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Freunde

Da soll noch einmal einer kommen und sagen das Internet sei unpersönlich.
Über Silvester war einer meiner sehr jungen Freunde zum Feiern in Berlin und hat mich alten Sack besucht.
Kennen gelernt habe ich Julian vor drei Jahren in den Resten der einstmals großen Community GIGA, da war er 14 und ein ziemlich unsicherer Junge, der mit den Folgen der Pubertät zu kämpfen hatte. Freunde hatte er erstaunlicherweise damals wenige, Denn eigentlich war er recht sympathisch und klug. Er ähnelte etwas Felix, den ich aber kennen lernte, als der seine Pubertät mit 16 erstaunlicherweise schon ziemlich bewältigt hatte, als ich ihn 1999 in einem Chat kennen lernte.
Trotz eines exorbitanten Altersunterschieds von 25 und fast 30 Jahren war man sich sympathisch und ist es noch.
Während mich Felix an den klugen kleinen Bruder erinnerte, den ich nie hatte, ist Julian eher so etwas wie ein Sohn.
Da der Chat durch anhaltende Unfähigkeit der Betreiber ohnehin in die Knie ging, verlagerten wir unsere Gespräche schon recht früh in das relativ sichere ICQ und hatten dort stundenlange „Gespräche“ über alles und jedes.
Diese Gespräche vertieften die vorhandenen Sympathien und Gemeinsamkeiten dann zu einer Freundschaft, die über die Grenzen der virtuellen Welt hinausging.
Als es mich 2000 aus dem Leben riss, war Felix 2001 der Erste und Einzige, der mich nach meinen hässlichen acht Monaten Klinik bei Berlin ziemlich selbstlos besuchen kam und damit seinem Nicknamen auch ein Gesicht gab. Es kamen auch andere, aber nicht ohne Hintergedanken.
2001 lernte ich auf ähnliche Art auch Julian kennen und wir führten lange, für zwei völlig verschiedene Generationen auch außergewöhnlich inhaltsvolle Gespräche und auch da baute sich eine Freundschaft auf, die über die Generationenfrage und das Internet weit hinausging.
Er war knapp über 15, als er in Köln losstiefelte, nur um mich eigentlich Wildfremden in Berlin zu besuchen. Ich erwartete eigentlich, das am Bahnhof ein Junge aus dem Zug steigt, aber was kam, war ein junger Mann, der genau wusste, was er in Berlin wollte. Aber er hing nicht etwa in der Wohnung rum, sondern erkundete Berlin zu Fuß und mit Hilfe eines Wochenendtickets völlig autark diese Riesenstadt. Von dem Jungen aus dem Internet war nicht allzu viel übrig.
Anfang August letzten Jahres meldete er sich bei allen Bekannten aus dem Internet ab, um sein Leben in Ruhe auf die Reihe zu bekommen, auch bei mir.
Anfang Dezember plagte mich die Neugier und ich rief ihn an.
Was ich dann am Telefon zu hören bekam, versetzte mich nur in Erstaunen. Er hat nicht nur alleine alle seine Probleme gelöst und einen großen Freundeskreis, sondern er zog durch Deutschland und feierte. Das erinnerte mich nun wieder an meine Jugend und ich war begeistert.
Politisch waren wir nicht immer derselben Meinung, aber anders als die jungen Schwätzer aus dem Internet suchte er auch da die eigenen Erfahrungen und tat sich eine Weile die Junge Union an und war entsetzt von diesem rückständigen Haufen.
Wieder etwas, worüber wir reden konnten, was er Gleichaltrigen voraushatte, denn nun hatte auch er persönliche Erfahrungen mit einer Partei.
Er erwähnte am Telefon, das er Silvester mit 15 Leuten in Berlin feiern würde und fragte, ob er mich besuchen könne, was ich natürlich bejahte. Ein Mann, ein Wort und er war Silvester da.
Gefeiert hat er natürlich mit den gleichaltrigen Freunden, denn ich komme mit seiner Musik genauso wenig klar, wie meine Eltern mit meiner.
Aber er kam zweimal vorbei, um wieder ohne die Krücke ICQ mit mir zu reden und es wurde wieder ein sehr anregendes Gespräch zwischen erwachsenen Freunden. Felix hingegen hat einen Besuch im Frühjahr durchblicken lassen und auch darauf freue ich mich.
Ich habe das große Glück, im Internet auch junge Leute zu treffen, die mehr im Leben vorhaben, als im Internet durch reaktionäre Sprüche aufzufallen, Streit suchen oder sich um virtuelle „Titelchen“ zu prügeln. So gesehen, macht das Internet dann doch wieder Spaß!