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Hymne auf den Mief

Eigentlich gehe ich mit meiner Freundin Bine ganz gerne ins Kino, schon, um in ihrer Nähe zu sein. Sie kann wegen ihrer Allergie gegen Katzenhaare nicht zu mir und sie wohnt im fünften Stock und geht zudem noch heftig arbeiten. Also müssen wir gemeinsam was unternehmen, wenn sie die Zeit hat. Nur, seit wir vor Jahren in „Herr der Ringe“ waren, verfolgt uns irgendwie das Pech. Beim letzten Mal, als wir ins Kino wollten, gingen wir auf gut Glück und landeten natürlich auch sofort im, von Kunstpreisen überhäuften Autorenfilm „Doom –Der Film“, der ganz nebenbei noch ein übler Horrorfilm und ein böser Abklatsch von Resident Evil. Wir haben das zwar tapfer ertragen, in dem wir draußen im Foyer uns bei ein bis drei Zigaretten darüber unterhielten, welche tiefere Botschaft wohl in „Doom – Der Film“ stecken könnte und sahen den Film mit dem Wissen zu Ende, dass er tatsächlich keine hatte und waren zufrieden. Wir wollten das nun anders angehen und am Valentinstag hatte Bine „Walk the Line“ vorgeschlagen, da man ja mit einer Musikerbiographie eigentlich nicht viel falsch machen kann. Was waren wir naiv! Wir verabredeten uns nun für Freitag in unserem Cinemaxx Stammkino, um uns musikalisch etwas aufhellen zu lassen, über Johnny Cash. Das Schönste am ganzen Abend war allerdings unser Treffen, denn Bines Tochter Lina, eine kluge Augenweide von 19 kam diesmal mit. 25 Jahre jünger und ich hätte in ihre Richtung gesabbert.
Aber ich war nun einmal alt und mit den beiden Mädels im Kino und noch freuten wir uns auf den Film. Aber schon beim Platz nehmen im Kino selbst begann der Stress. Ich musste mit meinem lahmen Knochen ja für Notfall und WC-Besuch ja immer am Rand und in der Nähe des Ausgangs sitzen, aber es kam ein weibliches Wesen, dass etwas von Phobien erzählte und prompt war Bine von Mitgefühl überwältigt und zwang mich mit wilden Küssen und der Androhung von Liebesentzug auf einen der Inneren Plätze. Als Mann ist man gegen solche Waffen ja nun völlig wehrlos und ich fügte mich, damit Madame auch ja außen sitzen konnte. Der Film hatte noch nicht begonnen und ich war schon bedient. Nach gefühlten 300 Minuten Werbung begann dann endlich der Film, zu dem Prisma-Online in folgendem Plot jubelt:



Als Kind muss Johnny Cash den Unfalltod seines Bruders mit ansehen und sich fortan den Unbill des Vaters gefallen lassen. Dennoch verfolgt er allen Widrigkeiten zum Trotz seine Karriere als Sänger und Songwriter. Nachdem er jung geheiratet hat, muss er bald feststellen, dass eigentlich die Sängerin June Carter die Frau seines Lebens ist. Doch einer Beziehung mit ihr scheint zunächst zu viel im Wege zu stehen. So folgt dem künstlerischen Aufstieg bald ein Absturz in den Drogensumpf, der schnell erste Tribute verlangt...


Ich habe Walk the Line da aber etwas anders gesehen:
Der Film beginnt mit dem legendärem Auftritt von Johnny Cash 1968 im Gefängnis von Folsom. Dann begann es mit einer Rückblende in die Kindheit von Johnny Cash und der desinteressierte Zuschauer erfuhr, wie albern sich doch der große Bruder des kleinen Johnny mit einer Kreissäge umbrachte und man war gleich mal so richtig deprimiert. Vater Cash(der T1000 Robert Partrick aus Terminator 2 und die Aushilfe für Fox Mulder in AkteX ab Staffel 8) macht klein Johnny für den Tod seines Bruders verantwortlich, obwohl er nichts dafür kann und schon war der Vater/Sohn Konflikt erklärt, der sich über den ganzen Film erstreckt. Genau, wie seine unglückliche Liebe zu June Carter (Reese Witherspoon), die bis zum Ende vor sich hin zettelt. Die wirklich mangelhafte Handlung war nicht der einzige Makel, denn von Johnny Cash habe ich als einziges Neues erfahren, wie er angeln gelernt hat und woher der Vaterkomplex kam, von dem ich als Hörer seiner Songs eigentlich nie etwas mitbekommen habe. Der Rest nur eine Hymne an den Mief der 50er und 60 Jahre des miefigen Amerika, die ohne das Etikett Johnny Cash wohl keiner freiwillig angetan hätte, denn sie war einfach in zu zuckersüße Watte verpackt, als das sie noch verdaulich gewesen wäre. Wir hatten das Gefühl, eine Flasche Ahornsirup auf Ex getrunken zu haben. Entsprechend lausig ist dann auch meine persönliche Wertung von 4/10. Da hat mir (!) ja sogar 8 Mile, der Film des Rappers Eminem besser gefallen, denn der zeigte das wahre, das dreckige Amerika. Ich hätte mit Bine und Familie lieber in SAW 2 gehen sollen, denn das wäre wenigstens ehrlicher Horror gewesen. So aber bemerkte Bines Tochter beim Abspann, dass es gefühlte 7 Stunden waren und traf den Punkt. Ich werde meine nächsten Kinogänge mit Bine also noch genauer aussuchen müssen und einen Bogen um amerikanische Schmonzetten machen.


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