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Frustration?

Als Darth Stoiber mit seinem Auswurf über die „frustrierten Ostdeutschen“ ziemlich gezielt deren Fettnapf ansteuerte, hat er sich ein wenig in der Himmelsrichtung vertan. Als Ostberliner sehe ich mich da auch gewertet und hätte sogar fast unpolitische Antworten auf Darth Stoibers Auswürfe. Als gelernte Bürger der DDR haben wir gelernt, das es ziemlich unsinnig ist, seine Zeit mit dem Frust auf eine unfähige Regierung zu verschwenden und wir haben gelernt, uns selbst zu helfen und wir wurden so auch gelernte Pragmatiker.
Was unsere Regierung an Problemen zu lösen nicht imstande war, das lösten wir dann selbst. Gab es keine Autos wegen zu langer Wartelisten, so wurden einfach neugeborene Kinder angemeldet und reiche Großeltern.
Waren keine Handwerker für Dieses und Jenes auf normale Art zu bekommen, bedienten wir uns entweder der Möglichkeiten des Schwarzmarktes oder erledigten die anstehenden Reparaturen am Ende einfach selbst. Als die Bürger der DDR dann Ende 1989 ihre Regierung zum Teufel jagte, witterte ein Kanzler Kohl Morgenluft und sah ein Potential von 17 Millionen Wählern im Osten und die angebliche Chance, eine „Deutsche Einheit“ zu den Preisen eines Schlussverkaufs zu bekommen und so versprach er sicherheitshalber allen gleich mal alles und lullte die demokratisch besoffenen ehemaligen Bürger der DDR auch mit abstrakten Versprechungen ein, wie sie in der Bundesrepublik 40 Jahre zum politischen Alltag gehörte, aber für die Bürger der untergegangen DDR war so etwas eben neu und sie nahmen solche Worte:

Zitat:
Helmut Kohl, 21.06.1990, bei der Debatte im Bundestag um den Staatsvertrag:


Nur der Staatsvertrag gibt die Chance, dass Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Sachsen bald wieder zu blühenden Landschaften werden können, in denen es sich für jeden zu leben und zu arbeiten lohnt..."


Da ein großer Teil der ehemaligen Bewohner der DDR vor dem Fall der Mauer nie eine Art Westfernsehen konnte, wussten sie nicht, dass auch die absurdesten Versprechen nur ein Bestandteil von demokratischen Wahlen war, sie glaubten diesen Rotz, wählten Kohl und machten ihn damit 1990, nachdem Kohl deswegen sogar noch im Kaukasus nackt zum armen und völlig überrumpelten Gorbatschow in die Sauna gestiegen war, zum „Einheitskanzler“.
Kohls CDU schluckte dabei noch eben die vermögende Ost-CDU und eine kleinere Partei, die sich „Demokratischer Aufbruch“ nannte und eigentlich mal aufgebrochen war, um die DDR zu verbessern. Nur war da 1990 mangels Substanz nicht mehr allzu viel zu machen und die Mitglieder suchten sich einträgliche Posten bei der CDU.
Kohl fand dabei einen seltsamen Gefallen an einer grauen, unscheinbaren Frau, die den Eindruck vermittelte, dass sie trotz eines Studiums nur den Eindruck einer Bürohilfe vom Chef der CDU-Ost, Lothar de Maizière gegeben hatte. Kohl hielt mehr von dieser Frau als davon, seine utopischen Versprechen einzulösen. Er regierte vor sich hin, die Arbeitslosen wurden immer mehr, sein Sozialminister Blüm säuselte in jede erreichbare Kamera, wie sicher die Renten doch sind und geglaubt hat das eigentlich keiner mehr. Die SPD in der Opposition machte einen Fehler nach dem anderen und wurde immer unglaubwürdiger. Nachdem 1990 der windige Oskar Lafontaine als Kanzlerkandidat angeboten wurde und natürlich verlor, kam man in der SPD auf den wahrhaft glänzenden Einfall, nach großem Gewese einen Rudolph Scharping, der über das Charisma eines Wassertropfens verfügte, als Kanzlerkandidaten gegen einen, noch souveränen Helmut Kohl aufzustellen. Scharping verlor natürlich haushoch und die SPD war erneut auf der Suche nach einem Retter. Diesen Eindruck vermittelte recht erfolgreich ein Gerhard Schröder, der seit 1990 mehr oder weniger erfolgreich der Ministerpräsident von Niedersachsen war. Schröder schien nicht nur die Erfahrung zu haben, sondern er hatte vor allem eines, er hatte den Willen, Kanzler zu werden. Er versprach zwar auch alles Mögliche, aber der Wille zur Macht beeindruckte wohl die Ostdeutschen und sie wählten ihn zum Kanzler. Daran, dass kein Wahlversprechen gehalten wurde, hatten sich die Wähler im Osten inzwischen auch gewöhnt und sie fanden Schröder einfach auch sympathischer als Kohl.
Das auch er politisch nichts besser konnte, daran gewöhnt man sich und es ist Stoiber, der frustriert ist, weil er im Osten die Sympathiewerte eines nässendem Ausschlags hat und hauptsächlich dort nicht gewählt wurde. und es ist auch hauptsächlich der Wähler im Westen, der frustriert darüber ist, dass er sich vor 16 Jahren die teure Einheit von Kohl aufschwatzen lassen hat, nur damit der in die „Geschichte“ eingehen konnte. 16 Jahre zahlen alle Deutschen nun in ein Fass ohne Boden und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Frust verteilt sich ganz sicher nicht nur bei den Wählern im Osten und alle etablierten Parteien werden durch die Links oder eine andere Partei in ganz Deutschland bei der Wahl ihr Fett wegbekommen, denn dazu war die Arbeit von Regierung und Opposition in den letzten 15 Jahren ganz einfach zu schlecht und zu schlampig! So ist der Frust auch eher eine gesamtdeutsche Erscheinung, die durch Wählerbeschimpfung aber ganz sicher nicht behoben wird!
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