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Kopfnoten

Ich weiß nicht genau, wie es auf einem Zeugnis von heute so aussieht, aber zu meiner Steinzeit in gab es in der Schule noch die so genannten Kopfnoten im Zeugnis.
Das waren die Noten Betragen, Mitarbeit, Fleiß, Ordnung und Gesamtverhalten.
Genau weiß ich das nicht mehr, denn meine Zeugnisse habe ich so gut vor mir versteckt, dass ich sie auf Anhieb nicht finde. So habe ich die letzten Kopfnoten auch nicht im Gedächnis, aber ich weiß, dass sie sehr übel waren.
Diese Kopfnoten lagen einzig im Ermessen des Klassenlehrers und gaben ihm damit die Möglichkeit, bei Schülern die er mochte, den Schnitt anzuheben und den Schülern, die er nicht mochte, noch schnell einen Tritt mit auf den Weg zu geben.
Zu meiner Zeit sollten diese speziellen Noten per Definition dazu dienen, den guten sozialistischen Menschen zu formen, aber das war ungefähr auch das Letzte, was mir so vorgeschwebt hatte. Guter Mensch ging ja in Ordnung, aber Sozialist?
Das fand ich schon mit zarten 16 nur überaus abstoßend, denn das nervige Volk der Lehrer um mich herum bestand fast nur aus Sozialisten und so wie die wollte ich nicht enden und nach meiner Meinung gab es damals ohnehin schon zuviel Sozialisten und da brauchte es nicht noch mich.
Ich hatte einen anderen, klaren, aber etwas dämlichen Lebensplan. Aus einem Grund, den ich aus heutiger sicht nur als hormonell bedingt einstufen kann, wollte ich mit 16 allen Ernstes zum Bau und hatte den Lehrvertrag als Baumaschinist schon in der Tasche, als mir meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte und ich in letzter Minute umsatteln musste und dann Nachrichtentechniker bei der Post lernte, aber das führt jetzt zu weit.
In der Schule musste ich also gegen den Terror der Kopfnoten ankämpfen und dafür in den Fächern entsprechend vorlegen und bis auf Mathe und den Naturwissenschaften fiel mir das sogar relativ leicht und dafür hatte ich meine Leute.
Ich mochte Deutsch und Geschichte. In Deutsch hatte ich zwar die Klaue eines Hühnerhabichts, aber ich hab ja viel gelesen und glich das damit aus.
Ich war an sich faul wie die Sünde, was ich noch immer bin, aber ich schlug mich immer irgendwie durch zu einer guten Zensur. Schon präventiv als Waffe gegen die drohenden Kopfnoten am Ende des Schuljahres.
Ich war also in den Fächern gut, aber die launigen Kopfnoten Gesamtverhalten, Ordnung Fleiß und Betragen wiesen mich als schlechten Sozialisten aus.
Das war mir aber herzlich egal und auch später hat es nie wieder einen interessiert.
Um es auf den Punkt zu bringen, Kopfnoten sind subjektiver Mist. Egal, wer sie vergibt, er bewertet sie über.
Das gilt heute erstaunlicherweise genauso, wie 1974 und deshalb sind mir Bewertungen, die Kopfnoten von heute, auch noch immer egal und daher meide ich sie. Sie sind nur ärgerlich und mehr nicht!
Es sind am Ende nämlich immer diese Bewertungen, die keinen Wert haben.
Ich wurde auch mit schlechten Kopfnoten ein relativ guter Mensch mit beruflichem Erfolg.