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Jubiläum

Gestern vor fünf Jahren, am 10. April 2000 endete mein Leben. Zumindest das Leben, was ich kannte und schätzte. Es war ein Montag und somit ein freier Tag am Theater. Soweit ich mich erinnern kann, saß ich am Computer und habe in den Dateien von meinem Orchester gefingert. Ich hatte also Arbeit mit nach hause genommen, so blöd war ich mal. Ich hatte den Sonntag davor auch mal wieder die Vorstellung alleine gefahren, das heißt, 32 Musiker zusammen gesammelt und auf die Bühne gejagt. Dazu noch etwas Stress mit ein paar geistigen Nullnummern im Internet, die selbst so Sachen wie Kunst und Englisch studiert hatten und mit solcherlei spezifischen Fachwissen gerüstet, dazu befähigt glaubten, eine Community im Internet und deren Software zu beherrschen und für Tipps und Ratschläge hinsichtlich der Organisation absolut unempfänglich waren.
Als ich da nun so gestresst und tapfer mit Excel die Daten meiner Musiker bearbeitete, wurde mir schwarz vor Augen und ich klappte zusammen. Vorher hatte ich wohl noch einen lichten Moment und habe auf meiner Freisprechanlage die Nummer meiner Mutter angewählt, die zwei Häuser weiter wohnte. Das sollte mir mein Überleben sichern, aber eben auch nur das. als ich nach langem Koma wieder aufwachte, war alles anders und ich war nicht mehr in der Lage, die linke Seite meines Körpers zu bewegen. Mein linker Arm war nicht nur ausgekugelt, sondern auch völlig lahm, was mir tolle Perspektiven in Hinsicht auf kommende Bewegungsabläufe eröffnete, die ausschließlich auf der rechten Seite beruhen dürften. Nur mit dem Gitarre spielen war es ein für allemal vorbei und das hat mich wohl am Heftigsten getroffen.
Ich, der trotz ererbter Krankheit das Leben ganz gut im Griff hatte, seit ich 18 war und alleine wohnte, war auf einmal von ihr besiegt und nun endgültig ein Krüppel. Es war deprimierend, aber 2000 glaubte ich noch daran, meine Arbeit zu haben. Immerhin haben mich Musiker und Kollegen vom der Bühne besucht und einmal sogar mein direkter Chef. Nur waren seine Worte im Endeffekt genauso bedeutungslos, wie das Klagen der Musiker, die am Telefon über die jämmerliche Arbeit meiner Vertretungen klagten. Aber das sollte erst Ende 2000 zum Thema werden.
Erst einmal hatte ich ein paar abgefahrene Monate im Rollstuhl vor mir, in denen ich mit ein paar jungen Herren um die Wette fuhr, die ihre Autos um diverse Bäume gewickelt hatten. Einer von ihnen besucht mich noch immer. So verging die Zeit bis August, wo ich 40 wurde. Zum Geburtstag durfte ich nach hause und konnte trotz der nervigen Übungen in der Reha gerade so mit einiger Mühe stehen.
Ich selbst hatte natürlich kaum noch Geld und meine Mutter schenkte mir einen neuen Computer, damit ich etwas zur Kommunikation hatte. Das war dann der Weg in das Reich der Erkenntnis, ins Internet. Es folgten noch drei lange Monate in der Klinik und nach der Entlassung dort sechs Wochen an meinem alten Arbeitsplatz, wo ich für das Butterbrot meines Krankengelds arbeiten durfte. Die Musiker hat es gefreut und ich war zufrieden. Nur an meinen Kollegen im Orchesterbüro nagte es etwas, dass ich die Büroarbeit mit einer Hand etwas besser machte, als sie mit zwei, oder sogar vier Händen. Da die Musiker eben nur Musiker waren, bedeutete das dann auch meinen direkten Weg in die Arbeitsunfähigkeitsrente und damit ins Internet.
