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Kollegen

Ein jeder Erwachsene, sofern er das Glück hat über Arbeit zu verfügen, hat auch Kollegen. Auch da gibt es Solche und Solche. Die Einen glaubt man seit 20 Jahren gut zu kennen, weil man eng mit ihnen in einen Büro zusammenarbeitet. Wenn man dann körperlich nicht mehr tadellos funktioniert und die dann die Gelegenheit doch tatsächlich dazu nutzen, um sich bei höheren Instanzen über diesen Fakt zu beschweren, war das nichtnur jämmerlich, sondern auch die Enttäuschung darüber ziemlich groß. Ich glaubte, irgendetwas grundsätzlich falsch gemacht zu haben. Als mich dann die folgenden vier Jahre im Internet einige Asseln fertig zu machen glauben mussten, knabberte das noch heftiger an meinem Selbstwertgefühl und jeder weitere Tag, den ich so leben musste, war blanker Horror. Aus Tagen wurden Wochen. Aus Wochen dann Monate und aus denen dann Jahre. Mit eisernem Willen kam ich dann zurück an mein Theater. Das Arbeitsfeld war ein anderes, aber ich war erstmal wieder drin. Ich mag dieses Theater und es ist mein Leben. Weniger das Haus, als vielmehr die Leute dort.
Da ich mein Leben ziemlich ungern verliere, blieb ich also zäh und schaltete auf Kampf.
Bei diesem Kampf von zu Hause aus verbrachte ich die meiste Zeit im Internet und lernt dort die absurdesten Leute kennen. Von asozialen Studenten, die am Anfang ihres Berufslebens schon eine „Auszeit“ brauchten, über alte Weiber, die sich ernsthaft als Sekretärin bezeichneten, Männer so alt wie Mick Jagger, nur das die ihre bis dahin misslungene Existenz dadurch aufzuwerten versuchten, in dem sie als Rentner noch Denunzianten in einem Kinderchat wurden, bis hin zu jungen Männern, die im Internet Boards aufmachten, um dort minderjährige Jungs nach Nacktfotos anzuhauen und daran dann ihre perversen Triebe abzubauen.
Ich hatte in den vier Jahren Internet also die komprimierten Grundübel der westlichen Welt erlebt. Einige recht gute junge Menschen dort konnte ich als meine Freunde filtern und sogar in das reale Leben hinüberholen. Ansonsten besteht das Internet hauptsächlich aus menschlichem Müll. Gescheiterten Existenzen, die für etwas rein Virtuelles jeden Freund betrügen und berauben. 23jährige Männer, die widerwärtigerweise auf kleine Jungs reflektieren, werden von anderen 23jährigen um Hilfe gebeten, weil denen gerechterweise das geklaute Board abgeraucht ist und die wiederum auch gestörte Jungerwachsene zur Seite holen, die mit 18 tatsächlich auf 12jährige Mädchen abfahren, also zusammen alles kriminelles Gesocks ohne eigenes Leben und ohne Zukunft. Das ich bei einer solchen Anhäufung von kriminellen Pennern und schon im Ansatz gescheiterter Existenzen meine grundehrlichen Kollegen vermisse, liegt auf der Hand.
Ich kämpfe also weiter um meinen Job und werde nach bald vier Jahren auch so was wie belohnt. Man lässt mich auf pauschaler Basis für die Marketingabteilung meines geliebten Theaters eine echte Dreckarbeit machen. Nur nach vier Jahren Luxusgefängnis Zuhause ist der normale Mensch nicht wählerisch und macht fast alles. Nur weg von den Gestörten.
Einer von ihnen fühlt sich zu Recht angesprochen und kackt einen grusligen Wortmüll in schauderhaftem Deutsch in das Gästebuch meiner HP:

„Flocalis IP: 217.236.85.197
22.1.2004 um 18:9:54

Es gibt Leute denen ist einfach nicht mehr zu helfen, sie bezeichnen das internet als "virtuelles Gelumpe", nutzen aber genau dieses dazu um andere Leute so richtig schlecht zu machen, wenn ich hier Leute mit "Kinderficker" beleidigt werden , lange ich mir an Kopf. Vileicht sollten einige von euch mal an die frische Luft und nicht den ganzen tag vor dem Rechner hängen, da kann man sein Hirn wunderbar auslüften lassen.“

Lustig, das gerade solche Leute den Mut haben, von einem Hirn zu reden, wo sie ganz offensichtlich das Ihre erst zu Erbsengröße haben aufblasen lassen. Das ist im Übrigen der Typ, der das in ihn gesetzte Vertrauen missbraucht und seinem, jetzt ehemaligem Freund das Board gestohlen hat. Er plustert sich gerne mal auf und hält sich für groß, aber ist doch nur ein hässliches Kind, das ohne Schwierigkeiten und ohne Maske den Gollum in Herr der Ringe hätte geben können! Wie viel lieber sind mir doch da Kollegen, die im gleichen Jahr wie ich am Fredrichstadtpalast angefangen haben und die mir Folgendes im Gästebuch meiner HP hinterlassen:

„Carola Keuntje IP: 62.104.208.76
16.1.2004 um 21:26:33
Hi Schubi,
habe mir gerade mal Deine Homepage angesehen und finde Sie echt toll! Ich bin heute etwas traurig, weil Du so plötzlich aus unserem Büro "verschwinden" musstest. Mir fehlten einfach die Worte! Schei... , das ich kein Chef bin und was zu sagen habe. Wir arbeiten zwar schon sehr lange im gleichen Haus, aber kannten uns trotzdem so gut wie nicht. Ich habe in dieser Woche erst mal gemerkt, was Du für ein netter, liebenswürdiger und intelligenter Mensch bist. Lass Dich durch Deine derzeit körperliche Behinderung bitte nicht unterkriegen - ich bin überzeugt Du schaffst das! - und wirst auch dann wieder den Job machen den Du möchtest und der Dir zusteht! Auch wenn Du jetzt in einem anderen Büro sitzt, ich denke, wir sehen uns nächste Woche. Also wünsche ich Dir ein schönes und erholsames Wochenende!
Liebe Grüße von "Deiner Lieblingssekretärin" Carola.“

Gegen das Urteil einer erwachsenen Kollegin, die mich jetzt ganz gut kennt und eine echte Sekretärin ist, kommt das wirre und hilflose Gestammel solcher Spargeltarzane ohne eigenes Leben natürlich nicht an. Solche Vitazwerge suchen Frauen via Internet, aber es wäre besser für die Frauenwelt, wenn sich diese Leute erstmal im Shop von Beate-Uhse.de umschauen würden!
Zurück zu den richtigen Menschen, zu meinen Kollegen. Da tauchte ein Stückeschreiber und Musikredakteur auf, den ich eher oberflächlich kannte, aber er kannte mich und vor allem meine Art zu arbeiten und er zog ohne viel Gewese ein paar Fäden und so werde ich mit ihm dem Notenarchiv meines Orchesters mit dem Computer zu Leibe rücken. De Facto also mein Comeback im Orchester, Meiner Hartnäckigkeit, dem Einsatz meiner Mutter und dem guter Kollegen sei Dank! Für das Treiben des Internets werde ich dann sehr wenig bis keine Zeit mehr haben, aber die Besten meiner jungen Freunde hab ich ohnehin im Handy und da bleibt ja noch das Wochenende!