About me
   Verfasstes
   Internetfamilie
   Fotos
   Friends
   Tiere
   Links
   Guestbook
   Diverse Bilder
Land, Schiff und Leute

Das Land, aus dem uns der heiße Wüstenwind ins Gesicht blies, ist zwar per Definition eine Demokratie, aber Präsident Mubarak regiert seit 1981 mit fester Hand und ganz wie der Pharao Ramses der Zweite, nur das Mubarak die Sklaverei zwischenzeitlich per Gesetz verbieten liess. Ägypten lebt aber vom Tourismus und so mussten die ausgefallenen Sklaven der Schiffe des Nil mittlerweile auch durch Motoren ersetzt werden. Das war zwar teurer, aber die neuen Schiffe machen schon optisch mehr her, weil sie bis zu fünf Stockwerke groß sind. Ein solches ist nun die nächsten sieben Tage und Nächte unser Quartier. Unsere Kajüte ist etwas größer als mein Schlafzimmer, hat eine, hier dringend nötige Klimaanlage. Allerdings haben diese Gemächer auch ziemlich große Spiegel, die mich fast wieder rückwärts raustorkeln liessen. Ich sehe mittlerweile so aufgequollen aus, wie die Leute vor denen ich sonst immer warne. Wenn nicht gerade ein anderes Schiff dazwischen liegt, hat man eine erstklassige Aussicht auf das andere Nilufer. Hier in Luxor ist das der riesige Tempel der Göttin Hatschedsud. Heute wollten wir aber der riesigen Tempelanlage von Karnak einen Besuch abstatten und Torsten bestand auf frühem Aufstehen. Unanständig früh, wie er dann selbst bemerkte, als uns morgens um 7 Uhr der Weckruf am Telefon aus tiefem Schlaf riss. Seine Feststellung, das die Tempel ja nun schon 4 bis 5000 Jahre hier stehen und es nun auf eine Stunde auch nicht mehr ankomme, quittierte ich mit einem wissenden Grinsen. Beim Frühstück kippten wir uns schnell zwei starke Kaffee in den Kopf und zogen auf mein Betreiben dann los, denn wir hatten die Verantwortungen aufgeteilt. Torsten übernahm das Management über das Geld und ich das über die Zeit. Für die tausend Währungen in unseren Taschen brauchte man zwei Hände, aber für die Zeit nur eine innere Uhr und einen Kopf. Nun hatte sich Torsten in seinen Kopf gesetzt, unbedingt an einer sogenannten „Informationsveranstaltung“ der Reiseleitung teilzunehmen, die so richtig wenig Sinn ergab, wie ich zu Recht befürchtet hatte. Da das Schiff aber schon um 12:30 Uhr Richtung Edfu ablegte, drängte ich aber zur Eile. Der Kai, an dem unser Schiff, die Zeina, angedockt war, lag zwar noch innerhalb der Stadt, aber zum Besuch der Tempel empfahl sich dann doch ein Verkehrsmittel. Zumal, wenn man sich, wie wir, nicht dem Zwang einer Gruppe unterordnen wollten, sondern ganz individuell diese alte Kultur erforschen wollte. Auf meinen 1,5 Füßen hätte ich ohnehin jede Gruppe bis hin zum Stillstand ausgebremst. Torsten hingegen klemmte mich quasi unter den Arm und wir fuhren in Saids Taxi zum Tempel von Karnak. Als wir dann dort waren, wurden wir von mehreren tausend Jahren Geschichte fast erschlagen und von einer sehr fleißigen Sonne fast medium durchgebraten. Ich hatte ein ähnliches Gefühl schon 1998 gehabt, als ich am Grand Canyon gestanden hatte. Nur war das ein Bauwerk der Natur und die Tempel dagegen eines des Menschen. Dass dem so war, merkte ich ganz besonders an den Straßen der Tempelanlage. Tausend Jahre alte Steine, das kam mir allerdings von den Berliner Straßen und deren Belag sehr bekannt vor. Nur das es in Berlin dank zahlloser Kriege nicht ein einziges historisch wertvolles Bauwerk gibt, das dem Wunsch auf Betrachtung auslösen würde. Die Vorfahren der Ägypter, die gegen kleines Entgelt den Touristen dienlich sind, haben Tempel und Pyramiden zu einer Zeit gebaut, als unsere teutonischen Vorfahren noch im Wald herumliefen und mit den Bären um die Besitzrechte an dessen Fell zu streiten. Nach einer halben Stunde Tempelanlage Karnak quittierten meine Füße jedenfalls den Dienst und wir liessen uns von Said in seinem Taxi alles das in Luxor zeigen, was er für kulturell auch nur ansatzweise von Wert hielt. Um dem Fass die Krone ins Gesicht zu schlagen, ging Said sogar noch Getränke für uns einkaufen. Alles zusammen, Rundfahrt und Einkauf für umgerechnet, lächerliche Neun Euro. Das stelle man sich bitte mal in Berlin vor: Ein überaus freundlicher Taxifahrer, der einem Touristen nicht nur die Stadt zeigt, sondern sogar noch für ihn einkaufen geht! Vom Menschenschlag gesehen, liegt Ägypten nicht nur auf einem anderen Kontinent, sondern sogar auf einem anderen Planeten. Die Menschen hier sind von Natur aus freundlich und überaus herzlich, anders als die Araber, die ich in den USA kennengelernt und deren Freundlichkeit ausschließlich finanzielle Hintergründe hatte. Natürlich geht es den Ägyptern auch ums Geld, aber sie sind nicht ganz so gierig.