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Lieber Besuch aus dem Chat

Am Samstag bekam ich Besuch. Nicht irgendeiner, nein, einer den ich nun drei Jahre lang kenne und der ein verdammt gradliniger Geist war und ist, was Denken, Schreiben und Handeln angeht. Nennen wir ihn mal Felix. Ich wusste von früheren Gesprächen im Chat und via ICQ, das ihm das Schicksal noch übler mitgespielt hat, wie mir und er Zeit seines jungen Lebens an den Rollstuhl gefesselt war. Nur blickte mir beim Öffnen der Wohnungstür ein quicklebendiges, fröhlich lächelndes Wesen entgegen, wo ich mit einem Blick wusste, der hat sein Leben im Griff. Der Rollstuhl, der für mich nur sieben Monate Folter bedeutet hat, hatte für ihn den Stellenwert einer Jacke, die man nun mal braucht. Nach einer kurzen, sehr unterhaltsamen Kaffeerunde bei mir, ging es dann zu einem weiteren Ziel seines Besuches, es ging in mein Theater. Ich hatte alle dort üblichen bürokratischen Hebel bewegt, damit ich Felix mein Theater Backstage zeigen konnte und seiner Mutter eine Karte besorgt, damit diese sich in dieser Zeit eine Vorstellung ansehen konnte. Nun war gerade große Pause zwischen zwei Vorstellungen, als wir ankamen und Alles strömte aus dem Haus. Bühnentechniker und auch meine Musiker. Ich wusste nicht, über was ich mich eigentlich mehr freuen sollte, die Herzlichkeit nach zweijährigem Wiedersehen, oder die Selbstverständlichkeit, mit der mein junger Freund in seinem, doch sonst eher abschreckendem Gefährt von meinen Kollegen aufgenommen wurde. Die ganzen, von mir eingerührten bürokratischen Vorkehrungen erwiesen sich als der übliche Nonsens, denn die mir noch sehr gut bekannten Wachleute, winkten mich und meinen Besuch ganz selbstverständlich durch. Als wäre ich nicht zwei Jahre weg gewesen, sondern nur mal kurz raus zum Italiener gegangen und nun noch nen Kumpel mitbrachte. Auf dem Weg zum, ja nun doch notwendigen Fahrstuhl ging es an den Musikergarderoben vorbei und das eigentliche Begrüßungsgejohle begann erst mal richtig. Nie wurde ich von erwachsenen Leuten, die etliche Jahre älter waren, als ich, dermaßen herzhaft empfangen, umarmt und begrüßt. Im Vorbeifahren/laufen konnte ich Felix noch schnell den riesenhaften Hinterbühnenwagen zeigen und einen Blick auf die nicht weniger kleine Vorbühne geben. Von meinem Büro ging es dann hoch zur Beleuchtung um dort etwas von der Show zu sehen. Felix immer etwas vorneweg. Ich war dann nur da, um einige Türen aufzuschließen. So ging es da Ich hab mich an diesem Tag wunderbar unterhalten. Felix und seine Mutter nach eigenem Bekennen auch. Dieser Tag hat mich unendlich viel gelehrt über den Umgang mit schweren Schicksalen und deren Trägern. Ich bin wahrlich nicht der Mittelpunkt der Welt. Die Welt hat mehrere Mittelpunkte. Felix ist nun einer davon. Ein paar von seinen Eigenschaften an die Pisajugend verteilt und Diese wäre samt Riesters Rentenproblemen gerettet!