Nur meine alte Mutter hielt mich aufrecht und am Leben. Sie boxte mir dann auch eine so anständige Rente durch, dass ich mir davon sogar mein teures Hobby, die DVDs, leisten konnte und kann. Ansonsten verbringe ich meine viele Zeit damit, mehr oder weniger interessante Texte zu schreiben, die ich auf eine HP stelle, die mir mein junger Freund Felix 2001 gebastelt hat und mein noch jüngerer Freund Freddy seit 2002 wartet. Frische Luft, sauberes Wasser und Vitamine waren und sind meine Feinde, aber ansonsten kannte ich so etwas nicht. Das hat sich im Internet grundlegend geändert.
Seit ich die absolute Sinnlosigkeit der virtuellen „Titel“ im Internet mal angeprangerte, habe ich die Inhaber dieser „Titel“ am Hals, die sich aufführen, als hätte ich ihre Luftgitarren zerbrochen. Ich weiß nicht, in wieweit ein solcher Titel „Schwanzverlängernd“ wirken soll, aber bei der alten Frau, die mich 2001 einmal besucht hatte, konnte ich registrieren, dass er auch auf keinen Fall „Brustvergrößernd“ wirkt. Eher im Gegenteil, er wirkte Faltenvertiefend und macht überheblich. Ich bin ganz froh, sie aus meinem Leben entfernt zu wissen. Ein anderer, jüngerer Mensch mit dem Hirn in der Achselhöhle nimmt es mir übel, dass ich mich nicht an sein Gesicht erinnern kann und ich eigentlich auch nicht möchte. Nun verplempert er seine Zeit damit, bei mir auf der HP nach Sätzen zu suchen, die seine geliebte Community, die eigentlich schon längst den Weg alles Irdischen gegangen ist, in seinen Augen beleidigen könnten, reißt alles Gefundene aus jedem Zusammenhang, damit er es auf seiner lustigen HP einzeln kommentieren kann und nennt das dann auch noch einen „Blog“, den er keine Mühe hat, mit der bildblog.de zu vergleichen.
Mir bereitet das schon etwas mehr Mühe, denn mich und meine Texte mit der Bild zu vergleichen, dass erfordert schon soviel Phantasie, dass er damit auch eigene Texte schreiben könnte. Er hat zwar eine eigene Seite mit Texten, die er mutig Kolumnen nennt, aber da er mir und meiner Telefongesellschaft Arcor den Zugang dazu verwehrt, kann ich mal davon ausgehen, dass er diese „seine“ Kolumnen im Internet zusammengesucht, auf seine HP kopiert und als eigene ausgegeben hat.
Ich hab das schon einmal erlebt, bei einem gewissen Bingo, der mich dann auch noch auslachte, weil ich so blöd bin und meine Texte selbst verfasse.
Er muss ja eine Heidenangst vor mir haben. Nun gut, dass ist auch sein Ding, was er da allein vor sich und seinen Lesern vertreten muss. Nur mich erstaunt das Alter in dem er seine Zeit mit so etwas verplempert. In dem Alter war ich mit einer Band unterwegs und habe die Freuden der weiblichen Sinnlichkeit erkundet.
Zu deutsch, ich hab mich durch die Gegend gebumst. Ich hätte nie gedacht, dass Sex mal aus der Mode kommt und junge Männer stattdessen lieber in einem Internet fremde Seiten kommentieren. Leben ohne Arbeit ist kein echtes Leben und ich weiß nicht, wie viel Jubiläen ohne Arbeit ich noch feiern werde, aber wenn es nichts Bezahltes gibt, werde ich mir eben wieder ein Ehrenamt besorgen, denn das hat ja schon einmal funktioniert, als ich mich mies fühlte. Irgendwann werde ich wieder so weit reisen, dass es kracht. Mir schwebt da Tibet und dessen Berge vor. „Ein Krüppel im Himalaja“ hört sich gut an, wie ich meine. Ich lass da die Zeit arbeiten. Ich hab ja auch junge Freunde, wie Felix, Julian, Markus, Sven, Robin und Michi im Internet gefunden und das ich von denen nicht jeden täglich sehen kann, liegt einfach in der Natur der Entfernung zu ihnen und an meinen lahmen Haxen.