mit dem Hunger partout nicht vereinbaren lassen. Zumindest weiß ich jetzt, warum es dem deutschen Inlandstourismus so dreckig geht.
510 Euro für eine Woche Einzelzimmer mit Hungern in der sächsischen Schweiz! Das sind stolze 1020 DM. Für das Geld bin ich 1993 volle 14 Tage mit Vollpension in Mexiko gewesen. Für 510 Euro würde ich in Ägypten Leute finden, die mich in einer Sänfte von der Quelle des Nils bis zu dessen Mündung ins Mittelmeer tragen würden, ganz ohne dass ich hungern muss.
Ich würde natürlich kein Gramm Speck, aber das Land wäre geil, die Menschen nett und es wäre warm.
Ich habe es schon 1992 an der Ostsee auf Rügen erlebt, die Gier meiner Landsleute nach harter Währung geht schon ins groteske.
Allerdings sind die Gegenleistungen dafür noch immer sehr dürftig. 1992 war sogar noch das WC nur über den Hof zu erreichen. Das dürfte sich mittlerweile zwar geändert haben, aber trotzdem ist mir der Osten Deutschlands als Urlaubsziel noch immer definitiv zu teuer.
Ich bin auch 1992 nur auf Drängen eines guten Kollegen mitgefahren und hätte das an der Ostsee verplemperte Geld ein Jahr später in Mexiko ganz gut gebrauchen können. Ostseeurlaub, vor Jahren noch eine Garantie für halbwegs gut und einigermaßen billig, wurde er nach Einführung der D-Mark ein Synonym für mäßig, aber dafür verdammt teuer. Das war eine Mitnahmementalität der ganz anderen Sorte. Nicht vom Staat, sondern vom Bürger nimmt man, was man bekommt.
Abgesehen davon ist ein Frühling mit Hunger in Sachsen noch immer sehr viel kälter, als ein Hungerwinter im Sudan. Nur viel weniger authentisch. Mal abgesehen davon, das der Sudan und seine Menschen sehr viel freundlicher sein werden, als die mir bekannten Sachsen, wäre dort der Erfolg des Fastens sehr viel größer und zudem ist das einzige Braune bei den Sudanesen ihre Haut und nicht ihre Gesinnung!