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Jede Nacht

Jede Nacht sehe ich meinen jungen Freund Markus im ICQ, der gelangweilt und wach im Internet wühlt, weil ihn der Tag mangels Beschäftigung nicht müde genug gemacht hat, um schlafen zu können. Markus gehört zu den 5 Millionen in Deutschland, die trotz allen Anstrengungen keine vernünftige Arbeit finden. Er ist ein Beweis dafür, dass in den letzten 20 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland etwas grundsätzlich falsch gelaufen ist. Ich bin wach, weil ich krank bin und meine Arbeit zwar da ist, aber im Moment noch auf sich warten lässt. Nur auf Markus und Millionen andere Deutsche wartet nichts außer ungepflegter Langeweile. Das dann unterschiedslos, ob sie nun schon einen Beruf erlernt haben, oder erst noch eine Lehrstelle, die es genauso wenig gibt, suchen. Mir geht es dabei also noch gut und nichtnur, weil auf mich eine Menge Arbeit wartet, sondern weil ich genügend vernünftige Möglichkeiten habe, meine Zeit totzuschlagen. Jetzt sehe ich nebenbei noch Dogma, eine klug gemachte Komödie über die Existenz Gottes und kiffende Engel haben doch was sehr Unterhaltendes. Zumal, wenn sie von Ben Affleck und Matt Damon heißen. Zurück zu den Menschen ohne Arbeit, da ich Markus um halb Vier noch online sehe, kreisen meine Gedanken wieder um die recht irdischen Probleme dieses Deutschlands. Diese gibt es nun schon länger. Eigentlich seit der Zeit, als Kanzler Kohl beschloss, seinen Wählern mal eben Handstreichartig 16 Bürger Millionen aus der DDR hinzuzufügen. Diese Rechnung ging damals zwar nicht ganz auf, aber es reichte, um mit einersatten Mehrheit 1990 weiter zu regieren. Nun waren diese 16 Millionen Umworbenen aber damals so frech, auf der Einlösung der Kohlschen Wahlversprechungen zu bestehen. Das allerdings hatte Kanzler Kohl damals nicht eingeplant. Die Stimmen hatte er und er war wieder an der Macht. Sein Plan war eigentlich erfüllt und die versprochenen „Blühenden Landschaften“ im Ostteil Deutschlands ließen auf sich warten oder blühten erstmal nur im westlichen Wohlstandsmüll von bunten Verpackungen aller Art. Sowas kannten DDR Bürger ja nicht, denn deren Verpackungen wurde ja 40 Jahre durch ein schmuckes Grau oder ein alternatives Braun verziert. In der DDR, die nun verschämt „Beitrittsgebiet“ genannt wurde, gab es etwas, was man so in der Bundesrepublik nicht kannte, die Kombinate. Hunderttausende Ostdeutscher Arbeiter verdienten dort ihr Lohn und Brot. Darin genau lag aber der Haken. Diese Arbeiter mussten plötzlich ihre Miete und ihr Brot mit D-Mark bezahlen und diese hatten die Kombinate natürlich nicht. es waren ja mal DDR Kombinate und in der DDR war die D-Mark Valuta. So wurde damals das böse aber begehrte Geld der finsteren ausländischen Mächte genannt. Kurz, die Kombinate waren einfach nicht bezahlbar. Es musste jemand ran, der sich um sowas kümmert. Kohl installierte also eine Gesellschaft, die sich darum kümmerte und machte zu deren Chef den der CDU nahe stehendem Detlev Karsten Rohwedder. Dieser hatte den Wunsch des Kanzlers verstanden und wickelte diese Kombinate ab, wie man das Plattmachen oder Verhökern von Fabriken damals nannte. So wurden bis zu 20% von dem, was mal die arbeitende Bevölkerung der DDR war erstmal arbeitslos. Rohwedder wurde dann am 1. April 1991 ausgerechnet von der westdeutschen RAF als „Stadthalter Bonns“ erschossen. Bonn war ja damals noch Regierungssitz der Bundesrepublik und die RAF hatte mit Rohwedder wohl noch Rechnungen offen. Echte Trauer ist jedenfalls bei den durch Rohwedders Abwicklungsgebaren betroffenen Arbeitslosen Ostdeutschen nicht aufgekommen. Dies ist nun alles Geschichte, aber sie erklärt, wo und wie der Grundstein der heutigen Arbeitslosigkeit im Osten Deutschlands gelegt wurde. Markus ist der Liebe wegen in diesen dunklen Osten gezogen. Davon kann jeder halten, was er will, es ist das Gottverfluchte Recht von Markus das zu tun. Ein solcher Schritt beweist eigentlich nur die Tiefe der vorhandenen Gefühle und wie erwachsen dieser junge Mann schon ist. Nur meine Geschichtsstunde wird Markus als Arbeitslosem genauso wenig helfen, wie der dauernde Verweis von Kanzler Schröder auf seine geheimnisvolle Agenda 2010. mal ganz abgesehen davon, das Schröder im Jahre 2010 alles andere, als Kanzler sein wird, wurde er zur Bewältigung der Probleme jetzt gewählt und nicht irgendwann in der Zukunft! Die Politiker, die damals an der Seite Kanzler Kohls allen Alles versprachen, haben sich bis 1998 die Taschen voll gestopft und genießen jetzt einen unverdiendenten und luxuriösen Ruhestand. Man nehme nur den damaligen Arbeits und Sozialminister Norbert, “die Renten sind sicher“, Blüm. Die einzige sichere Rente war dann seine eigene und weil die wohl zu knapp ausfällt, ist er auf RTL 2 genauso oft zusehen, wie in der ARD die Lindenstraße, einmal wöchentlich. Wie es auch sei, Fakt ist, das Deutschland keine Agenda für das Jahr 2010 benötigt, sondern endlich brauchbare Pläne für sofort. Ich möchte, dass Markus nachts wieder schlafen muß, weil er am Tag hart zu arbeiten hat und ich will, dass die noch jüngeren Schulabgänger wieder auf Ausbildungsplätze stoßen, wenn sie die Schule verlassen! Herr Bundeskanzler, tun Sie was, Ihre Agenda für die Zeit in sieben Jahren kommt beim Volk nicht an!