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Irish Tour 74 und Perihelion

So der Name der Tickets meiner heutigen musikalischen Zeitreise zurück in die Siebziger. Mein erster Begleiter war diesmal der legendäre Rock und Bluesgitarrist Rory Gallagher.
Diese Irish Tour bekam ich das erste Mal 1976 zu sehen und zu hören, als die ARD noch mutig war und nicht ausschließlich für Seniorenstifte ihr Programm machte. Damals gab es jeden Sommer die Einrichtung der Rockpalastnächte und in einer solchen war auch Rory Gallagher mit seiner Irish Tour zu sehen. Es war damals eine Zeit des persönlichen Umbruchs, meine Hormone randalierten und ich steckte in einer fetten Pubertät. Da sollten sich bei mir auch meine musikalischen Wertigkeiten festlegen. Sie taten es und eine davon war Rory Gallagher.
Der sympathische Ire mit der abgewetzten Stratocaster und in Karohemd und Jeans war kein glamouröser Selbstdarsteller mit einer Riesenbühnenshow, sondern ein ehrlicher und sehr fleißiger Arbeiter an der Gitarre, der mit seiner Musik zu begeistern wusste. Mich hat er begeistert und für Reini, den Gitarristen meiner späteren Band war er ein anzustrebendes Vorbild. Da die ostberliner Führung es versäumt hatte, auch solche anständigen Platten in den Handel zu bringen, war der RIAS damals großzügig und widmete Rory Gallagher eine Rocknacht in ihrer „Rock over RIAS” Reihe, und ich hatte so die Irish Tour wenigstens auf Tonband, das ich Reini dann zum üben geben konnte. Gallagher singt mit rauchiger Stimme über Fernweh, Heimweh, über Frauen und über den Alkohol, der ihn 1995 dann auch das Leben kostete. Dazu spielt er weniger auf, als vielmehr mit seiner Fender und war damit ein Stück meiner eigenen Musikgeschichte. Unvergesslich seine Übungsjams zum Warmwerden, wo er mit seinem Keyboarder den türkischen Marsch intonierte. Er hatte keine Superhits oder Ohrwürmer, wie Black Sabbath oder Deep Purple, die zweiten Begleiter durch die schlaflose Nacht, aber er setzte Maßstäbe bei mir.
Ich habe ihn dann auch 1982 mit einem vorher nach Westberlin ausgereisten Bekannten im Westberliner Metropol erlebt und wir waren restlos begeistert. Perihelion, war der Name des zweiten nächtlichen Begleiters, von Deep Purple, eine der zahlreichen Wiedervereinigungskonzerte dieser epochalen Band. Diesmal aus dem Jahr 2002. das Erste, was ins Auge fällt ist die Tatsache, dass auch diese Helden meiner Jugend schwer in die Jahre gekommen sind und auch den einen oder anderen Bauchansatz mit sich herumtragen. Da kann mir meiner also egal sein, wenn alle einen bekommen. Als Zweites fällt auf, das es keine echte Wiedervereinigung ist, denn statt Ritchie Blackmore rührt da Steve Morse jetzt eifrig die Hardrockgitarre. Blackmores Jähzorn und seine Prügeleien mit dem Keyboarder Jon Lord haben da wohl zu große Narben hinterlassen, aber Morse ist alles andere, als nur ein Ersatz und mit der Stimme von Ian Gillan in den alten Dauerbrennern, die mit „Woman From Tokio” beginnen und bei „Highwaystar” aufhören wird das Fehlen von Blackmore mehr als nur wettgemacht.
Ich hätte trotzdem gerne die Made in Japan von 1972 als DVD gehabt, aber irgendein Esel hatte damals vergessen, das Konzert in Japan auch zu Filmen, denn auch intensivste Wühlerei bei Ebay brachte dahingehend nichts zu Tage! Ich werde also mit der Perihelion leben müssen und auch damit, das Steve Morse aus den so gängigen acht Riffs von „Smoke On The Water” ein gitarrentechnisches Kunstwerk gemacht hat. Für mich bestätigt diese Nacht mal wieder, was mir eigentlich auch vorher völlig klar war.


Es gab, gibt und wird auch immer gute Musiker geben, ohne dass ein Fernsehsender mit viel nervigem Brimborium danach sucht!