About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Komm, lass uns beten

Das ist jetzt nicht etwa meine schwachsinnige Idee oder Aufforderung an jemand Bestimmtes, sondern so rennen westdeutsche Jugendliche durch Deutschland, die damit andere Jugendliche für den christlichen Fundamentalismus der christlichen Sekte „The Call“ begeistern wollen, die gestern nach Harald Schmidt in der Dokumentation „Jesus’ junge Garde“ in der ARD das Thema war. „The Call“ ist einer der vielen Importe aus den USA, genau wie Blues und Rock'n'Roll, aber wesentlich unlustiger.
Es ist, als hätte man dort das Mittelalter konserviert und verkauft es nun als etwas ganz Neues, nur in peppiger Verpackung. Helden gibt es heute ja auch keine mehr und die letzten Helden wurden vor über 20 Jahren bei den Demos gegen den NATO-Doppelbeschluss und in Brockdorf und Wackersdorf bei den Demos gegen die AKWs aufgerieben, aber da ja atomare Strahlung mit einer Halbwertzeit von 5000 Jahren von der Regierung, der man neuerdings bereit ist, zu glauben, die Atomkraft per se für ungefährlich erklärt wurde, hat sich dann damit auch das Heldentum erledigt. Da aber nun die Helden von gestern ausgedient haben, bieten die christlichen Fundamentalisten ihre Helden von Vorgestern an, Gott und seinen unehelichen(!) Sprössling Jesus Christus mit der Bibel gleich noch als Richtlinie für den Alltag.
Wie bei den geknechteten Katholiken und eben wie im Mittelalter stehen dadurch fleischliche Begierden und das Verlangen wieder ganz oben auf der Verbotsliste. Wer da zuwider handelt und gar Sex vor der Ehe hat, dem drohen sofort Fegefeuer und Hölle. Ich finde das insofern seltsam, da ja wohl Gott erst Begierde und Verlangen geschaffen hat, aber ich bin auch nur ein logisch denkender Heide, der sich ein Dauerabo für beide Lokalitäten im Schweiße seines Angesichts wahrhaft redlich so erworben hat, den verheiratet bin ich ja noch immer nicht und bis zur nächsten Eiszeit dürfte sich daran auch nicht viel ändern und mein Sex wird so immer einer vor der Ehe bleiben.
Mir ist auch ziemlich egal, wie schmerzhaft mein Leben nach dem Tode sein könnte, ich will nur sicher sein, dass ich im Leben vor dem Tod auch wirklich gelebt habe. in der Hölle wäre ich dann ohnehin nur auf die Gespräche aus, die ich dort führen könnte, weil da die wirklich interessanten Menschen sind.
Die Braven und die Gläubigen. disich im Himmel auf einer Wolke langweilen, habe ich ja dann schon im Leben gemieden, weil die meist auch feige und hinterfotzig sind. aber zurück zu den jungen, christlichen Fundamentalisten. Früher haben junge Menschen Hoffnung und Trost in einer Musik gefunden, die ganz alleine die Ihre war und die ihnen auch sicher niemand streitig gemacht hätte. Sie pilgerten zu Tausenden nach Woodstock, nach Roskilde in Dänemark, zu Rock am Ring in Deutschland, oder die Jüngeren zur Loveparade oder zum Mayday, um dort die persönlichen Probleme für eine Weile zu vergessen. Wie in der ARD gezeigt, pilgert man heute nach Berlin ans Brandenburger Tor, um dort an einer Erweckungspredigt von „The Call“ teilzunehmen und Gott ein wenig für seine endlose Güte zu danken. Dann wurden junge Aktivisten von „The Call“ gezeigt, die sich mit Gott und der Bibel im Gepäck in den gottlosen Osten Deutschlands aufmachten, um die immer noch widerspenstigen Heiden und Ungläubigen dort zu bekehren.
Dort angekommen, griffen sie sich sofort ein paar unschuldige arbeitslose Jugendliche, sagten zu ihnen die überzeugenden Worte: „Komm, lass uns beten.“ und versprach ihnen in die Hand, dass sich Gott persönlich nun um ihre Arbeitsplätze kümmern werden, wenn sie ihn nur heftig genug verehren. Mich persönlich hat auch das ein wenig irritiert, denn soweit ich mich noch erinnern kann, hat sich doch dieser Gott vor einiger Zeit, nach Erschaffung von Himmel, Erde und Menschheit aus dem Prozess der eigentlichen Produktion zurückgezogen und betreut seit dem die Beschwerdestelle und den lausigen Kundenservice ohne Umtauschrecht.
In den USA sind diese lästigen Christen von „The Call“ natürlich schon weiter. Sie beraten den amtierende Präsidenten, was dessen miese Politik zumindest ansatzweise erklären würde und wollen die Trennung zuwischen Staat und Kirche aufheben und nichts weniger als einen Gottesstaat mit der Bibel als einzigem Gesetz und sicher einem Ajatholla Bush als Führer. Der Iran lässt heftig grüßen.
Würde ich an Gott glauben, hätte ich ihm spätestens nach diesem Bericht der ARD dafür gedankt, dass ich nicht in den USA geboren wurde und meine Probleme noch selbst zu lösen vermag. So richtig fertig gemacht hat sich Gott für mich bis jetzt ja ohnehin nicht.

Für die üblichen anonymen Wut und Belehrungsausbrüche, anonyme Beschimpfungen durch Mutanten, Idioten, also peinlichen Nenschen und Mantelkindern, die Kommentarbereich und Gästebuch nicht trennen können, oder auch nur für Kommentare, bitte hier klicken!