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Klein Asien

Das Volk der Asiaten ist nicht ganz ohne Grund in der ganzen Welt als sehr geschäftstüchtig bekannt. Überall, wo sich dieses freundliche Volk in Enklaven außerhalb von Asien ansiedelt, erkennt es einen Bedarf und beginnt sofort damit, ihn zu decken. Haben die Auslandschinesen in den USA Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts den Bedarf an Opium und anderen Rauschgiften erst ent und dann gedeckt, so haben die Vietnamesen in Berlin, die noch von der DDR als billige Arbeitskräfte ins Land geholt und nach der Wende als Erste arbeitslos wurden, fackelten nicht lange und fanden einen neuen Bedarf, den es zu befriedigen galt.
Da gab es gierige Finanzminister, die mit den Steuergroschen der Raucher die Lücken im Haushalt füllen wollten, welche die überhastete Einheit und deren Bezahlung dort hinterlassen hatten. da taten sich die Vietnamesen mit den ebenfalls geschäftstüchtigen Polen zusammen und bot auf der Straße billige Alternativen zu dem durch Steuern völlig überteuertem deutschen Kraut, das nach der unsinnigen Währungsreform zum Euro dann nur noch teurer wurde.
Nun können aber auch diese Asiaten mehr, als nur billige Zigaretten auf der Straße verhökern. In einem alten Plattenbau im Osten Berlins haben sie eine alte Lagerhalle zu einem asiatischen Markt umgebaut, wo man alle nützlichen und unnützen Waren des täglichen Bedarfs oder einfach auch nur asiatischen Trödel zum billigen Großhandelspreis erwerben kann. Zu den nützlichen Dingen zählt auch Kleidung, die dort so billig ist, wie nirgends sonst.
Sogar ich modische Null brauche ja hin und wieder mal eine Hose zum überziehen, dazu T-Shirts und eventuell sogar Socken und auch Schuhe. Eine bequeme neue Haushose für 6 und ein paar fast, beinahe, echte, neue Jeans für 15 Euro sonst eigentlich nirgends in Berlin. Nun ist Klein Asien in Berlin natürlich nicht mit Chinatown in Los Angeles oder New York oder gar mit Hongkong oder Singapur zu vergleichen, wo ich 1997 gewesen bin.
Es ist von außen eigentlich nur ein recht dreckiger Plattenbau aus den Zeiten der DDR, aber wenn man das Haus erst einmal betreten hat, duftet es nach wohlriechenden Gewürzen, wie in Asien oder den Chinatowns in den USA selbst.
Die Gewürze waren auch der zweite Grund, dort mal wieder einzukaufen, denn es sind durch die Bank die Originalen aus Asien, die jedes Essen zu einem Flächenbrand in der Mundhöhle machen können. Also genau das Zeug, was ich zum Leben brauche.
Mich wundert es nicht, dass asiatische Gewürze im Mittelalter so heiß begehrte Handelsgüter in Europa waren.
Im Markt selbst begegnete ich wieder dem völligen Gegenteil der Servicewüste Deutschland, denn es wird sich um die zahlenden Kunden sehr freundlich bemüht und er ist dort tatsächlich so etwas wie ein König. Ich kam mir vor, wie 1997 wie in Hongkong oder Singapur. Nur, das ich diesmal nicht über den Markt rennen, sondern nur schlurfen konnte. Umso mehr waren die Händler um mich und die Erfüllung meiner Wünsche bemüht.
Es scheint wohl eine ausschließlich deutsche Eigenart von deutschen Händlern zu sein, einen zahlenden Kunden wie einen störenden Aggressor zu behandeln.
Nach einer knappen Stunde war alles erledigt, ich hatte viel gekauft und trotzdem eine Menge Geld gespart und ganz nebenbei war es ein Trip in die Vergangenheit, wo ich auf meinen Reisen noch selbst in Asien einkaufen konnte.
So bin ich jetzt froh, dass es asiatische Enklaven überall auf der Welt gibt, wo man wenigstens etwas von der freundlichen, asiatischen Lebensart nachvollziehen kann.
Ich werde dieses freundliche Volk im Berliner Klein Asien öfter besuchen müssen.