About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Klischeepflege vor Assuan

Die Götter haben vor den Erfolg den Schweiß gesetzt und die Reiseleitung vor dem langen Tag in Assuan noch eine Pflegestunde für europäische Klischees, was die südlichsten Ägypter, die nubischen Schwarzafrikaner, angehen. In einer sogenannten „Nubischen Stunde“ durften oder mussten diese dunkelhäutigen Ägypter für den gemeinen Mitteleuropäer mal so richtig die afrikanische Sau rauslassen. Oder zumindest das, was der Europäer in Film und Fernsehen schon mal gesehen hat und für urafrikanisch hält. Also, viel wildes Getrommel, bedrohliches Tanzen halbnackter schwarzer Männer mit Baströckchen und viel urigem Geschrei. Ähnliche Folklore habe ich auch schon in Marokko erlebt, wo eine recht dralle junge Dame ihre ziemlich umfangreichen Hüften zu grauenhafter einheimischer Musik kreisen liess. Ich hatte also meine Vorbehalte, aber ich bin ja auch ein Freak, Torsten wollte hin. Ich tat erstmal interessiert und schlich mit. Es kam, wie ich es ahnte. Wild aussehende und schreiende Afrikaner belebten erst selbst eine kleine Bühne und zerrten dann folgsame Europäer in ihre Runde, die sich auch brav anschrien liessen und dann selbst wie gezüchtete Hunde den einen oder anderen vorgegebenen Ton von sich gaben. Das Klischee vom wilden Afrikaner, der nur Tanzen im Kopf hat, war somit gepflegt und ich ging dann zum letzten Programmpunkt vor Assuan über und war im Pool auf dem Sonnendeck mit der Hilfe von Torsten baden.

Wendepunkt Assuan

Der Tag begann dann morgens um fünf mit dem üblichen Einblick in die arabischen Charts. Platz 1 bis 39 wie immer DJ Muhezzin mit seinem morgendlichen und ohrenbetäubenden Gebrüll vom Minarett:
„Allaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahuagba“, also Allah wäre groß. Offensichtlich ist Allah auch etwas taub, sonst ginge das ja auch leiser.
Assuan selbst war so, wie ich es erwartet habe, also eher enttäuschend. Die einzigen Sehenswürdigkeiten, wobei man noch streiten kann, ob ein Staudamm eine Sehenswürdigkeit ist, war eben dieser Staudamm und der Tempel der Liebesgöttin Isis. Der lag aber schon wieder auf einer Insel und war nur mit einem kleinen Kutter zu erreichen. So erzählte uns der ägyptische Reiseleiter, der wie eine Sparversion von Xavier Naidou aussah diesmal in sehr gutem Deutsch sehr viel von Land und Leuten, von 72 Jahren englischer Besatzung, diesem und jenem Krankenhaus und vor allen Dingen über das Wasser. Da speziell von dem des Assuan-Staudamms. Vorher fuhren wir aber noch einen Steinbruch an, der schon den Pharaonen gedient hat. Interessanterweise wurde der sogar von Soldaten bewacht. Entweder bezieht die Al Kaida ihren Nachwuchs aus jugendlichen Palestinänsern, die ihre Munition für die Intifada aus solchen Steinbrüchen bezieht, oder die Ägypter haben nur Angst vor religiösen Fundamentalisten. Zum Stausee: Eine ganze Menge Wasser ist das schon, aber das ist die Ostsee auch und keiner macht wegen ihr ein solches Gewese. Es ist zumindest der Punkt, an dem Ägyptens kulturelle Größe im Süden endet, weil dort Schwarzafrika beginnt und die Highlights der ägyptischen Kultur, die großen Tempel, die Pyramiden, nunmal im Norden sind. Auf dem Rückweg von Assuan zum Schiff wurde noch ein strategisch geschickter Halt an einer Parfümfabrik gemacht, wo es die abenteuerlichsten Düfte in einem Flacon als Essenz zu kaufen gab und da packte uns dann der finale Kaufrausch. Über jede Blume wurde uns erzählt, wie lange sie unter dem Arm von alten Frauen getrocknet und ausgepresst wurde und wie sagenhaft selten und teuer so etwas in Europa sei. Das weckte natürlich unsere Gier, dann mit so etwas Seltenem Mütter, Frauen und Freundinnen zu beschenken. Als dann noch von Rabatten die Rede war, verloren wir alle Hemmungen und kauften drauflos. Das wir eigentlich noch vier Tage Ägypten vor uns hatten, verdrängten wir völlig und wo unser Bargeld nicht langte, musste Torstens Kreditkarte ran. Was soll der Geiz, in Ägypten sind wir so schnell ja nicht wieder und unsere Frauen und Mädels haben es verdient und werden sich freuen! In drei Tagen ist ja ohnehin der Rückflug und bis dahin hat das Bargeld eben zu reichen, Punkt, aus! Die Rückfahrt geht Montag mit nur einem Halt in Esna dann direkt durch bis Luxor. Einen Tag später werden wir beide in Berlin frieren.