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Miami weichgespült

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Der Titel deutet es ganz zart an, ich war am Feiertag der deutschen Einheit mit der Freundin im Kino und habe mir die Filmversion von Miami Vice, der so coolen Serie aus den Achtzigern gegeben und an sich ging sich dieser lausige und künstliche Feiertag, an dem sich zwei Länder vereinigt zu einem großen Land haben und weil die Politiker den Mund zu voll genommen haben, nur um gewählt zu werden und es nun beiden Teilen schlecht geht und es ja so kaum noch einer etwas zu feiern hat, auch ganz gut an.
Um dem Feiertag und dem entsprechend lausigem Fernsehprogramm entsprechend würdig zu begegnen, holte ich aus meiner Horrorecke den Zombiestreifen „Land of the Dead“, in dem ein ganzes Land von ziemlich untoten und recht blutgierigen Zombies bedroht und schließlich übernommen wird.
Ich für meinen Teil sehe da durchaus Parallelen, aber das entscheidet ja jeder für sich. Um den leeren und hohlen Phrase der Politiker zu entgehen, die eine Einheit feierten, in der es für Ost und West noch immer zwei verschiedene Tarife bei völlig gleicher Leistung und absolut identisch hohen Preisen gibt, was ich persönlich schon verlogen finde, entschied ich mich dafür, diesen Tag mit Hilfe einiger DVD zu begegnen und für den Abend war nach langer Zeit mal wieder Kino mit Bine geplant. Beim letzten Mal vor unserem Urlaub hatten wir uns den spektakulären Untergang des Luxusdampfers Poseidon angesehen, in der Hoffnung, dass unsere Kreuzfahrt dann ähnliche Höhepunkte zu bieten hat, aber wie befürchtet, blieben die ja aus und unser Überlebenskampf galt nur einer ziemlich perversen, weil ausschliesslich frostigen Klimaanlage, die unsere Kabine unterkühlte.
Nun war das schon was her und nun stand Miami Vice auf dem Programm.
Im Kino kam erst einmal eine positive Überraschung, denn da meine Bonuskarte voll war, musste auch ich keinen Eintritt zahlen und Bine als meine Begleitung kam ja ohnehin umsonst rein.
Da war dann Bine in sofern im Vorteil, dass sie das Original, die Serie, nicht kannte und sie unbelastet war.
Ich hingegen habe das damals so oft gesehen, wie ich es einrichten konnte oder einen Videorecorder dafür programmieren konnte. So war zumindest Bine unbefangen und mal wieder der richtige Begleiter für das Kino und für diesen Film. Tochter Lina war gerade eine Woche zu Besuch gewesen und macht nun ein Praktikum in London und Bine hatte Zeit, Lust und Muße. Ich hatte ja schon meine ersten Bedenken, als ich die Besetzung der beiden Hauptrollen Sunny Crockett und Ricardo Tubbs mit Collin Farrell und Jamie Foxx hörte.
Die Serienhelden Crockett und Tubbs haben vor 20 Jahren ja schon allein davon gelebt und wirkten cool, weil vor ihnen nur solche faltigen Pferdegesichter wie ein Kommissar Derrick und ein Inspektor Columbo den Bildschirm bevölkert haben und Crockett zudem noch im edlen Ferrari seine Gangster jagte, während seine biederen Kollegen im Mittelklassewagen durch die Gegend tuckerten und da wirkte Don Johnson, der Crockett in der Serie per se schon cool, ohne auch nur einen Ton gesagt zu haben.
Diese Option hatte Collin Farrell schon deshalb nicht, weil sich das Bild des Polizisten in diversen Filmen ja ganz generell geändert hat.
Ein Will Smith als Cop kam ja auch mit Edelkarosse und war so schon ziemlich cool. Dann begann der Film und ich hörte das erste Manko, die Musik.
Da, wo vor 20 Jahren noch musikalische Megastars wie Phil Collins von Jan Hammer, dem musikalischen Macher der Serie die Handlung unterstrichen, kam nun, 2006 allen Ernstes eine Art Rap zum Tragen. Regisseur Michael Mann hatte auf Hammer recht großzügig verzichtet, aber das war alles andere als ein Gewinn.
Dann kam Collin Farrell als Sunny Crockett ins Bild und er hatte ein Requisit im Gesicht, das bei Don Johnson undenkbar gewesen wäre, einen recht albernen Kinnschnauzbart, der ihn wohl älter machen und cool wirken sollte, aber er sah nur albern aus.
Wie in „Alexander“ sind mit den Maskenbildnern da wieder die Pferde durchgegangen. Dann hätte ich erwartet zu erfahren, wer Crockett und Tubbs eigentlich sind und wie sie zueinander kamen.
In der Serie umfasste allein das zwei ganze Folgen und war auch nicht ganz unspannend, denn es hatte mit Drogen, Mord und Rache zu tun. Aber auch darauf hat Regisseur Mann großzügig verzichtet.
Ich wartete gespannt auf die Action, die der Trailer versprach, aber die Handlung die dann folgte, hatte in etwa die Spannung einer Rheumadecke und war irgendwie nicht das, was man von Michael Mann eigentlich gewohnt ist. Es wurden ein paar verdeckte Ermittler erschossen und schon reihte sich Länge an Länge.
Man, in dem Fall ich, bekam kein klares Bild davon, wer eigentlich der zu bekämpfende Böse war, denn es ging von arischen Bruderschaften bis zu kolumbianischen Drogenbaronen recht wild durcheinander.
Nach 10 Minuten sah ich Bine an ihrem Handy nesteln, wie sie eine SMS nach der anderen tippte, sie erwischte mich immer wieder im Sekundenschlaf, der aber ohne Folgen blieb, da es im Kino zwar recht unruhig war, aber trotzdem keinen ernsthaften Gegenverkehr gab.
Im Film wurde eine Beziehungskiste nach der anderen eingebaut und schon das ging mir heftig auf den Kranz.
Man konnte nicht einmal erkennen, dass es den beiden Schauspielern Spaß machte, was sie da taten. Anders als Ben Stiller und Owen Wilson, die noch Monate nach ihrem Film als Starsky und Hutch durch die Gegend alberten. Einzig Jamie Foxx lieferte noch brauchbares Handwerk ab, aber unterhaltend war auch er am Ende nicht.
Der ganze Film war so lustlos und unspannend gemacht, wie ein Film nur sein kann und Michael Mann hat sich mit diesem (Mach)Werk sicher keinen großen Gefallen getan. Ich hätte doch in „Crank“ oder „World Trade Center“ gehen sollen, denn das Beste an Miami Vice war noch der Trailer, aber vielleicht bin ich auch nur zu alt, oder auch nicht schlicht genug im Denken, um mir gute alte Serien in neuer Verpackung zu geben. Meine Wertung ist entsprechend 3/10 und das auch nur für den satten Sound und weil der Film in Farbe war.



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