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Freundschaft damals und heute

Wie war das noch zu meiner Zeit? Das Wort wurde nicht derartig inflationär benutzt, wie heute. Man sagte es eigentlich nie, sondern man war es und bewies es durch seine Taten. Ein Beispiel: Am 7.10.1977 ging ich mit 30 Leuten auf den Alexanderplatz in Berlin, um den "Tag der Republik" irgendwie hinter uns zu bringen. Es waren Konzerte von DDR-Rockmusikgrößen angekündigt und wir freuten uns leidlich. Dann kam aber anstatt einer angekündigten Band eine russische Folkloregruppe und der Abend schien gelaufen. Plötzlich wurde aus dem "Geburtstag der Republik" eine handfeste Demonstration gegen das DDR-Regime mit entsprechender Prügelei und Verhaftungen. Meine Freunde du ich entzogen uns durch Flucht nach Hause. Nur hatten wir nicht mit der Vielseitigkeit der Stasi gerechnet. 12 Tage später, am 19.10. holte man mich zuhause ab und schleppte mich in Ketten in die Keibelstrasse, dem damaligen Hauptquartier der Berliner Volkspolizei. Dort hielt man mir ein Infrarotbild vor die Nase, welches mich auf der Erde kniend, grad beim Absingen von Lennons "Give Peace a Chance" zeigte und fragte mich nach Auftraggeber und Kumpanen. Durch eine spontan einsetzende Demenz wollte mir partout keiner einfallen und ich wanderte als Einziger von 30 in die Untersuchungshaft. Nach einer Woche dann Termin beim Richter mit fast schon rührend dämlichen Anklagepunkten, wie "Widerstand gegen die Staatsgewalt, mich hat kein Bulle je angehalten, Zusammenrottung" und als Krönung "Rowdytum", ich hab keine Minute randaliert. Meine Demenz war anhaltend und ich immer noch allein auf dem Alex gewesen. Der Richter erklärte das für hochgradig kriminell und empfahl mir sechs Wochen Aufenthalt im Heilbad, sprich Knast. Den ich dann als einer von 30 Freunden auch auf einer Backe absaß. Nun weiter. 1983, Ich war Leiter eines Jugendclubs, trat die Staatsmacht wieder an mich heran. Seit 1981 war ich invalidisiert, weil die Strunzdämliche Deutsche Post der DDR mich einen Beruf hat lernen lassen, den ich nach ihren Richtlinien nie hätte ausüben dürfen. Ich war also Invalidenrentner und hatte, für andere eigentlich der Sechser im Lotto, ich hatte einen Reisepass, der mir den Besuch von Berlin –West gestattete und das ging als Leiter eines sozialistisch sein sollenden Jugendclubs ja nicht. Man trug mir also an, dem örtlichen Kegelverein, genannt "SED" beizutreteten, wenn mir an meinem Job was liegen würde. Mir lag was an meinem Job, aber ich legte keinen Wert auf ein gebrochenes politisches Rückgrat. Ich war also draußen. Dann trug sich was zu, was ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde. Meine gesamte Ordnungsgruppe warf den Parteivertretern ihren Clubausweis zerrissen vor die Füße und legten wegen mir Job und Ämter nieder. Ich hab das Beste daraus gemacht und fing 1984mit vielen Umwegen im Friedrichstadtpalast an und machte dort so was, wie Karriere. Da lernte ich auch einen jungen Artisten kennen, mit dem ich mich anfreundete und sogar 1999 sein Trauzeuge in Varazze, Italien war. Weiter dann noch meinen jetzigen besten RL-Freund, der damals der Schlagzeuger im Orchester war. 1995 wurde er dank dunkler Machenschaften des Orchestervorstands entlassen, aber ich hielt weiter zu ihm. Das hat er sich gemerkt und ist seit meinem Schlaganfall 2000 immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Er schleppt mich auch jetzt noch jede Woche mit einem Mietauto ins Kino, damit ich wenigstens einmal Wöchentlich aus meinem Bau komme, ohne einen Arzt, oder ähnlichen Termin Das ist Freundschaft zu meiner Zeit und eigentlich auch in meiner Generation (Frustrierte Flensburgerinnen bilden da die Ausnahme) und heute? Heute macht man Häkchen in eine virtuelle Friendlist und glaubt, damit ist es erledigt. Wenn man diese Freundschaft nur etwas pflegen will, bekommt man zu Antwort, wenn es denn überhaupt eine gibt, so Sachen, wie "keine Lust online zu sein" "Du wohnst einfach zu weit weg" und "Mein Telefon nervt, Ich hab's aus" zu lesen. Man kann mich alt, dumm und vertrottelt nennen, aber den Namen Freundschaft verdient so was nun echt nicht mehr!