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Im Theater

Amphitheater

Freundschaften, wenn sie echt sind, haben bei mir die Gewohnheit, gleich mehrere Jahrzehnte lang zu halten und so kenne ich meinen besten Freund Olaf nun auch schon seit 1972 und noch aus der Schule, obwohl er zwei Jahre jünger ist als ich und ich ihn als kleinen Bruder eines Klassenkameraden kennen lernte. Wie immer es auch kam, nach Ende meiner und dann auch seiner Schulzeit hielten wir Kontakt und wir kümmerten uns um den jeweils anderen, wenn er Probleme hatte. Als er mich letzte Woche zuhause besuchte und erlebte, fasste er einen einsamen, aber knallharten und unwiderruflichen Beschluss. Ich müsse raus aus meiner Bude, aus meiner Matratzengruft, wie ich sie sehe. Ich müsse zu ihm, an sein Theater, dem Prater, einer Art Außenstelle Berliner Volksbühne, der wo er seit 10 Jahren die Technik unter sich hatte, da er fast den gleichen Weg ging wie ich, nur, dass er noch mehrere Jahre in der damals noch existierenden Sowjetunion an einer Trasse mitgebaut hat. Als er zurückkam, war die DDR in Deutschland aufgegangen und die einzigen festen Werte neben seiner Mutter waren ich und sein Sohn Sebastian und so zog er mit mir los. Wir haben damals, wie auch in den Achtzigern zuvor, eine Menge zusammen erlebt und angestellt und sowas bindet. Also zurück in die Gegenwart. Ich bin ja an und für sich nicht so der Theatergänger und auch sonst eher ein Kulturbanause, denn ich hab zulange in der Kultur gearbeitet, aber wenn Olaf das für richtig bei mir hält, trotte ich gehorsam los. Den Prater kannte ich persönlich eigentlich nur als eine Freiluftgaststätte, wo ich vor 25, 30 Jahren selbst das eine oder andere billige Glas Bier geschöpft hatte und so war der Prater als Theater für mich schon allein eine Premiere. Dann wurde es aber richtig neu, denn ich fand mich zwischen lauter jungen und begeisterten Theaterfans plötzlich an den Wurzeln des modernen Theaters wieder, denn wie in einem griechischen Amphitheater, gab es keine wirkliche räumliche Trennung zwischen Schauspielern und Publikum.
Das Stück nannte sich „Pablo in der Plusfiliale“ und war, keiner würde darauf kommen, sozialkritisches, modernes Theater. Die Sozialkritik konnte man daran erkennen, dass nicht ganz nachvollziehbar aber dafür oft deutsche Verkaufsketten, wie Lidl, Aldi und eben auch Plus in einen recht wirren Text eingebaut waren und das es sich um Modernes Theater handelte daran, dass das Kraftwort Scheiße in jeden zweiten Satz dreimal eingebaut war oder eben so gerne von den hauptsächlich weiblichen Schauspielern benutzt wurde, die rein äußerlich eher an Courtney Love erinnerten, nur dass sie sehr viel jünger waren. Nach ziemlich genau 40 Minuten wusste ich dann endgültig, dass ich es mit modernem Theater zu tun haben musste, denn auf einmal stürmten die Schauspieler aus der Kulisse und boten allen Ernstes frische Brötchen und alte Toaster dem verdutzten und begeisterten Publikum zum Verkauf an. Das war dann moderne Kunst satt! Als ich dann kurz mal auf die Toilette und auf eine Zigarette über die Hinterbühne ging, erfuhr ich von Olaf, dass die Frequenz der Nutzung von Kraftworten in diesem Stück noch ziemlich harmlos ist und er das Stück im Übrigen auch nicht verstände. Derart beruhigt gab ich mir dann die letzte halbe Stunde davon und machte mich dann zufrieden und abgelenkt auf den Weg nach Hause. Immerhin war ich nun auch wieder um eine Erfahrung reicher, die so außer mir kaum einer machen kann. Ich hatte modernes Theater überlebt. Wer nun Pablo ist und wo der genau war, weiß ich zwar noch immer nicht, aber mache Dinge sind auch entbehrlich und es muss ja auch nicht alles einen Sinn machen!

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