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In der Stadt

Er wanderte durch die Straßen der großen Stadt und bestaunte die vielen Plakate. Es war Wahlkampf. Der Doktor hatte ihm das Lesen beigebracht und ihm davon berichtet und ihm sogar die Bedeutung einiger Fremdwörter erklärt.
Nur gab es davon aber mehr, als er dachte, dass es geben könnte und auf viel zu vielen Plakaten. Der Doktor hatte ihm beigebracht, was die Worte Integration und Toleranz bedeuten sollen, aber richtig begriffen hatte er das nicht, denn er war zwar alt, aber dennoch zu jung. Das die meist drei markanten Buchstaben auf jedem Plakat zu denen gehörten, die diese aufgehängt haben, wusste er auch vom Doktor. Auch dass alle diese Leute auf den Plakaten ein und das Selbe wollten, nämlich an irgendeine, ihm unverständliche Macht kommen, hat der Doktor ihm erzählt. Daher stand auch auf allen Plakaten fast Dasselbe.
Alles die gleichen Worte. Überall stand Arbeit und stand Zukunft und kleiner geschrieben, auch Toleranz und Integration. Worte, deren Bedeutung er zwar vom Schreiben her kannte, aber deren Inhalt ihm nicht ganz klar war. Eigentlich sollte er wurde er immer wütend, wenn er etwas nicht verstand, aber der kluge Doktor hatte irgendwie dafür gesorgt, das sowas bei ihm nicht mehr passierte, denn das soll schon mal recht böse geendet haben, wie der Doktor ihm erzählt hat. Er blieb also friedlich und kratzte sich nur seine großen Narben, die er an beiden Handgelenken hatte. Woher die kamen, wollte ihm auch der Doktor nicht sagen, aber das war ihm jetzt auch egal.
Er kam in eine Gegend voller recht neuer Häuser, die aber schon grau und sehr alt aussahen. Auch die Plakate hatten andere Farben. Da wo er woanders sehr viel Grün und noch mehr Rot gesehen hatte, denn auch die Farben brachte ihm der Doktor bei, sah er hier bei den schmutzigen neuen Häusern eigentlich nur noch Schwarz und auf einmal auch Braun. Er kratzte die Narben an den Händen, ging weiter und vernahm einen leisen Schrei. Er sah eine große Fläche mit schmutzigem Sand und einem Gerüst aus Metall. Dort saß ein kleines Wesen und jammerte kläglich und das rührte sein Herz. Er ging also hin und wollte helfen. Das Wesen war von der gleichen Bauart, wie der Doktor, nur sehr viel kleiner und irgendwie ganz anders gebaut als er und der Doktor.
Es war weiblich, er hatte davon gehört, aber bis jetzt nur Bilder auf Papier gesehen. Das kleine weibliche Menschlein schaute ihn dankbar lächelnd an und zeigte ihm sofort den Grund seiner Trauer, es hatte sich am Metallgerüst verletzt und aus einer Öffnung ihrer Haut kam etwas flüssiges Rotes, das er nur von den Erzählungen des Doktors kannte und aus seinem eigenem Körper mit den vielen Narben, es floss Blut. Der Doktor hatte ihm zwei Sachen eingetrichtert.
Das Eine war, das er von allen Menschen wegbleiben sollte und das Zweite, wie er blutende Wunden zu behandeln hatte. Was sollte er nun machen, denn zum Weglaufen war es zu spät und das kleine Menschending schaute ihn mit Augen an, die um Hilfe bettelten und es hatte auch keinerlei Angst vor seiner Größe, oder seinen vielen Narben. Also tat er, was ihm eine innere Stimme befahl, er nahm seinen Schal und verband die Wunden des kleinen Wesens, das ihn dafür dankbar anlächelte. Da vernahm er ein Geräusch, wie er es vorher noch nie gehört hatte. Neben einem der schmutzigen Häuser, hinter einem Plakat mit einem weißhaarigen Menschen und drei schwarzen Buchstaben und einer Aufschrift, die von Toleranz erzählte kamen plötzlich die, die er eigentlich meiden sollte, da kamen Menschen mit großen Hölzern in den Händen, die er nur einmal in des Doktors Wundergerät mit den vielen kleinen Menschen gesehen hatte. Die Menschen hier hatten noch weniger Haare als er auf dem Kopf und bewegten sich still auf ihn zu, als er noch das kleine Menschending versorgte und gebückt über sie stand. Die Menschen kamen schweigsam näher und als sie vor ihm standen, begriff er nichts mehr, denn die Skinheads droschen drauflos und gaben erst Ruhe, bis auch das zweite Geschöpf des Doktor Frankenstein durch einen wütenden Pöbel sein Leben aushauchte. Sein Blut spritze gegen den Fuß eines Ständers für ein Plakat, auf dem was von Respekt und Integration zu lesen war, aber das waren ja nur Worte.