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Mairituale

Irgendetwas ist anders an diesem 1. Mai 2005. Es ist wieder ein Tag der Arbeit in einem Land ohne Arbeit und somit eigentlich schon etwas pervers. Nicht nur, das Petrus gefeiert, gesoffen und einen Kater haben muss, weil er die Fernwärme auf Maximum gestellt hat. Es sind stellenweise bis zu 31 Grad in Deutschland.
Müntefering, der Chef der regierenden SPD ist plötzlich baff erstaunt über die Tatsache, das im Kapitalismus doch tatsächlich das Kapital das Sagen hat und nicht die Politik.
Er findet heraus, dass es dann einen kausalen Zusammenhang zwischen dem unwilligen Kapital und den fünf Millionen Arbeitslosen geben müsste und verkauft das Ganze den gierigen Medien als seine „Kapitalismuskritik“.
Die schlucken das als Neuheit und verbreiten es entsprechend, obwohl dasselbe von einem gewissen Karl Marx schon vor ein paar Tagen, so um 1848 in einem „kommunistischen Manifest“ veröffentlicht wurde und seither das Hassobjekt eines jeden anständigen Kapitalisten ist, der eher seine Gewinnmaximierung, als die Beschäftigung von Arbeitslosen im Kopf hat.
Angespornt von seiner Erkenntnis fährt Müntefering sogar todesmutig in die Höhle der Löwen und nimmt im Ruhrpott, um in Duisburg sogar an einer Maikundgebung der Arbeiter teil, die noch etwas Arbeit haben.
Nur wissen diese schon etwas länger um den Umstand, dass die Firmenchefs die Arbeitsplätze vergeben und nicht etwa die SPD.
So fliegt dem Chef der SPD nicht die erwartete Begeisterung entgegen, sondern Pfiffe, Buh-Rufe und Junggeflügel in Originalverpackung, also Eier, entgegen und um die Ohren. Eine gewisse Frau Merkel weiß um ihre Beliebtheit bei den Arbeitern und beschränkt ihr Gezeter in Richtung Rot/Grün sicherheitshalber gleich auf das Fernsehen.
Mit ihr und ihrer Union wird es sowieso alles besser und über Nacht hat Deutschland dann 10 Millionen Arbeitsplätze mehr geben und auch sonst werden in Deutschland nur Milch und Honig fließen. Nur bis jetzt beschränkt sich ihre Politik, genau wie die Wünsche des deutschen Popen, ja auch eher auf ein Hoffen.
In Leipzig und Nürnberg hingegen wird einem klar, warum sich so viele Sendungen sich stundenlang damit befassen, ob der Gröfaz Adolf Hitler auch wirklich tot ist, denn in Deutschland marschieren die Braunen schon wieder.
Wie in Deutschland gewohnt, greift die Polizei sehr hart durch und verhaftet die bösen linken Gegendemonstranten. Kein Wunder, dass man im Ausland wieder Angst vor den Deutschen hat, so frei, wie sich menschenverachtendes braunes Gedankengut hier wieder bewegen kann.
Nur hier in Berlin ist es, wie immer, ein wenig anders. Neonazis gibt es hier zwar auch, aber der 1. Mai gehört den Linken.
Seit bald 20 Jahren zelebrieren die linken Autonomen hier ihre ganz eigene Art von Kapitalismuskritik und nach einer „Revolutionären Maidemonstration“ rüsten sie sich für ihre jährlichen, nächtlichen Krawalle in Kreuzberg, seit 1990 auch in den östlichen Bezirken Friedrichshain und im Prenzlauer Berg, um damit die Kapitalisten zu schocken. Da die echten Kapitalisten dann doch nicht wirklich in den Berliner Arbeiterbezirken wohnen, nehmen sie es entsprechend gelassen und den Rest erledigt ohnehin die Polizei in einer lustigen Schlacht in den Mai.
Nur diesen Mai passiert eher wenig und außer Hartz IV hat man auch keinen großen Gegner, denn die Nazis sind alle in Leipzig.
An solchen Tagen bin ich sogar ganz froh darüber, dass ich vor fünf Jahren von Krankheit und eifrigen Bürokollegen in die frühe Rente getrieben wurde, denn ich kann genauso gelassen zusehen, obwohl mein Herz und meine Sympathie ganz eindeutig bei den linken Demonstranten liegen. Genau genommen ist dieser 1. Mai doch nicht so sehr viel anders als sonst. Er ist nur sehr viel wärmer.
Auch der Klassenkampf ist nicht mehr das, was er mal war